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„Haben nichts zu verlieren“

Als erster Amateurclub seit 103 Jahren hat es Fünftligist Lincoln City bis ins Viertelfinale des FA-Cups geschafft. Zufriedengeben wollen sich „The Imps“ (Kobolde, Anm.) mit dem bisher größten Erfolg der Vereinsgeschichte aber nicht, auch wenn mit dem Gastspiel bei Arsenal eine fast unlösbare Aufgabe wartet. Denn ausgerechnet die „Gunners“-Fans sollen den Underdog zur Sensation peitschen.

Mit 60.000 Zuschauern wird das Emirates Stadium in London am Samstag (18.30 Uhr) prall gefüllt sein. Dass sich die Gäste aus den East Midlands dabei nicht nur der Unterstützung ihrer knapp 9.000 mitgereisten Fans sicher sein können, ist wahrscheinlich. Nicht erst seit den beiden 1:5-Blamagen im Champions-League-Achtelfinale gegen Bayern München hängt der Haussegen in London nämlich ziemlich schief.

Matt Rhead und Theo Robinson (Lincoln City)

Reuters/Action Images/Craig Brough

Cup-Hero Rhead und Co. wollen sich auch von Arsenal nicht aufhalten lassen

„Ein paar Arsenal-Fans werden sicher von Anfang wollen, dass wir gewinnen“, sagte Lincoln-Verteidiger Luke Waterfall. „Wenn wir gut beginnen, werden vielleicht 60.000 hinter uns stehen, nicht nur 9.000.“ Dass die Chancen auf den größten Coup in der 133-jährigen Clubgeschichte gar nicht so schlecht stehen, glaubt auch Lincoln-Stürmer Matt Rhead. „Es gibt wahrscheinlich keinen besseren Zeitpunkt gegen sie zu spielen“, sagte der 32-Jährige. „Der FA-Cup ist der einzige noch mögliche Titel, der Druck lastet auf ihnen.“

Wenger-Ära bei Arsenal neigt sich dem Ende zu

In der Kritik steht vor allem Langzeittrainer Arsene Wenger, der den Club bereits seit 1996 trainiert, dessen Vertrag aber im Sommer ausläuft. „Ich habe in den letzten 20 Jahren hart gearbeitet, um unsere Fans glücklich zu machen, und wenn du Spiele verlierst, verstehe ich, dass sie nicht glücklich sind“, sagte der Franzose, nachdem einige Fans vor und während der 1:5-Niederlage gegen Bayern am Dienstag in der Champions League immer wieder mit Plakaten auf die baldige Absetzung des 67-Jährigen gedrängt hatten.

Auch wenn die Gäste wissen, dass sie hinsichtlich der Zukunft von Wenger das Zünglein an der Waage sein könnten, werden sie sich sicher nicht zurückhalten. „Er ist ein Pionier des englischen Fußballs und ein Weltklassetrainer“, streute Lincoln-Coach Danny Cowley seinem Gegenüber Rosen. „Er hat von seinem immensen Fachwissen in seiner Laufbahn wahrscheinlich schon mehr vergessen, als ich jemals wissen werde.“ Das Ziel bleibe in jedem Fall der Aufstieg ins Halbfinale. So weit hatte es ein Amateurclub erst einmal, nämlich Swindon Town 1912, geschafft.

Traum vom Halbfinale lebt

Ein Traum, den sich nun auch Lincoln City erfüllen will. Der Leader der fünftklassigen Conference National hatte auf dem Weg ins Viertelfinale schon vier höherklassierte Vereine aus dem Weg geräumt. Nach dem Auftaktsieg über Sechstligisten Altrincham FC mussten auch Oldham Athletic (dritte Liga), Ipswich Town sowie Brighton & Hove Albion (beide zweite Liga) gegen das Überraschungsteam die Segel streichen.

Im Achtelfinale war für Premier-League-Mittelständler Burnley nach einer 0:1-Heimblamage Endstation. „Wir sind zwar nicht Bayern München, aber wir werden unser Bestes geben“, versicherte Lincoln-Mittelstürmer Rhead. „Niemand hatte uns gegen Burnley auf der Rechnung, aber schaut einmal, was passiert ist. Wir haben nichts zu verlieren.“

Viertelfinale

Samstag, 11. März:
Middlesbrough Manchester City 0:2
Arsenal Lincoln City 5:0
Sonntag, 12. März:
Tottenham Millwall 6:0
Montag, 13. März:
Chelsea Manchester United 1:0

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