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Hirscher verhindert britische Premiere

ÖSV-Star Marcel Hirscher hat zum zweiten Mal nach 2013 den Slalom-Klassiker in Kitzbühel für sich entschieden. Der Salzburger setzte sich am Sonntag zum Abschluss der Hahnenkamm-Rennen nach einem unfassbaren Kraftakt im Finale sensationell vor dem Briten Dave Ryding durch, der um 0,76 Sekunden das Nachsehen hatte. Rang drei mit 1,11 Sekunden Rückstand belegte der Russe Alexander Koroschilow.

Als Halbzeitneunter mit mehr als einer Sekunde Rückstand auf den britischen Sensationsführenden Ryding schien Hirscher schon aus dem Rennen zu sein. Doch der Salzburger drehte im Finale wie so oft noch einmal auf und stürmte auf dem vereisten Ganslernhang mit Laufbestzeit sogar noch zum Sieg. Eine ähnliche Aufholjagd hatte Hirscher zuletzt 2013 in Adelboden geschafft, als er von Rang acht auf eins gefahren war.

Grandiose Aufholjagd

Mit einem überragenden zweiten Lauf sicherte sich Marcel Hirscher noch den Slalom-Sieg in Kitzbühel - zum bereits zweiten Mal nach 2013

Der Erfolg in Kitzbühel ist für Hirscher der zweite im Slalom nach Levi und der insgesamt dritte in dieser Saison. In seiner Karriere blickt der 27-Jährige nun auf insgesamt 42 Weltcup-Siege zurück, 20 davon im Slalom. Kitzbühel 2017 war wohl einer der schönsten. „Es war zwischen den Durchgängen so viel Ratlosigkeit. Ich konnte nur voll angreifen. Dass es sich doch noch ausgeht, solche Geschichten schreibt nur der Sport. Ich bin im Moment einfach sprachlos“, sagte Hirscher.

Ryding als Zweiter zufrieden

Ryding war auch als Zweiter höchst zufrieden, obwohl er es letztlich nicht schaffte, sich als erster Brite in den Siegerlisten des alpinen Skiweltcups zu verewigen. Ryding zog immerhin mit Konrad Bartelski gleich, der als Zweiter hinter Erwin Resch in der Gröden-Abfahrt 1981 für das bisher beste Weltcup-Ergebnis bei insgesamt nun fünf Podestplätzen für Großbritannien gesorgt hatte.

Dave Ryding

APA/AP/Giovanni Auletta

Der Brite Dave Ryding sorgte als Zweiter hinter Hirscher für eine Sensation

„Ich muss vor Hirscher den Hut ziehen, er war unantastbar. Ich habe versucht, nicht an das Podium zu denken, es ist einfach unglaublich. Wenn die Saison jetzt zu Ende wäre, wäre ich im siebenten Himmel. Jetzt freue ich mich auf Schladming“ (Nachtslalom am Dienstag ab 17.45 bzw. 20.45 Uhr live in ORF eins und im Livestream, Anm.), so Ryding, der nach dem ersten Durchgang 1,02 Sekunden vor Hirscher gelegen war. Als bisher bestes Weltcup-Resultat hatte der 30-Jährige den sechsten Rang von Levi in dieser Saison zu Buche stehen.

Herren-Slalom in Kitzbühel

  • 1. Marcel Hirscher (AUT)
  • 2. Dave Ryding (GBR)
  • 3. Alexander Koroschilow (RUS)

Schwarz zweitbester Österreicher

Im Schatten von Hirscher konnten sich auch die weiteren Österreicher bei ihrem Heimrennen auf dem Ganslernhang recht gut in Szene setzen. Als zweitbester des ÖSV-Teams schwang der Kärntner Marco Schwarz auf Platz acht (+ 1,99) ab, Marc Digruber schlitterte als Halbzeit-Zwölfter im Finale auf Rang 17. (2,67) zurück.

Der gesundheitlich angeschlagene Michael Matt (Halbzeit-19.) packte im zweiten Lauf noch einige schwere Fehler drauf und kam so über Platz 25 (5,51) nicht hinaus. „Wenn du nicht zu hundert Prozent fit bist, hast du hier runter keine Chance. Man probiert zwar, Gas zu geben, aber es ist ein richtiger Kraftakt“, sagte der 23-jährige Bruder von Olympiasieger Mario Matt. Christian Hirschbühl (14.) fiel in der Entscheidung aus.

Kein Glück für Kristoffersen

Vorjahressieger und Favorit Henrik Kristoffersen war schon in Lauf eins ausgeschieden. Der Norweger rutschte nach einem Fehler völlig unerwartet von der Piste. Kristoffersen hatte zuletzt die Slaloms in Wengen und Adelboden und insgesamt in dieser Saison bereits vier Torläufe für sich entschieden, in Zagreb wurde er Dritter. Dort hatte er vor zwei Jahren oder 46 Rennen auch seinen bisher letzten Ausfall verbucht.

Favorit ausgeschieden

Favorit Henrik Kristoffersen fiel schon im ersten Lauf aus - zum ersten Mal in einem Slalom seit Zagreb vor zwei Jahren.

Auf dem Ganslernhang war Kristoffersen bis zu dem Missgeschick gut unterwegs. „Ich habe die Ski gekreuzt und hatte dann auf dem Eis keine Chance“, sagte der 22-Jährige, der im Slalom-Weltcup um 80 Zähler auf Platz zwei hinter Hirscher rutschte. Im Gesamweltcup liegt Hirscher 388 Punkte voran. Von den Topathleten erwischte es in Kitz im ersten Lauf weiters Manuel Feller, Zagreb-Sieger Manfred Mölgg, seinen italienischen Landsmann Patrick Thaler sowie die Schweden Mattias Hargin und Andre Myhrer.

Michael Fruhmann, ORF.at

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