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Drei Siege, drei Remis, sechs Niederlagen

Als das ÖFB-Team dank Marcel Kollers vierjähriger Aufbauarbeit als Zehnter der Weltrangliste zur EM-Endrunde 2016 in Frankreich gefahren ist, ist die Vorfreude und die Stimmung in Österreich auf dem Höhepunkt gewesen. Es folgte der tiefe Fall: 0:2 gegen Ungarn, 0:0 gegen Portugal und 1:2 gegen Island. Die EM endete für die Österreicher jäh und unrühmlich, die Nachwirkungen sind heute noch zu spüren.

„Wir müssen feststellen, dass das ergebnistechnisch kein erfolgreiches Jahr war“, kommentierte Teamchef Koller die mit insgesamt sechs Niederlagen bei nur drei Siegen und drei Remis bisher schlechteste Bilanz seiner fünfjährigen Amtszeit.

Deutlichere Worte fand ÖFB-Präsident Leo Windtner: „2016 ist einfach ein Seuchenjahr.“ Die Gründe für den Absturz sind vielfältig. Auch wenn die Spieler unisono und permanent betonen, dass die EM „abgehakt“ sei, zieht sich die Misere bis in die aktuelle WM-Qualifikation hinein. „Man gewinnt Spiele auch im Kopf“, so Windtner. „Bei der EM mussten die Spieler negative Erfahrungen machen, und wenn man dann in kritische Situationen kommt, tauchen diese Bilder wieder auf.“

Schreckliche Bilder von der EM

Und es waren in der Tat keine schönen Bilder bei der EM-Endrunde. Nach 31 Sekunden des Auftaktspiels gegen Ungarn klatschte David Alabas Schuss nur an die Stange - da hätte alles noch ganz anders laufen können. Fehlpassorgien und Nervosität kennzeichneten dann das weitere Spiel und das weitere Jahr. Zudem musste auch noch Zlatko Junuzovic, eine der Stützen, verletzt vom Feld. Die Ungarn trafen, Alexandar Dragovic sah Gelb-Rot und die Ungarn trafen schon wieder (zum 2:0-Endstand).

ÖFB-Trainer Marcel Koller

APA/AFP/Kenzo Tribouillard

Für Teamchef Koller gab es bei der EM keinen Grund zur Freude

Gegen Portugal gab es eine Zitterpartie. Die Österreicher stemmten sich mit allen Kräften gegen die drohende Niederlage und die Chance aufs Achtelfinale. Fehlpässe und Unsicherheit waren auch hier prägend, vor allem aber Tormann Robert Almer, der mit einer Weltklasseleistung Superstar Cristiano Ronaldo zur Verzweiflung brachte. Und war Almer chancenlos, so half immer noch das Aluminium, wie etwa bei Ronaldos Elfmeter. Über 90 Minuten waren durchgezittert, das Match endete 0:0, die ÖFB-Chance lebte.

Die ÖFB-Spiele 2016:

Testspiele:
26.3.: Österreich - Albanien 2:1
29.3.: Österreich - Türkei 1:2
31.5.: Österreich - Malta 2:1
4.6.: Österreich - Niederlande 0:2
15.11.: Österreich - Slowakei 0:0
EM in Frankreich:
14.6.: Österreich - Ungarn 0:2
18.6.: Österreich - Portugal 0:0
22.6.: Österreich - Island 1:2
WM-Qualifikation:
5.9.: Georgien - Österreich 1:2
6.10.: Österreich - Wales 2:2
9.10.: Serbien - Österreich 3:2
12.11.: Österreich - Irland 0:1

Im Entscheidungsspiel gegen Island überraschte dann Teamchef Koller, der immer sowohl auf bewährte Spieler als auch sein bewährtes System gesetzt hatte, mit einem neuen 5-3-2-System mit drei Innenverteidigern. Der Plan ging komplett daneben. Island nützte die Verwirrung der Österreicher, ging in Führung. Dragovic vergab den Ausgleich mit einem verschossenen Elfmeter - sinnbildlich für die EM. Als das ÖFB-Team nach der Pause zur gewohnten Formation zurückkehrte und der lange geforderte Alessandro Schöpf endlich eingewechselt wurde, gelang diesem auch prompt das 1:1. Rapid-Legionär Arnor Ingvi Traustason versetzte den Österreichern mit dem 2:1 aber den Todesstoß.

Langwierige Fehlersuche

Fassungslos musste Österreich, das zumindest als sicherer Achtelfinalist gehandelt wurde, das EM-Aus zur Kenntnis nehmen, genauso wie die Tatsache, dass es in bisher sechs EM-Spielen keinen einzigen Sieg gab. „Wir haben die Leistung nicht auf den Punkt gebracht“, suchte Kapitän Christian Fuchs, der danach aus dem Nationalteam zurücktrat, Gründe für das Scheitern. Doch bei dem von Pleiten, Pech und Pannen geprägten EM-Turnier spielten mehrere Faktoren zusammen.

Nervosität und Fehlpässe waren ein Dauerthema. Auch könnte der Druck - sowohl öffentlich als auch von den Spielern selbst - zu groß gewesen sein. Dazu kam, dass einige Stützen von ihrer Topform weit entfernt waren, verstärkt noch durch die Positionsdiskussion rund um Bayern-Star Alaba, der von einer Spielposition zur nächsten geschoben wurde. Nicht zuletzt ist der plötzliche Systemwechsel zu nennen. Fakt ist: „Wir haben in drei Spielen nur eine Halbzeit so gespielt, wie wir es können, das reicht halt nicht“, stellte Koller fest.

Verkorkster Start in WM-Quali

Nach einer langwierigen Fehlersuche wurde das EM-Fiasko von allen Beteiligten einhellig als „abgehakt“ betrachtet. In der Qualifikation für die WM 2018 in Russland sollte ein Neustart versucht werden, das ÖFB-Team wollte wieder an die Leistungen aus der EM-Qualifikation anknüpfen. Zum Auftakt feierten die Österreicher auch einen 2:1-Sieg in Georgien. Das 2:2 daheim gegen Wales nahm man auch noch mit. Doch dann folgte ein 2:3 in Serbien und ein 0:1 daheim gegen Irland.

In den Spielen der WM-Quali zeigten sich weiter ungewohnte Schwächen in der Defensive, Fehlpässe und mangelnde Effizienz bei der Chancenauswertung gepaart mit allgemeiner Nervosität. Nach vier Spielen ist Österreich mit vier Punkten nur Gruppenvierter - das WM-Ticket scheint in weiter Ferne. Koller will seinen Weg aber weitergehen: „Es waren viele enge Spiele dabei“, sagte der Teamchef und zog Bilanz über das Länderspieljahr. „Es war nicht alles schlecht, was schlechtgeredet wurde.“

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