Themenüberblick

Comeback führt Federer bis ins Finale

Der sensationelle Erfolgslauf von „Oldie“-Superstar Roger Federer geht weiter: Der 35-Jährige zog am Donnerstag in Melbourne zum 28. Mal in seiner unglaublichen Karriere in ein Grand-Slam-Finale ein. Federer besiegte am Donnerstag bei den Australian Open im ersten Herren-Halbfinale im Schweizer Duell den als Nummer vier gesetzten Stan Wawrinka mit 7:5 6:3 1:6 4:6 6:3.

Um seinen 18. Grand-Slam-Titel geht es für die Nummer 17 des Turniers am Sonntag gegen seinen großen spanischen Rivalen Rafael Nadal oder den bulgarischen Underdog Grigor Dimitrow. Der viermalige Turniersieger Federer steht erstmals seit sieben Jahren wieder im Endspiel „down under“. Die lebende Tennislegende gibt in Melbourne ein sensationelles Comeback nach sechsmonatiger Pause wegen langwieriger Knieprobleme.

Im Endspiel um 18. Grand-Slam-Trophäe

Federer und Wawrinka hatten bei den US Open 2015 schon einmal ein Major-Halbfinale bestritten, in dem sich - wie bisher immer auf Hartplatz - Federer durchsetzte. Die drei Wawrinka-Siege in nun 22 Duellen passierten alle auf Sand, unter anderem auf dem Weg zum Paris-Titel 2015. Mit einem fünften Australian-Open-Triumph (nach 2004, 2006, 2007, 2010) würde Rekordsieger Federer seine 18. Grand-Slam-Trophäe erobern, die erste seit Wimbledon 2012.

Stan Wawrinka (SUI) und Roger Federer (SUI)

Reuters/Thomas Peter

Wawrinka biss sich an Landsmann Federer die Zähne aus

Wawrinka triumphierte in Melbourne 2014, 2015 in Paris und im September bei den US Open. Für ihn wäre es um den vierten Major-Titel gegangen. Daraus wird für „Stan the man“ nun nichts, weil Federer dieser Tage wie zu seinen besten Zeiten aufspielt.

Federer hatte in der hochklassigen Partie gegen Wawrinka in der Rod Laver Arena nach dem zweiten Satz wie der sichere Sieger ausgesehen. Er hatte die Mehrzahl der 15.000 Zuschauer am australischen Nationalfeiertag hinter sich. Wawrinka zerbrach frustriert den Schläger. Der US-Open-Champion und Australien-Sieger von 2014 profierte aber von Fehlern Federers, steigerte sich und erzwang den Satzausgleich. Wawrinka schien physisch im Vorteil, schenkte Federer aber mit einem Doppelfehler das Break zum 4:2. Den Matchball verwertete Federer nach 3:05 Stunden.

„Nicht in meinen wildesten Träumen ...“

„Ich könnte im Moment nicht glücklicher sein“, sagte Federer, „nicht in meinen wildesten Träumen hätte ich gedacht, in Australien heuer so weit zu kommen.“ „Es ist wahr“, so Federer mit Blick in Richtung Endspiel, für das er ankündigte: „Wenn ich für weitere fünf Monate nicht laufen kann, ist das okay. Ich werde alles geben.“ Nadal wäre ihm als Gegner recht: „Ich bin sein größter Fan.“

Ein Endspiel gegen Nadal wäre nicht nur nach dem Geschmack von Federer, sondern auch der meisten Fans. In einem Feld mit dem Schotten Andy Murray und dem Serben Novak Djokovic war eine Renaissance dieses alten Duells in einem Grand-Slam-Endspiel unrealistisch gewesen. Nadal hat zuletzt bei den von ihm gewonnenen French Open 2014 ein Major-Finale erreicht. Federers bisher letzter Grand-Slam-Triumph datiert vom Wimbledon-Turnier 2012. Danach scheiterte er in drei Finalanläufen.

Wawrinka ab Montag Nummer drei der Welt

Wawrinkas Aussagen nach der Partie waren natürlich weniger euphorisch als jene des siegreichen Landsmannes. „Mit dem Gewinn zweier Sätze kann ich nicht zufrieden sein. Ich habe alles versucht, habe ab Beginn des dritten Satzes aggressiver gespielt. Aber Roger ist ein großer Kämpfer. Er hat bei Grand Slams in Fünfsatzmatches immer außergewöhnlich gespielt.“ Dennoch wird Wawrinka am Montag die neue Nummer drei der Welt sein, da der im Viertelfinale ausgeschiedene Kanadier Milos Raonic hinter ihn zurückfällt.

Link: