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Kuttins langer Weg zum Erfolg

Der frühere Aktive Heinz Kuttin ist seit knapp drei Jahren Cheftrainer der österreichischen Skispringer. Der 46-jährige Kärntner freut sich über die Erfolge von Stefan Kraft und Co., ist in Sachen Selbstvermarktung aber ganz anders als sein extravertierter Vorgänger Alexander Pointner.

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Langsam, aber sicher hat sich Kuttin des schweren Erbes von Pointner entledigt. Nicht zuletzt dank der Supertalente Gregor Schlierenzauer und Thomas Morgenstern war Pointner in seinen zehn Jahren zum erfolgreichsten Skisprung-Coach überhaupt aufgestiegen. Die Superlative Pointners, der seine „Superadler“, aber auch sich selbst medienwirksam in Szene setzte, sind Kuttin eher fremd.

„Die Arbeit machen die Athleten“

„Die Athleten sind im Fokus. Wenn es schlechtgeht, ist immer der Trainer gefragt. Da stelle ich mich immer gerne hin, weil ich auch klar analysieren kann in jeder Situation“, so Kuttin. Doch nach seinem ersten WM-Gold als ÖSV-Chefcoach durch Kraft hielt sich Kuttin im Hintergrund. So erschien der Kärntner - ganz unüblich - nicht zur ÖSV-Pressekonferenz vor dem nächsten Bewerb. „Die Arbeit machen die Athleten“, sagte Kuttin. Nur fünf Tage später sollte Kraft ihm das mit einer weiteren Goldmedaille erneut beweisen.

Stefan Kraft bei der Landung

GEPA/Sputnik/Alexei Danichev

Kraft sprang als erster Österreicher zum Doppelweltmeistertitel im Einzel

Kuttin, als Skispringer selbst 1991 in Val di Fiemme zweifacher Weltmeister (Einzel Normalschanze und mit dem Team von der Großschanze), hatte sich an das Traineramt behutsam herangetastet. International verdiente er sich als einer der Vorgänger von Stefan Horngacher als Chefcoach der Polen erste Sporen, trainierte dann die deutsche B-Mannschaft und machte von 2008 bis 2014 noch einmal den Schritt zurück in Richtung ÖSV-Nachwuchsarbeit. Dann fühlte er sich reif für die heimische Springerelite.

„Es ist mit mir ein anderer Charakter gekommen“

„Ich habe vor drei Jahren angefangen. Du kannst nicht am Anfang etwas, was sehr gut gelaufen ist, von heute auf morgen ändern. Es ist mit mir ein anderer Charakter gekommen“, so Kuttin. „Aber es ist etwas entstanden über die drei Jahre, vor allem heuer, sogar extrem stark.“ Im vergangenen Jahr wurde damit begonnen, mehr gemeinsame Trainingseinheiten mit den Nachwuchsmannschaften einzuführen, heuer wurde die Kooperation noch ausgebaut.

Diese Ausbreitung bis in den Nachwuchs war Kuttins ausdrücklicher Wunsch. „Von da komme ich her. Der Spirit des Teams ist ein ganz anderer, und es macht irrsinnig viel Spaß, so zu arbeiten“, sagte der 46-Jährige.

Systemwechsel „Gott sei Dank aufgegangen“

Natürlich stieß Kuttin manchmal auf Widerstände und musste Kritik einstecken. „Wir wissen, welch schweres Erbe wir angenommen haben, und wir sind immer drangeblieben, auch wenn es nicht gutgegangen ist. Jetzt ist es Gott sei Dank so aufgegangen“, sagte der Kärntner zur APA. Auch bei seinen anderen Titelkämpfen als Cheftrainer sei es gut gelaufen. „Wir haben bis jetzt nur eine Medaille nicht gemacht, das war der Mixed-Bewerb in Falun (2015, Anm.).“

Heinz Kuttin (ÖSV-Trainer) und Stefan Kraft

GEPA/Florian Ertl

Kuttins Erfolgsrezept: „Die Athleten sind im Fokus“

Mit Kritik von außen hat Kuttin umzugehen gelernt. „Es gibt immer wieder Tage, an denen ich mich frage: ‚Warum tu ich mir das überhaupt an?‘“ Wichtig sei es aber, dass man auch in schwierigen Zeiten, wenn von außen Druck komme, bei der Sache bleibe. „Es wäre falsch, wenn es immer schön sein würde. Genau diese Sachen machen dich stärker. Wenn du ganz tief unten bist, wie schön ist das, wenn es wieder aufwärts geht.“

Vor harten Entscheidungen fürchtet sich Kuttin trotzdem nicht. So mag es ihm mancher Schlierenzauer-Fan übel genommen haben, dass er den Tiroler für den Individualbewerb von der Großschanze am Donnerstag nicht nominiert hat.

„Vorne reinpreschen ist nicht meine Art“

Seinem Naturell entsprechend hält Kuttin auch von Sozialen Netzwerken wenig. „Da ist mir meine Privatsphäre und mein Umfeld zu wichtig“, sagte der Vater eines 19-jährigen Sohnes und einer 15-jährigen Tochter. „Am wohlsten fühle ich mich in meinen vier Wänden, da werden Probleme mit hineingenommen, dann werden sie besprochen und dann sind sie passe.“ Auch im Triumph zieht er sich gerne zurück. „Ich bin einer, der eher im Stillen genießt, vorne reinpreschen ist nicht meine Art.“

Nach zweimal Gold und einmal Silber geht es am Samstag im Team-Bewerb auf der Großschanze wieder um eine Medaille für die ÖSV-Adler - ein Edelmetall, das für Kraft und Co. in Griffweite liegt. Es wäre wohl das Tüpfelchen auf dem i für Chefcoach Kuttin.

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