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Das Wunder vom Camp Nou

63,25 Prozent der sport.ORF.at-Leser haben in einem Voting nach dem 0:4 aus dem Hinspiel nicht an den Aufstieg von Barcelona in der Champions League geglaubt. Sie sollten nicht recht behalten. Der vierfache Champions-League-Sieger schaffte am Mittwoch an einem historischen Fußballabend mit einem 6:1 (2:0)-Heimsieg über Paris Saint-Germain (PSG) noch den Einzug ins Viertelfinale.

Luis Suarez (3.), ein Eigentor von Layvin Kurzawa (40.), ein Elfer von Lionel Messi (49.), ein Freistoßtor (88.) und ein umstrittener Strafstoß (91.) von Neymar sowie ein Last-Minute-Treffer von Sergi Roberto (95.) sorgten vor 96.000 Zuschauern im Camp Nou für die Sensation. Das zwischenzeitliche Tor zum 3:1 durch Edinson Cavani für Paris erhöhte nur noch die Dramatik, brachte den Franzosen am Ende aber nichts.

Historischer Abend: Barca siegt 6:1 gegen PSG

Nach einem Heber von Neymar übernimmt Sergi Roberto (95.) volley und schießt Barcelona zum Aufstieg ins Viertelfinale.

Laut UEFA war es in der Europacup-Geschichte in 58 Versuchen noch keiner Mannschaft gelungen, einen 0:4-Rückstand nach dem Hinspiel aufzuholen. Diesmal war es so weit. Barcelona steht damit auch zum zehnten Mal in Folge in einem CL-Viertelfinale - Rekord. „Das ist eine historische Leistung, die für immer in Erinnerung bleiben wird“, meinte Barca-Präsident Josep Maria Bartomeu. Für Paris war der Abend hingegen wie in einem schlechten Traum verlaufen.

Optimaler Start für Barcelona

In Barcelona war zuletzt nur noch von der „Remontada“, der Aufholjagd die Rede. Die Spanier probierten es natürlich trotzdem und boten in dem offensiven 3-4-3-System Asse Neymar, Louis Suarez und Rafinha ganz vorne auf. Als hängende Spitze dahinter lauerte auch noch Superstar Lionel Messi vor dem Pariser Strafraum. Bei Paris SG saß der Argentinier Angel di Maria wegen muskulärer Probleme zunächst nur auf der Bank.

1:0: Luis Suarez (3.)

Nach zweieinhalb Minuten gelang Suarez per Kopf das 1:0 für Barcelona.

In der dritten Minute machte sich die bedingungslose Offensive bereits bezahlt. Suarez köpfelte einen umherspringenden Ball aus zwei Meter Entfernung zur raschen 1:0-Führung über die Linie. Die Rettungsaktion von Thomas Meunier einen guten Meter hinter der Linie kam zu spät. Damit waren es noch drei Treffer, die die Katalanen aufholen mussten. Eine Möglichkeit dazu, war ein Schuss von Neymar (17.), der sein Ziel nur um wenige Zentimeter verfehlte.

Paris macht sich das Tor selbst

Die Pariser Verteidigung fädelte sich in der Folge mit sechs Mann an der eigenen Strafraumgrenze auf, die restlichen vier Feldspieler standen nur wenige Meter davor. Die „Blaugrana“ ließen den Ball zirkulieren, die Franzosen liefen hinterher, aber sobald die Barcelona-Kicker in den Strafraum eindrangen, war der Zauber vorbei.

2:0: Layvin Kurzawa (40./Eigentor)

Nach einem Gustostückerl von Iniesta drückte PSG-Spieler Kurzawa den Ball ins eigene Tor.

Da bedurfte es schon der Unterstützung des Gegners, um wieder über einen Treffer jubeln zu können. Kurzawa bugsierte den Ball nach einem Fersler von Iniesta mit dem Knie am herausstürzenden Trapp vorbei zum 2:0 (40.) für Barcelona ins Tor. Der Jubel war groß, der Glaube, das 0:4 doch noch aufholen zu können, noch größer. Vorerst konnten aber beide Teams in der Pause Kraft tanken.

Die Aufholjagd geht weiter

Und die Verschnaufpause war für alle im Stadion wichtig, denn das Tempo war hoch. So sollte es auch zu Beginn der zweiten Hälfte weitergehen. Neymar fiel im Strafraum über den stürzenden Meunier, und der deutsche Schiedsrichter Deniz Aytekin erkannte nach kurzer Besprechung mit seinem Torrichter auf Elfmeter. Diesen versenkte Messi in der 49. Minute staubtrocken zum 3:0.

Damit war Barcelona weiter auf dem besten Weg, noch die sensationelle Wende im Aufstiegsduell mit Paris zu schaffen. Die Statistik sprach auch für die Katalanen. Im Camp Nou hatten sie in der Champions League zuletzt 14 Siege in Folge geschafft. 7:0 gegen Celtic Glasgow, 4:0 gegen Manchester City und 4:0 gegen Mönchengladbach lauteten die Resultate in der jüngsten Gruppenphase - macht einen Schnitt von 5:0.

Plötzlich das 1:3

Mit der neuen, offensiven Formation gelangen Barcelona in den letzten drei Spielen gleich 13 Tore. In 27 von 79 Heimspielen mit Barcelona hatte Coach Luis Enrique Siege mit vier oder mehr Toren gefeiert. Alles Zahlen, die für die Spanier sprachen. Doch die Gefahr blieb: Bei nur einem Gegentor von PSG müsste Barcelona bereits sechs Tore erzielen.

3:1: Edinson Cavani (62.)

Cavanis Tor zum 1:3 für Paris hielt Barcelona nur kurz auf.

Dieses Tor fiel in der 62. Minute - aus dem sprichwörtlichen Nichts. Plötzlich stand Cavani im Strafraum relativ frei und verwertete eine Vorlage von Kurzawa ideal. Der Uruguayer bezwang Marc-Andre ter Stegen im Barca-Tor mit einem wuchtigen Schuss aus zwölf Metern (1:3). Der Treffer bedeutete für die Spanier viel Arbeit. Weitere drei Tore waren nun erforderlich, wollte man noch den Aufstieg schaffen.

Barcelona nimmt die hohe Hürde

Eine unglaublich hohe Hürde, die Barcelona in den Schlussminuten doch noch nahm. Zuerst erhöhte Neymar mit einem Prachtfreistoß auf 4:1 (88.). Dann fiel Suarez bei einer leichten Berührung im Strafraum um, und der fehleranfällige Aytekin entschied großzügig auf Elfmeter. Neymar schupfte in der 91. Minute den Strafstoß zum 5:1 in die Maschen.

Torjubel von Sergi Robertom (Barcelona)

AP/Emilio Morenatti

So sehen Matchwinner aus: Roberto bejubelt das sensationelle Tor zum 6:1

Nicht nur das Camp Nou stand Kopf, alle Zuschauer waren gebannt, ob Barcelona noch das scheinbar Unmögliche schaffen könnte. Der eingewechselte Sergi Roberto hob schließlich in der 95. und letzten Minute im Sprung einen hohen Ball von Neymar, der über die Pariser Abwehr gesegelt war, volley über den verdutzten Trapp zum 6:1 ins Tor. Die Sensation war perfekt, und ein historischer Fußballabend hatte für Barcelona seinen traumhaften Schlusspunkt.

Martin Wagner, ORF.at

UEFA Champions League, Achtelfinal-Rückspiel

Mittwoch:

FC Barcelona - Paris St. Germain 6:1 (2:0)

Camp Nou, 96.290 Zuschauer, SR Aytekin (GER)

Torfolge:
1:0 Suarez (3.)
2:0 Kurzawa (40./Eigentor)
3:0 Messi (50./Foulelfmeter)
3:1 Cavani (62.)
4:1 Neymar (88.)
5:1 Neymar (91./Foulelfmeter)
6:1 Roberto (95.)

FC Barcelona: Ter Stegen - Mascherano, Pique, Umtiti - Busquets - Rakitic (84./Gomes), Iniesta (65./Turan) - Messi - Rafinha (76./Roberto), Suarez, Neymar

Paris St. Germain: Trapp - Meunier (93./ Krychowiak), Marquinhos, Thiago Silva, Kurzawa - Rabiot, Matuidi - Lucas (55./Di Maria), Verratti, Draxler (75./ Aurier) - Cavani

Gelbe Karten: Pique, Busquets, Rakitic, Neymar, Suarez bzw. Matuidi, Draxler, Cavani, Verratti, Marquinhos

Hinspiel: 0:4 - Barcelona mit Gesamtscore von 6:5 im Viertelfinale

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