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„Ausnahmeathleten heilen schneller“

Robert Trenkwalder betreut die Sportler von US-Star Lindsey Vonns Privatsponsor. Der langjährige ÖSV-Trainer sieht in dem frühen Comeback der 32-Jährigen nach ihrem Oberarmbruch ein „ziemlich großes Risiko“. Dennoch könne man Spitzensportler nicht mit „normalen“ Menschen vergleichen.

„Das Risiko, das sie jetzt eingeht, hängt auch davon ab, mit wie viel Einsatz sie an die Aufgabe herangeht“, warnte Trenkwalder in dem Wissen, dass Vonn nur zwei Monate nach der schweren Armverletzung wieder Rennen fahren will. „In meinen Augen ist das schon ein ziemlich großes Risiko.“

Aber der Wettkampfkalender warte eben nicht, betonte Trenkwalder. „Man kann das mit normalen Menschen aber ohnehin nicht vergleichen. Ausnahmeathleten heilen schneller und machen auch bis zu fünf Stunden Therapie täglich“, erklärte der Tiroler, der bei Red Bull das Athletes Special Project leitet.

Dort ist Trenkwalder speziell für Ski und Klettern verantwortlich. Damit fallen neben Vonn u. a. auch Athleten wie Marcel Hirscher, Aksel Lund Svindal und Henrik Kristoffersen in seine Zuständigkeit.

„Sie brauchte jeden Abfahrtskilometer“

Prinzipiell sei Vonn gut drauf, versicherte der 69-Jährige: „Alleine deshalb, weil sie wieder auf Ski stehen kann.“ Allerdings habe die Amerikanerin seit ihrer Rückkehr auf Schnee erst zwei halbwegs vernünftige Trainingstage in Österreich in den Beinen, berichtete US-Alpinchef Patrick Riml.

„Sie brauchte jetzt jeden Abfahrtskilometer“, weiß auch Trenkwalder. „Athleten steigern sich mit der Konkurrenz. Es ist angesichts der Umstände derzeit eher nicht davon auszugehen, dass Lindsey zurückkommt und gleich wieder gewinnt. Das spielt es nicht.“

Wofür Vonn das Risiko auf sich nehme, liegt für Trenkwalder auf der Hand. „Es ist immer die gleiche Antwort. Sie will noch einiges erreichen. Sie hat auch mit 76 Siegen nicht genug und fühlt sich stark genug, um noch das eine oder andere Rennen auf dem obersten Podestplatz zu beenden.“

Spitzenathleten meistens nicht „schmerzfrei“

Ob die Abfahrtsolympiasiegerin von 2010 spätestens bei der WM wieder eine Siegesläuferin sein werde, müsse man abwarten. „Es ist ein Zeitfaktor. Wenn Trainings wie in Zauchensee oder sogar Wettkämpfe ausfallen, wird es schwierig. Denn ohne Training und Vergleiche gelingt es auch den Größten nicht, einzusteigen und gleich wieder zu gewinnen.“

Dass Vonn in puncto Schmerzen die schlimmste Zeit hinter sich zu bringen hatte, hat auch Trenkwalder mitbekommen. Die Frage, ob sie mittlerweile „schmerzfrei“ sei, entlockte ihm ein Lächeln. „Diesen Begriff würde ich bei Spitzenathleten selten anwenden.“

Ob sich an Vonns Karriereplan durch die neuerliche Verletzung etwas geändert habe, bleibe abzuwarten. „Wird ein Athlet aus seinem Rennleben gerissen, hat er plötzlich viel Zeit zum Nachdenken. Das kann auch Veränderungen ergeben.“

Vonn bleibt Maßstab für lange Zeit

Eines sei aber sicherlich unverändert. „Lindsey ist ein Vorbild über viele, viele Jahre. Es gibt nicht viele Athleten, die so konsequent an sich arbeiten und die vor allem die grausamen Zeiten nach Verletzungen so unglaublich meistern.“

Etwas gemächlicher geht es im US-Skiteam Julia Mancuso an. Die 32-Jährige, die wegen ihrer Hüftprobleme ebenfalls lange pausiert hat und in Zauchensee wieder einsteigt, will vorerst nur Trainings bestreiten.

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