Basaksehir stiehlt Großclubs die Show
Mit Medipol Basaksehir ist ein Außenseiter in der Süper Lig auf dem Weg, die Phalanx der Spitzenclubs Besiktas, Fenerbahce und Galatasaray zu durchbrechen. Nach Saisonhalbzeit der türkischen Meisterschaft thront der kleine Verein aus Istanbul einen Punkt vor Titelverteidiger Besiktas an der Tabellenspitze.
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Basaksehir bewegt sich damit auf den Spuren von prominenten Vorbildern, die als vermeintliche Underdogs in ihren Meisterschaften für Aufregung gesorgt haben. Erst letztes Jahr hatte Leicester in England sich erstmals den Meistertitel gesichert. In Deutschland ist derzeit Aufsteiger Leipzig Spitzenreiter Bayern München auf den Fersen.
Und Basaksehir ist auf dem besten Weg, es Leicester oder Leipzig nachzumachen. In 17 Runden blieb der Club bei elf Siegen und sechs Unentschieden bisher ungeschlagen. Eine Leistung, die in Europa in größeren Ligen im Moment nur noch Hoffenheim, Kopenhagen, Rijeka und Celtic vollbracht haben.
Günstige Transfers
Während die drei Großen der Liga regelmäßig auf der Jagd nach internationalen Stars mit großen Namen sind, setzt Basaksehir auf günstige Transfers, die ins System passen. Die Mannschaft überzeugt mit erfrischendem Offensivfußball. „Auch wenn Basaksehir keine großen Stars hat, ist es eine exzellente Mannschaft“, schrieb der ehemalige Schiedsrichter und Kolumnist Ahmet Cakar für die „Sabah“.

Reuters/Heinz-Peter Bader
Goalie Babacan schaffte den Sprung ins türkische Nationalteam
Sogar in die Nationalelf von Teamchef Fatih Termin schaffte es Torhüter Volkan Babacan. Der 28-Jährige, der auch das Tor beim 2:1-EM-Testspielsieg gegen Österreich hütete, musste in dieser Saison erst elf Gegentore hinnehmen. Basaksehir ist in dieser Statistik ebenso die Nummer eins wie gemeinsam mit Fenerbahce bei den geschossenen Toren (36).
Keine finanziellen Risiken
Rein sportlich gesehen kann Basaksehir als Gegenentwurf zur Istanbuler Konkurrenz gesehen werden. Von finanziellen Risiken hält man beim Club ebenso wenig wie von traditionellen Mustern. Wohl weil Vorgänger Büyüksehir Belediyespor selbst erst 1990 ins Leben gerufen wurde. „Wir sind ein neuer Verein mit einer modernen Herangehensweise. Vereine der Süper Lig denken kurzfristig. Wir haben Langzeitpläne“, sagte Geschäftsführer Mustafa Erogut gegenüber ESPN.
Trainer Abdullah Avci ist seit 2014 wieder bei jenem Club, den er schon von 2006 bis 2011 betreute. Dazwischen war der 53-Jährige als Teamchef der Türkei tätig. Nun hat er in den vergangenen Saisonen eine schlagkräftige Mannschaft aufgebaut, die letzten zwei Saisonen beendete der Club die Meisterschaft jeweils als Vierter. „Wir werden niemals den Fehler machen, uns vom Wort Meisterschaft blenden zu lassen“, sagte Avci, der gleichzeitig betonte: „Aber es ist Tatsache, dass wir uns jede Saison weiterentwickelt haben. Daran arbeiten wir.“
Einer der sich bei Basaksehir nicht durchsetzten konnte, war Cheikhou Dieng. Der 23-Jährige kehrte nach einem halben Jahr vom türkischen Tabellenführer wieder zurück zu St. Pölten, Dieng kam wegen einer Knöchelverletzung nur zu einem Kurzeinsatz bei den Türken.
Verein polarisiert
Trotz des Erfolgs polarisiert der Verein, der erst 2014 als Nachfolger von Istanbul Büyüksehir Belediyespor gegründet wurde und dessen Zuschauerschnitt sich bei rund 3.000 Besuchern einpendelt. Vor allem aufgrund seiner Nähe zur Regierungspartei AKP und zum Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan gilt er bei Beobachtern als Paradebeispiel für die zunehmende Politisierung des türkischen Fußballs.

APA/AFP/Ozan Kose
Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan beim Eröffnungsspiel des neuen Stadions
Vereinspräsident Göksel Gümüsdag ist mit einer Nichte der Ehefrau Erdogans verheiratet, bei der Hochzeit war der Staatspräsident Trauzeuge. Für den Bau des 2014 fertiggestellten Fatih-Terim-Stadions bekam das Unternehmen Kalyon den Zuschlag, dessen Eigentümer als enger Vertrauter Erdogans gilt. Gleiches gilt für den Inhaber des Krankenhausbetreibers Medipol, der als Hauptsponsor und Namensgeber des Vereins fungiert.
Zum Eröffnungsspiel des neuen, mehr als 17.000 Zuschauer fassenden Stadions im westlich des Bosporus gelegenen gleichnamigen Stadtteil Basaksehir lief Erdogan persönlich ein. Die Rückennummer 12, die er dabei trug, wird seitdem an keinen Spieler mehr vergeben. Abseits des Spielfelds treibt Basaksehir den Bau einer topmodernen Jugendakademie voran.
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