„Jetzt ist es vorbei“
Beobachter der National Hockey League (NHL) werden heuer im Play-off einen Namen vermissen. Erstmals seit der Saison 1989/90 verpassten die Detroit Red Wings den Einzug in die K.-o.-Runde. Eine 1:4-Niederlage gegen die Carolina Hurricanes besiegelte das Ende der 25-jährigen Serie - der aktuell längsten im gesamten US-Sport. In „Hockeytown“ beginnt damit im wahrsten Sinn des Wortes eine neue Ära.
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Schon in der vergangenen Saison hatten es die Red Wings mit Ach und Krach ins Play-off geschafft. Heuer zeichnete sich schon früh ab, dass in Detroit nach Ende des Grunddurchganges nicht um den Stanley Cup gekämpft wird. Daran konnte auch Thomas Vanek, der bis Anfang März bei den Red Wings unter Vertrag stand, nichts ändern. „Im Moment ist es schwer darüber zu sprechen, es war ein großartiger Lauf“, sagte Kapitän Henrik Zetterberg, der seit seinem Einstieg in der Liga 2002 immer im Play-off dabei war, „alle die dabei waren, dürfen stolz sein. Aber jetzt ist es vorbei.“

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Die Hurricanes (in Rot) beendeten auch jede theoretische Chance Detroits
Im Play-off der NHL werden heuer damit erstmals seit Langem keine Oktopusse mehr durch die Luft fliegen. Ein Kopffüßer - seine acht Beine standen für die Siege, die man in den NHL-Urzeiten zum Stanley Cup benötigte - musste beim ersten Spiel in der K.-o.-Runde in den vergangenen 25 Jahren immer vom Eis der Joe Louis Arena eingesammelt werden. Die 1979 eröffnete Heimhalle der Red Wings wird damit auch ohne Play-off-Spiel in Pension geschickt. Ihre nächste Serie muss Detroit in der neuen Little Cesars Arena starten.
Vierteljahrhundert voller Erfolge
In den 25 Jahren - ein Viertel der hundertjährigen Geschichte der NHL -, in denen Detroit ohne Unterbrechung Schauplatz von Play-off-Hockey sein dürfte, waren die Red Wings nicht nur dabei, sondern immer mittendrin im Kampf um den Stanley Cup. Viermal holte Detroit die Trophäe auch in die Stadt, zwei weitere Male scheiterte man erst im Finale. Die Red Wings beendeten den Grunddurchgang zudem sechsmal als bestes Team - dreimal so oft wie jede andere Mannschaft in diesem Zeitraum.

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Viermal holten die Red Wings in der vergangenen 25 Jahren den Titel
Wie lange die Red Wings an der Spitze der Liga mitmischten, zeigt auch ein Blick auf den aktuellen Kader. 15 Spieler im Team waren 1990, als Detroit zum letzten Mal das Play-off verpasste, noch gar nicht geboren. Trainer Jeff Blashill war damals gerade einmal 16 Jahre alt. Von den aktuellen NHL-Teams gab es - inklusive den ab kommender Saison spielenden Vegas Golden Knights - zehn zum damaligen Zeitpunkt noch gar nicht. Selbst Dauerbrenner Jaromir Jagr, der bei den Florida Panthers mit 45 Jahren noch immer für Tore sorgt, hatte sein erstes NHL-Jahr noch vor sich.
Der Erfolgslauf der Red Wings war aber nicht der längste der NHL-Geschichte: Die Boston Bruins hatten von 1968 bis 1996 und die Chicago Blackhawks von 1970 bis 1997 mit 29 bzw. 28 Play-off-Teilnahmen in Folge noch imposantere Serien. Doch das zu einer Zeit, als die Liga noch aus deutlich weniger Teams bestand - und es keine Beschränkungen im Budget gab. Detroits Serie überstand sogar die 2005 eingeführte Gehaltsobergrenze. Das Budget für Spielerlöhne musste damals um die Hälfte auf 39 Mio. US-Dollar gekürzt werden.
Serie für die Ewigkeit?
In der nahen Zukunft wird der Lauf Detroits im US-Sport unangetastet bleiben. In der National Basketball Association (NBA) halten die San Antonio Spurs bei 20 Play-off-Teilnahmen in Folge, in der National Football League (NFL) steht der aktuelle Rekord bei acht Teilnahmen (New England, Green Bay), im Baseball überhaupt nur bei vier (LA Dodgers). In der NHL sind die Pittsburgh Penguins mit elf und Chicago Blackhawks mit neun Teilnahmen die aktuellen Dauerbrenner im Play-off.
„Ich glaube nicht, dass wir so etwas noch einmal sehen werden, ein Team, das so viele Jahre Elite ist“, sagte daher auch Chicagos Generalmanager Stan Bowman, „wir versuchen es zwar dem nachzueifern, aber wir sind erst auf einem Drittel des Weges angelangt.“ Auch Pittsburghs Manager Jim Rutherford glaubt nicht an eine Wiederholung der Red-Wings-Serie. „Die Liga ist dank der Salary Cap sehr ausgeglichen“, sagte Rutherford, „es ist schon schwer genug, es ein Jahr ins Play-off zu schaffen.“
In Detroit blickt man hingegen bereits nach vorne. „Unser Fokus liegt zu hundert Prozent darauf, dass es ein einmaliges und nicht zehnmaliges Erlebnis bleibt“, sagte Trainer Blashill, „wir müssen schauen, dass die Kultur, die den Lauf so lange am Leben gehalten hat, nicht verloren geht.“ Wie schwer es ist, sich aus einem jahrelangen Tief zu kämpfen, zeigt das Beispiel der Edmonton Oilers. Nach dem verlorenen Stanley-Cup-Finale schaffte es der fünffache Meister trotz zahlreicher Talente zehnmal in Folge nicht in die K.-o.-Runde. Erst heuer wurde der Bann gebrochen.
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