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Viel Sand im Getriebe

13.700 Zuschauer haben am Dienstagabend im Innsbrucker Tivoli-Stadion ein 1:1 Österreichs in einem Testspiel ohne viele Höhepunkte gegen Finnland gesehen. Das Tor für die Elf von Teamchef Marcel Koller gelang in der 62. Minute dem besten Fußballer auf dem Platz, Marko Arnautovic. Für die über weite Strecken harmlosen Finnen gelang Fredrik Jensen mit einem Weitschuss (76.) der Ausgleich.

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Vier Tage nach dem 2:0-Erfolg in der WM-Qualifikation in Wien über Moldawien diente das Spiel gegen die Nummer 99 der FIFA-Weltrangliste vor allem zum Üben von Positionswechseln und Taktikvarianten. Dabei blieb am Ende jedoch vor allem die Erkenntnis, dass Österreich noch einiges aufzuarbeiten hat, wenn die nächste Hürde Irland auf dem Weg zur WM nach Russland erfolgreich genommen werden will.

62. Minute: 1:0 für Österreich

Nach einer Junuzovic-Ecke setzt sich Marko Arnautovic robust durch und erzielt das 1:0 aus der Drehung.

Koller probiert was aus

Koller krempelte die Mannschaft gegenüber dem 2:0 gegen Moldawien letzten Freitag in Wien bis auf die Dreierabwehr die Positionen gehörig um und versuchte eine 3-5-2-Formation. David Alaba durfte in seinem 56. A-Länderspiel wieder die Kapitänsschleife tragen und lief zentral im Mittelfeld auf. Alessandro Schöpf absolvierte als gebürtiger Tiroler sein erstes Spiel überhaupt auf dem Innsbrucker Tivoli. Das Sturmduo bildeten überraschend Marcel Sabitzer und Martin Harnik.

Im Tor kam es zu einem „Fernduell“ der beiden Eintracht-Frankfurt-Torhüter Heinz Lindner und Lukas Hradecky. Wobei der Österreicher im Gegensatz zu den Spielen beim deutschen Bundesligisten diesmal von Anfang an zum Einsatz kam. Zuschauen mussten dafür vorerst die gegen Irland im Juni gelbgesperrten Arnautovic und Stefan Ilsanker sowie die Angreifer Marc Janko und Guido Burgstaller.

Trainer, wie spielen wir noch mal genau?

Bei milden 16 Grad begann die Partie, und die Zuschauer fühlten sich nicht nur aufgrund der Temperaturen an den Sommer erinnert. Österreichs Team hatte offenbar noch Koordinationsprobleme, das 3-5-2 verkam bei finnischem Ballbesitz rasch zu einem 5-4-1 mit Harnik als Solospitze. Die erste Torchance hatten trotzdem die Finnen (4.). Moshtagh Yaghoubi schickte Teemu Pukki ideal in die Tiefe, der Bröndby-Spieler stand auf gleicher Höhe mit den ÖFB-Verteidigern, hob den Ball aber hoch über das Tor von Lindner.

Torchance des Finnen Teemu Pukki gegen Österreich

GEPA/Felix Roittner

Pukki hatte die erste Torchance im Match, der Finne verzog aber klar

Immer wieder erkundigten sich die Spieler bei Koller an der Outlinie, was sie zu tun hätten. Das Defensivkonzept mit 5-4-1 war gleich klar ersichtlich. Die Offensive war hingegen eine wilde Mischung aus allen möglichen Taktikformationen, vielleicht sollten die Finnen ganz einfach auch nur verwirrt werden. Österreichs Rezept der Wahl, um Finnland auszutricksen, schien außerdem der quer über das Feld geschlagene Wechselpass zu sein - zunächst ohne Erfolg.

Ein Pass genügt

In der 24. Minute wurde dafür Österreichs Dreierkette wieder mit einem Pass ausgehebelt. Chievo-Verona-Legionär Perparim Hetemaj verzog seinen Schuss aber deutlich. Genauso wie kurz davor Valentino Lazaro auf der Gegenseite. Die Stimmung im Stadion verflachte ähnlich wie das Spiel, zwischendurch waren dann vereinzelt sogar „Suomi, Suomi“-Rufe zu hören.

34. Minute: Freistoß von Alaba

David Alaba versucht es mit einem Freistoß. Finnland-Tormann Lukas Hradecky lässt sich aber nicht überraschen und klärt.

Die rustikalen Finnen waren bei ihren Attacken nicht zimperlich, ebenso wenig wie Alaba mit einem 30-m-Freistoß in der 34. Minute, den Hradecky noch zur Ecke drehen konnte. Geschätzte 90 Prozent der rot-weiß-roten Spielzüge liefen über die rechte Seite. So auch in der 40. Minute, als Marcel Sabitzer Alaba auf der Flanke einsetzte, dessen Querpass von Schöpf aber nicht mit genügend Nachdruck Richtung Tor befördert wurde. Es war die bis dahin beste und flüssigste Aktion der Koller-Elf.

Vier Neue für Hälfte zwei

Augsburg-Legionär Martin Hinteregger und Lazaro legten kurz vor der Pause noch gut angetragene Schüsse nach. Der eine verzog knapp, der andere traf einen Finnen - dann ging es in die Kabinen. Dort beauftragte Koller Arnautovic, Janko und die Debütanten Stefan Lainer und Florian Grillitsch mit dem Aufwärmen für die zweite Hälfte.

Für Alaba, Harnik, Sabitzer und Markus Sutter war der Abend hingegen gelaufen. Prompt zeigte Arnautovic mit seiner ersten Ballberührung sein Können und versetzte unter dem Jubel der Fans einen Finnen nach dem anderen. Seine Sicherheit am Ball und seine Fähigkeit, Gegner auszuspielen, wird in der WM-Qualifikation gegen Irland am 11. Juni in Dublin wohl schmerzlich vermisst werden.

Nur Arnautovic sorgt für Action

Auch Bremen-Mittelfeldspieler Grillitsch zeigte mit seinen Pässen in die Spitze Übersicht, Zählbares kam aber weiter nicht zustande. Finnland verfiel ebenso in vollkommene Harmlosigkeit. Also lag es wieder an Stoke-Export Arnautovic, für Action zu sorgen. In der 62. Minute lenkte Sebastian Prödl einen Junuzovic-Corner in den Fünfer, dort jagte Arnautovic den Ball mit dem Rücken zum Tor stehend nach einer Drehung zum 1:0 unter die Latte.

Tor von Marko Arnautovic gegen Finnland

APA/EXPA/Johann Groder

Der Drehschuss von Arnautovic passte genau unter die Latte

Das Tiroler Publikum erwachte wieder zum Leben und die ÖFB-Elf legte doch noch den Vorwärtsgang ein. Der etwas blass gebliebene Schöpf wurde in der 72. Minuten durch Michael Gregoritsch ersetzt. Aber nicht der Hamburger erzielte ein Tor, sondern Fredrik Jensen. Der 19-Jährige vom niederländischen Club Twente nahm sich ein Herz und versuchte sein Glück aus gut 30 Metern.

76. Minute: Jensen gelingt der Ausgleich

Finnlands Fredrik Jensen konnte sich aus 25 Metern den Ball in Ruhe zurechtlegen - und überraschte Tormann Heinz Lindner mit einem tückischen Distanzschuss.

Sein Schuss passte exakt in die rechte untere Tormannecke, der Ball sprang dabei zum 1:1 (76.) unglücklich über den Handschuh von Lindner. Am Spielstand änderte sich nichts mehr. Die umgekrempelte ÖFB-Elf konnte nicht mehr nachlegen. Nach einer Flanke von Lainer hatte Janko noch den Matchball, köpfelte aber aus kurzer Distanz über das Tor (80.). Das nächste Pflichtspiel findet am 11. Juni in Dublin statt. Eine Leistungssteigerung wird bis dahin notwendig sein, auch wenn die Iren ihr Testspiel gegen das EM-Sensationsteam Island am Dienstag mit 0:1 verloren haben.

Fußball-Testspiel

Dienstag:

Österreich - Finnland 1:1 (0:0)

Innsbruck, Tivoli-Stadion, 13.700 Zuschauer, SR Zelinka (CZE)

Torfolge:
1:0 Arnautovic (62.)
1:1 Jensen (76.)

Österreich: Lindner - Dragovic, Prödl, Hinteregger - Lazaro, Junuzovic (81./Ilsanker), Alaba (46./Grillitsch), Schöpf (72./Gregoritsch), Suttner (46./Lainer) - Sabitzer (46./Arnautovic), Harnik (46./Janko)

Finnland: Hradecky - Raitala, Arajuuri (46./Vaisanen), Moisander, Toivio, Uronen (46./Arkivuo) - Saksela (59./Jensen), Lam, Yaghoubi (65./Mattila), Hetemaj - Pukki (58./Pohjanpalo)

Gelbe Karten: keine bzw. Toivio

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