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Aufregende EM in Frankreich

Die EM in Frankreich ist am 10. Juli mit dem Titelgewinn von Portugal zu Ende gegangen. Das Team um Cristiano Ronaldo, der den Großteil des Finales nur verletzt von außen sah, setzte sich gegen Gastgeber Frankreich 1:0 durch. In Erinnerung blieben aber auch die vielen erfolgreichen Underdogs und ein isländisches „Huh“, das seither durch Europas Fußballarenen schallt.

120 Minuten hatte das Finale zwischen Frankreich und Portugal gedauert, ehe die Portugiesen durch den entscheidenden Treffer von Eder in der 109. Minute erstmals den ersehnten Titel holten. Das Team von Trainer Fernando Santos feierte im Turnierverlauf nur einen einzigen Sieg nach 90 Minuten und fiel nach der nur knapp überstandenen Gruppenphase vor allem durch Defensivtaktik auf.

Christiano Ronaldo (POR)

APA/AFP/Franck Fife

Das Finale war für Ronaldo früh zu Ende, beim Titelgewinn lachte er wieder

Eine besondere Rolle im Finale kam Ronaldo zu. Der Superstar verletzte sich schon in der achten Minute am Knie und schleppte sich noch einige Minuten über den Platz, ehe er unter Tränen ausgetauscht wurde. Von der Seitenlinie aus bot er aber eine großartige Leistung und feuerte seine Teamkollegen frenetisch an, war als Motivator und Lenker zur Stelle. Dementsprechend fiel das Resümee von Teamchef Santos aus: „Ich bin sehr glücklich. Cristiano war ein großartiges Beispiel, er hat es zweimal noch versucht. In der Kabine hat er allen Burschen geholfen, das war die Definition von Teamwork. Wir haben eine leuchtende Zukunft vor uns.“

Erfolgreicher Debütantenball

Groß für die Zukunft zeigten auch einige Debütanten auf. Mit Wales, Nordirland, Island, der Slowakei und Albanien waren fünf Mannschaften erstmals bei einer EM-Endrunde dabei, und fast alle lieferten Überraschungen. Erstmals seit 20 Jahren überstand überhaupt wieder ein Neuling die Gruppenphase - und dann waren sogar vier der fünf EM-Debütanten im Achtelfinale. Nur Albanien fiel als Gruppendritter der Turnierarithmetik zum Opfer.

Mit Wales scheiterte einer der Debütanten erst im Halbfinale an Portugal. Der ÖFB-Gegner in der WM-Qualifikation kam damit ebenso weit wie Weltmeister Deutschland, der sich im Semifinale aufgrund eines Doppelpacks von Antoine Griezmann, der es insgesamt auf sechs EM-Treffer brachte, Frankreich mit 0:2 geschlagen geben musste.

Pleiten der „Großen“

Schon zwei Runden vorher, im Achtelfinale, kam für Spanien das Aus. Der Titelverteidiger war zwar aussichtsreich in das Turnier gestartet, verlor aber das letzte Gruppenspiel gegen Kroatien, traf damit in der K.-o.-Phase auf Italien. Gegen die „Azzurri“ gingen Andres Iniesta und Co. sang- und klanglos mit 0:2 unter. Auch England kam über das Achtelfinale nicht hinaus. Die „Three Lions“ zählten nach einer makellosen Qualifikation zu den Titelanwärtern, blamierten sich dann aber mit einem 1:2 gegen Island.

„Huhphorie“ in Europa

Spätestens mit dem Coup der Isländer gegen die Engländer trat das „Huh“ seinen Siegeszug an. Das nach Einwohnern kleinste Land, das jemals bei einer EM-Endrunde dabei war, wurde zum Liebling der neutralen Fans. Island begeisterte zwar nicht mit Offensivfußball, aber mit Einsatz, Kampfkraft, Organisation und „Wikinger“-Look.

Isländischer Fan bei der Euro

APA/AFP/Martin Bureau

Das „Huh“ der Isländer schüchterte die Gegner ein

Spieler und Fans feierten ihre Erfolge gemeinsam mit „Huh“-Rufen. Auch auf den Rest der Teilnehmer schwappte die „Huhphorie“ über. So ließen es sich die Franzosen nach dem Halbfinal-Sieg gegen Deutschland nicht nehmen, mit ihren Anhängern den Finaleinzug auf Isländisch zu feiern. Selbst in Wales empfingen die Fans ihre Mannschaft nach dem historischen Turnier, das für die Waliser erst im Semifinale zu Ende ging, mit einem lauten, wohl bis nach England zu hörenden „Huh“.

Rot-weiß-rote Fanarmada

Verstecken mussten sich auch die österreichischen Fans nicht. Die rot-weiß-roten Anhänger standen ihren Kollegen aus Island in Sachen Begeisterung um nichts nach und sorgten bei den Spielen in Bordeaux und ganz besonders in Paris für Gänsehautstimmung im Stadion. Gegen Island reisten rund 35.000 Fans aus Österreich ins Stade de France. Eine größere Wanderung der Anhänger hatte es bei einem großen Turnier aus rot-weiß-roter Sicht noch nie gegeben. Die Leistung des Nationalteams stand freilich auf einem anderen Blatt.

Maxi-EM mit wenigen Toren

Das ÖFB-Team sorgte mit dem 0:0 gegen Portugal in der Gruppenphase, dem einzigen Punktegewinn, für eine von insgesamt vier Nullnummern. Tore waren überhaupt ein Problem, es fielen im Schnitt so wenige wie noch nie - die Maxi-EM brachte es in der Gruppenphase nur auf einen Miniwert. Nur 1,92 Treffer gab es im Schnitt (69 in 36 Partien). Erstmals seit Dänemark 2000 blieb mit der Ukraine ein Team mit null Toren und Punkten komplett erfolglos. Auch die Schweden erzielten streng genommen keinen Treffer. Für das einzige Tor der Skandinavier sorgte der Ire Ciaran Clark.

Die K.-o.-Spiele verliefen zum Glück um einiges spektakulärer und torreicher. Zum Höhepunkt wurden dabei die Viertelfinal-Partien mit 15 Treffern (3,75 im Schnitt). Mit einem Durchschnitt von 2,11 Toren war die EM 2016 jedoch die torärmste seit 20 Jahren (1996 in England fielen pro Spiel 2,06 Tore).

Neuer Modus bremst Spielfluss

Viele Experten machten den Modus für die geringe Torausbeute verantwortlich. Dass auch die vier besten der sechs Gruppendritten aufsteigen durften, verleitete einige Mannschaften zu extrem defensiver Spielweise in der Gruppenphase. Selbst bei einem Rückstand wurde gemauert - Beispiel Nordirland gegen Deutschland -, um mit einer guten Tordifferenz aufsteigen zu können. Ohne das neue Format hätte übrigens auch Portugal nach der Gruppenphase nach Hause fahren müssen.

Zu früh das Stadion zu verlassen oder den TV-Kanal zu wechseln, war bei der EM 2016 aber trotz der wenigen Treffer ein Fehler. So oft wie nie zuvor wurden Tore in der Schlussphase erzielt. Insgesamt fielen neun Tore erst in der Nachspielzeit, weitere 19 Treffer in der Schlussviertelstunde. Leidtragende waren auch Österreichs Spieler. Sowohl gegen Ungarn als auch gegen Island fiel die endgültige Entscheidung erst knapp vor dem Schlusspfiff.

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