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Sensationen durch Leicester und Leipzig

Wenn Underdogs die etablierten Großclubs das Fürchten lehren, dann handelt es sich um Märchen, die oft nur der Fußball schreiben kann. Der Meistertitel von Leicester City in England ist ebenso sensationell wie der derzeitige Erfolgslauf von Aufsteiger RB Leipzig in der deutschen Bundesliga. Beide Wunder finden mit österreichischer Beteiligung statt.

132 Jahre haben die Anhänger von Leicester auf den ersten Titelgewinn in der Premier League warten müssen. Am 2. Mai war es aber so weit. Die 330.000 Einwohner zählende Stadt erlebte tatsächlich das ersehnte Fußballwunder. Die Fans verfolgten die Entscheidung, ein 2:2 zwischen Chelsea und Tottenham, das Leicester zum Meister machte, wie die Spieler der „Foxes“ vor dem TV.

So auch ÖFB-Teamkapitän Christian Fuchs, der erstmals in seiner Karriere Meister wurde. „Vor zwei Jahren aufgestiegen, im Vorjahr fast abgestiegen. Da passt der Meistertitel irgendwie nicht dazu“, sagte der Linksverteidiger, der beim Feiern ordentlich Gas gab. „Die Stadt ist kopfgestanden.“

Erfolg hat viele Väter

Trainer Claudio Ranieri war es gelungen, aus Nobodys eine Meistermannschaft zu formen. Der Coach selbst war 2014 nach einer 0:1-Pleite gegen die Färöer als griechischer Teamchef entlassen und von Zeitungen als „Katastrophe des Jahrhunderts“ betitelt worden. Nicht viel höher war die Reputation seiner Spieler, Leicester war als 1:5000-Außenseiter auf die Meisterschaft gehandelt worden. Der Marktwert der Startformation von Leicester betrug 28 Millionen Euro, jener von Konkurrent Manchester City 358.

Bald jedoch kannte die Konkurrenz in England (und darüber hinaus) Namen wie jene von Torjäger Jamie Vardy, der vor einigen Jahren noch in der achten Liga kickte, Offensivdribbler Riyad Mahrez und Mittelfeldmotor N’Golo Kante. Nicht ohne Grund belegte dieses Trio bei der Wahl zum Fußballer des Jahres durch englische Journalisten die Plätze eins bis drei. „Ich wollte einfach Spiel für Spiel gewinnen und meinen Spielern helfen, sich von Woche zu Woche zu verbessern. Ich habe nie zu viel darüber nachgedacht, wohin uns das führen könnte“, sagte Ranieri über eine der größten Sensationen.

Leipzig rückt in den Fokus

In Deutschland musste Leipzig zwar am letzten Spieltag vor der Winterpause eine klare 0:3-Niederlage gegen Tabellenführer Bayern München hinnehmen, die Elf von Trainer Ralph Hasenhüttl bleibt dem Rekordmeister als erster Verfolger mit drei Punkten Rückstand dennoch auf den Fersen.

Der Erfolgslauf der Sachsen fand auch in der internationalen Medienlandschaft Beachtung. „Dieses Leipzig macht wirklich Ernst. Der Verein arbeitet an seinem Ruf als Überraschungsteam Europas“, schrieb die spanische Zeitung „Marca“ nach dem 3:2-Sieg am 18. November über Champions-League-Teilnehmer Bayer Leverkusen, mit dem Leipzig erstmals die Tabellenführung übernommen hatte. Und die französische Tageszeitung „Le Figaro“ fragte: „Der Traum geht für Leipzig weiter. Wo wird das wohl hinführen?“

Meistertitel eher unwahrscheinlich

Geht es nach Ralf Rangnick, nicht zum Meistertitel. „Es ist höchst unwahrscheinlich, dass das passiert“, sagte der Leipzig-Sportdirektor, der aber gleichzeitig auch an Leicester erinnerte. „Das war auch undenkbar und ist nachher trotzdem passiert.“ Immerhin ist der Club innerhalb von nur sieben Jahren aus der Fünftklassigkeit an die Spitze gestürmt.

Und die deutliche Niederlage beim FC Bayern konnte dem Aufsteiger die bisher fantastische Saison und die Weihnachtsstimmung nicht verderben. 36 Punkte nehmen die Leipziger mit ins Jahr 2017, eine hervorragende Ausgangsposition. „Ich bin bis hierher sehr stolz auf das, was diese Mannschaft geleistet hat“, sagte Hasenhüttl nach der „Lehrstunde“ von München. Das Saisonziel, eine „sorgenfreie Saison zu spielen“, ist praktisch schon erreicht. Ob der Red-Bull-Club am Ende ein Wörtchen um den Titel mitreden kann, wird sich zeigen.

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