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Muhammad Ali stirbt 74-jährig

Die Welt trauert um einen der größten Sportler der Geschichte: Muhammad Ali ist tot. Der einstige Boxweltmeister im Schwergewicht und Jahrhundertsportler starb am 3. Juni in einem Krankenhaus bei Phoenix. Ali, eine herausragende Persönlichkeit im Ring und auch außerhalb, wurde 74 Jahre alt.

Der dreimalige Schwergewichtsweltmeister war am 2. Juni wegen Atemproblemen ins Krankenhaus gebracht worden. Sein Sprecher beruhigte noch mit den Worten, Ali werde von einem Ärzteteam betreut und befinde sich in guter Verfassung. Die Sorge um Ali wuchs aber stündlich, sein Zustand wurde immer kritischer. Ali schaffte es nicht. „Gott segne dich, Daddy. Du bist die Liebe meines Lebens“, schrieb seine Tochter Hana auf dem Kurznachrichtendienst Twitter: „Unser Vater war ein bescheidener Riese. Und nun ist er heimgegangen zu Gott.“ Todesursache war ein septischer Schock.

Das öffentliche Begräbnis der Sportlegende fand am 10. Juni in seiner Heimatstadt Louisville im US-Bundesstaat Kentucky statt. Als Redner der Feierlichkeit traten der ehemalige US-Präsident Bill Clinton, der Journalist Bryant Gumbel und Schauspieler Billy Crystal auf. Der Sarg wurde unter anderen vom US-Schauspieler Will Smith und dem britischen Ex-Boxweltmeister Lennox Lewis getragen.

Muhammad Ali nach dem Sieg gegen Sonny Liston

APA/AP

Mit dem Sieg über Sonny Liston holte Muhammad Ali den ersten WM-Titel

Ein Athlet, der die Herzen der Menschen berührte

Politiker, Künstler, Sportler - die Trauer über den Verlust der Boxikone geht über Berufs- und Landesgrenzen hinaus. „Es war mir eine Ehre, (...) mit einem Mann befreundet zu sein, der durch Triumph und Prüfungen sogar größer als seine eigene Legende wurde“, sagte Clinton.

Muhammad Ali und Bill Clinton

Reuters/John Sommers II

Für Bill Clinton (r.) war Ali „größer als seine eigene Legende“

„Er war ein Athlet, der die Herzen der Menschen rund um den Erdball berührt hat“, sagte Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), „er war ein Athlet, der sich für Frieden und Toleranz eingesetzt hat - ein echter Olympionike.“

Sportheld mit Engagement für Minderheiten

Unvergessen sind viele Auftritte Alis - auch jener, als er 1996 bei den Olympischen Spielen in Atlanta bereits gezeichnet von der zwölf Jahre zuvor diagnostizierten Parkinson-Krankheit das olympische Feuer entzündete. 36 Jahre zuvor hatte Ali, damals noch unter seinem bürgerlichen Namen Cassius Marcellus Clay, selbst olympisches Gold im Halbschwergewicht geholt. Er war damals gerade 18 Jahre alt. „Seit dem Tag, als er 1960 Olympiagold gewann, wussten Boxfans auf der ganzen Welt, dass sie eine Mischung von Schönheit und Eleganz, Schnelligkeit und Stärke sahen, die vielleicht nie wieder erreicht werden wird“, erinnerte Clinton.

Ali trat für die Rechte der Schwarzen und Minderheiten weltweit ein. Er geißelte den Vietnam-Krieg. „Heute senken wir unseren Kopf, wir haben einen Mann verloren, der so viel für Amerika getan hat. Morgen werden wir unsere Köpfe wieder heben, uns an seinen Mut, seine Freimütigkeit und an seine Opfer erinnern, die er für seine Gemeinschaft gebracht hat“, schrieb der ehemalige Basketballsuperstar Kareem Abdul-Jabbar.

US-Popikone Madonna twitterte: „Dieser Mann. Dieser König. Dieser Held. Dieser Mensch. Worte können es nicht ausdrücken. Er hat die Welt wachgerüttelt.“ Und vom ehemaligen Schwergewichtsweltmeister Lennox Lewis hieß es: „Ein Gigant. Ali verkörperte eine Größe von Talent, Courage und Überzeugung, die die meisten von uns niemals in der Lage sein werden zu verstehen.“

Große Auftritte und unwürdiges Ende

Alis Erfolgsbilanz ist auch lang, sehr lang. Im Februar 1964 wurde er erstmals Schwergewichtsweltmeister bei den Profis. Er bezwang Sonny Liston und beschrieb seinen eleganten Boxstil mit den Worten: „Schwebe wie ein Schmetterling, stich wie eine Biene.“ Weitere zweimal krönte sich Ali danach noch zum Champion.

Muhammad Ali AND Joe Frazier

AP/Mitsunori Chigita

Im „Thrilla in Manila“ prügelten Ali (r.) und Joe Frazier erbarmungslos aufeinander ein

„Der Größte“ („The Greatest“), wie er sich selbst aber vor allem nannte, lieferte in seiner Karriere unvergessliche Kämpfe wie den „Rumble in the Jungle“ gegen George Foreman und den „Thrilla in Manila“ gegen Joe Frazier. Er bestritt 61 Profikämpfe, 56 davon gewann Ali, der diesen Namen 1965 angenommen hatte, als er zum Islam konvertiert war.

Trotz seiner Rücktrittsankündigung im Juni 1979 zog es Ali noch einmal in den Ring. Er hörte nicht auf die Warnungen von Ärzten und trat im Oktober 1980 gegen Larry Holmes an. Ali verlor nach Kampfabbruch. Seinen 61. und letzten Profikampf (56 Siege) bestritt er ein gutes Jahr später. Wieder verlor er, Gegner am 11. Dezember 1981 in Nassau war damals Trevor Berbick.

Von vielen Krankheiten geschwächt

Ali zeigte sich in den vergangenen Jahren kaum noch in der Öffentlichkeit. Seit 32 Jahren litt er an Parkinson. Mehrfach wurde er im Krankenhaus behandelt. Neben Parkinson hatten in den vergangenen Jahren auch andere Krankheiten den geschwächten Körper befallen. Er litt an einer Lungenentzündung, dann an einer schweren Harnwegsinfektion. Ali musste sich schonen, wurde von seiner Familie beschützt.

Einer seiner Nachfolger, der ukrainische Ex-Weltmeister Wladimir Klitschko, betonte die Nachhaltigkeit von Alis Engagement: „Ein Mann von Charakter, Glauben, Würde und Professionalität. Du wirst uns weiterhin inspirieren, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen.“ Und Ex-Weltmeister Floyd Mayweather schrieb: „Dein Charisma, dein Charme und vor allem deine Klasse werden mir und der ganzen Welt fehlen.“

Obama: „Ali hat die Welt aufgerüttelt“

Auch der scheidende US-Präsident Barack Obama würdigte Ali als einen Mann, „der die Welt aufgerüttelt hat“. Die Welt sei deshalb besser, hieß es in einer schriftlichen Erklärung. Ali sei nicht nur ein großartiger Kämpfer im Ring gewesen, „sondern auch ein Mann, der für das gekämpft hat, was richtig war. Er hat für uns gekämpft“, sagte Obama mit Blick auf Alis Einsatz für die Bürgerrechte. „Muhammad Ali war ‚The Greatest‘. Punkt.“

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