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Nur drei Spieler überlebten Flugzeugcrash

Der Traum einer ganzen brasilianischen Kleinstadt ist am 29. November in den Hügeln des Hinterlandes von Kolumbiens Metropole Medellin zerschellt. Bei einem Flugzeugabsturz kam fast die gesamte Fußballmannschaft des brasilianischen Erstligisten Chapecoense Real ums Leben. Unter den 75 Toten bei dem Absturz waren 19 der mitgereisten 22 Spieler.

Der brasilianische Überraschungsfinalist war auf dem Weg zum Hinspiel des Finales um die Copa Sudamericana gegen Atletico Nacional. Gegen den kolumbianischen Großclub war Chapecoense im südamerikanischen Pendant zur UEFA Europa League zwar klarer Außenseiter, doch der mit Abstand größte Triumph des erst 43 Jahre alten Vereins lag trotzdem zum Greifen nahe. Und vor allem: Die erstmalige Teilnahme am Endspiel eines bedeutenden internationalen Bewerbs war in Chapeco das große Thema.

Grafik der Absturzstelle

Grafik: ORF.at

Nur drei Spieler überlebten Absturz

Nur drei Spieler überlebten den Absturz: Ersatztorhüter Jackson Follmann (24 Jahre) sowie die Verteidiger Alan Ruschel (27) und Neto (31). Tormann Marcos Danilo Padilha, der zunächst schwer verletzt geborgen worden war, erlag auf dem Weg ins Spital seinen Verletzungen.

Torhüter Danilo

APA/AFP/Nelson Almeida

Chapecoense-Tormann Danilo erlag im Spital seinen Verletzungen

Neun Spieler waren nicht zum Finale mitgereist. Unter ihnen war der Argentinier Alejandro Martinuccio, und zwar wegen einer Verletzung. Sein Sohn sei ursprünglich sehr traurig gewesen, dass er nicht nach Medellin reisen konnte, berichtete sein Vater Ruben Martinuccio in Buenos Aires. Nun zählt der 28-Jährige dank seiner Blessur zu den wenigen überlebenden Spielern des Clubs.

Zehntausende bei Trauerfeier

Wenige Tage nach dem Absturz nahmen Zehntausende Menschen in der Stadt Chapeco Abschied. Die Särge der 50 Spieler, Trainer und Mitarbeiter des Erstligisten Chapecoense wurden nach der Überführung aus Kolumbien im Stadion aufgebahrt, die Fans verabschiedeten sich mit Tränen.

Die in die grün-weißen Vereinsfarben gehüllten Särge wurden auf vier offenen Lastwagen vom Flughafen zur Conda Arena gebracht. Ungeachtet des strömenden Regens bildeten unzählige Menschen ein Spalier entlang der Straßen und erwiesen so den Absturzopfern die letzte Ehre.

Emotionale Verabschiedung

Bei der Ankunft des Trauerzuges im Stadion herrschte Stille, Soldaten stellten die Särge auf dem Rasen ab. Da das kleine Stadion nur Platz für 19.000 Menschen bietet, wurden davor große Leinwände für die Liveübertragung aufgebaut. Es wurde geschätzt, dass 100.000 Menschen zum letzten Abschied ihrer Spieler auf den Straßen waren - das ist die Hälfte der Einwohner von Chapeco.

Auch Brasiliens Präsident Michel Temer und der Chef des Weltfußballverbandes (FIFA), Gianni Infantino, nahmen an der Trauerfeier teil. Nach mehreren kurzen Reden verlas der Stadionsprecher die Namen aller Spieler und Mitarbeiter des Teams. Jeder Einzelne wurde mit Applaus bedacht.

Titel postum zugesprochen

Sechs Tage nach dem Unglück wurde Chapecoense nachträglich zum Copa-Sudamericana-Titelträger ernannt. Damit wurde einem Antrag des Finalgegners Atletico Nacional stattgegeben.

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