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„Da hinken wir hinterher“

Die Damen eröffnen am Donnerstag mit dem Riesentorlauf die finale Phase der WM in St. Moritz (erster Durchgang ab 9.45 Uhr, live in ORF eins und im Livestream). Erwartet wird ein Showdown um Gold zwischen US-Jungstar Mikaela Shiffrin und der Französin Tessa Worley. Die Österreicherinnen gehen als klare Außenseiterinnen ins Rennen.

Die stärkste Dame der von Titelverteidigerin Anna Veith angeführten ÖSV-Equipe war zuletzt Stephanie Brunner. Als beste Platzierung der 22-jährigen Tirolerin steht Platz vier beim RTL in Sölden zu Buche.

Worley hat da eine etwas andere Bilanz aufzubieten: Nach ihrem sechsten Platz beim Weltcup-Saisonstart in Sölden war sie nie mehr schlechter als Zweite. Drei der folgenden sechs Rennen konnte sie gewinnen. Shiffrin hatte unterdessen am Semmering das „Double“ geschafft und ließ in St. Moritz alle anderen Starts aus, um sich in Italien auf RTL und Slalom vorzubereiten. Den letzten Bewerb vor der WM gewann die Italienerin Federica Brignone auf dem Kronplatz. Die Deutsche Viktoria Rebensburg holte sich in St. Moritz den Sieg beim Weltcup-Finale 2016 und gewann damit die Generalprobe.

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„Worley in Topform, Shiffrin akribisch vorbereitet“

„Worley ist in absoluter Topform, Shiffrin hat sich ganz akribisch auf den Tag X vorbereitet“, stufte auch ÖSV-Damen-Chef Jürgen Kriechbaum die beiden als Favoritinnen ein. Dazu komme die Schwedin Nina Löseth sowie alle vier Italienerinnen. „Sie alle haben unseren eines voraus. Sie waren alle schon unter den Top Drei. Da hinken wir hinterher.“

Shiffrin

APA/AFP/Jure Makovec

Shiffrin bereitet sich in Italien intensiv auf die WM-Bewerbe vor

Kriechbaum sprach damit an, dass nach der Verletzung von Weltcup-Kugel-Gewinnerin Eva-Maria Brem bis zur WM der vierte Platz von Brunner das Höchste der Gefühle war, und selbst der liegt schon vier Monate zurück. Die angriffslustige Tirolerin bestätigte zwar als Fünfte am Semmering, dass sie derzeit die schnellste Österreicherin ist, schied aber auch dreimal aus.

Außenseiterrolle liegt ÖSV-Damen

„Sie ist dennoch derzeit wahrscheinlich unsere Beste und hat bei der WM auch die beste Startnummer“, baut Kriechbaum auf die 22-jährige aus Tux. Kriechbaum hofft, dass die Technikdamen möglichst an die Erfolge der ersten Woche anknüpfen können. „Wir sind nicht unbedingt in der Favoritenrolle, aber die Außenseiterrolle liegt uns hier“, erinnerte Kriechbaum an die Ereignisse von Woche eins. „Das ist eine gute Basis auch für das Rennen am Donnerstag. Sie sollen einfach alle Medaillenspekulationen wegschieben und auf ihre eigene Leistung schauen“, empfahl der Oberösterreicher.

Neben der nach langer Verletzungspause in der Startliste zurückgefallenen Titelverteidigerin Veith waren auch Brunner, Michaela Kirchgasser und Katharina Truppe für die WM-Aufstellung außer Zweifel. Bernadette Schild wurde letztlich deshalb Ricarda Haaser vorgezogen, um Österreichs bester Slalom-Fahrerin vor dem großen Auftritt am Samstag einen guten WM-Einstieg zu ermöglichen. Zudem war die Salzburgerin am Kronplatz RTL-Siebente gewesen.

Brunner will Risiko dosieren

Mit Brunner und Truppe hatten die zwei Neulinge im Team bereits am Dienstag im Teambewerb erstmals WM-Rennluft geschnuppert. „Ich war noch nie auf einem Stockerl. Also gehe ich nicht davon aus, dass ich hierherkomme und gleich eine Medaille hole“, wehrte Brunner die Vorschusslorbeeren allerdings ab.

Brunner

APA/AFP/Tiziana Fabi

Brunners bestes Ergebnis ist Platz vier beim RTL in Sölden

Nach dem starken Saisonstart hatte die Zillertalerin mit dem Sturz in Killington etwas den Faden verloren. „Ich muss mein Risiko etwas dosieren. Mit 100 Prozent bin ich manchmal besser als mit 120 Prozent“, nahm sich Brunner für den WM-Riesentorlauf vor.

Dass sie derzeit das Tempo vorgibt, musste beim Training in Innerkrems zuletzt sogar ÖSV-Kollege Manuel Feller zur Kenntnis nehmen, als Brunner laut eigenen Aussagen einmal sogar um zwei Zehntel schneller war. „Er hat sich da ein bissl geärgert“, berichtete Brunner schmunzelnd.

Truppe sieht Top Ten als Erfolg

Truppe kommt in St. Moritz zu gleich drei WM-Auftritten. „Irre, das hätte ich nie gedacht“, gab sich die junge Kärntnerin begeistert. „Fix gerechnet habe ich nur mit dem Slalom.“ Ihr bestes RTL-Ergebnis ist aber ein elfter Platz. „Ich bin deshalb froh, wenn ich zu den Top Ten hinkomme. Aber die Außenseiterrolle ist sicher einfacher als die Favoritenrolle“, meinte die 21-Jährige.

Kirchgasser freut sich nach dem Verzicht auf den Teambewerb („Ich hätte da auch nicht viel ändern können“) auf das vorletzte WM-Rennen ihrer Karriere. „Ich versuche aber, das nicht zu hoch kommen zu lassen“, so die 31-jährige Salzburgerin. Die Tage nach Kombi-Bronze habe sie gut genützt. „Die Pause war lang genug, ich spüre schon wieder das Kribbeln.“

„Eine Medaille wäre eine Überraschung“

Kirchgasser hat bei den jüngsten drei Weltmeisterschaften jeweils eine Einzelmedaille gewonnen. Aber auch bei der „WM der Überraschungen“ gehe es letztlich um eins, zwei und drei. „Eine Medaille wäre zumindest von den bisherigen Weltcup-Ergebnissen her schon eine Überraschung.“ Kirchgasser traut auch Veith einiges zu. „Sie ist nicht nur wegen ihrem fixen Startplatz hier. Sondern weil sie gefühlt hat, etwas schaffen zu können.“

Dass die Damen-RTL-Piste nicht mit Wasser behandelt wurde und daher nicht eisglatt sein wird, sollte zumindest Kirchgasser entgegenkommen. „Für das Knie ist es jedenfalls besser.“

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