Themenüberblick

Iwaschka war „richtig, richtig gut“

Der angestrebte Aufstieg ins Weltgruppen-Play-off im Herbst ist für Österreichs Davis-Cup-Team schon am ersten Tag in Minsk in weite Ferne gerückt. Jürgen Melzer hat am Freitag im Duell mit Weißrussland so wie sein Bruder Gerald eine Niederlage einstecken müssen. Der ältere der beiden Melzers musste sich dem stark aufspielenden Ilja Iwaschka mit 6:7 (8/10) 3:6 6:4 6:7 (1/7) geschlagen geben.

Damit liegt Österreich nach dem ersten Tag 0:2 zurück. Österreichs Quartett muss damit alle drei verbleibenden Partien gewinnen, was vor allem in Anbetracht der starken Leistungen der Weißrussen äußerst schwierig wird. Im Falle einer Niederlage trifft Österreich von 15. bis 17. September im ersten von zwei möglichen Play-off-Spielen der Europa-Afrika-Zone I gegen den Abstieg zu Hause auf Rumänien.

Koubek wird schlecht schlafen

ÖTV-Kapitän Stefan Koubek zeigte sich nach Tag eins in Minsk ernüchtert. „Natürlich ist es schade, wie es gelaufen ist. Ein 1:1 hätte mich entspannter schlafen lassen. Jürgen war gut in der Partie, aber Iwaschka war richtig, richtig gut. Ich muss ihm gratulieren. Auch das Doppel wird heikel, mit Max Mirnyi steht ein Weltklassemann drüben.“

Erster Satz im Tiebreak an Iwaschka

Nach drei Satzbällen gewinnt Iwaschka den ersten Satz im Tiebreak mit 7:6 (10/8).

Jürgen Melzer begann aggressiv und nahm seinem Gegner das Service zur 2:1-Führung ab. Statt 3:1 hieß es wenig später aber 2:2, Iwaschka hatte die zu Beginn vielleicht vorhandene Nervosität schnell abgelegt. Danach ging es auf beiden Seiten mit dem Aufschlag bis zum Tiebreak weiter. Dort hatte der Weißrusse bei 6/5 einen Satzball, kassierte aber einen Strafschlag, weil er beim Volley mit dem Schläger auf der anderen Seite des Feldes war. Den Satz holte er sich wenig später aber doch noch.

Deja-vu im zweiten und dritten Satz

Melzer hatte danach etwas zu kämpfen, bis das erste Game unter Dach und Fach war, er nahm seinem Gegner dann aber den Aufschlag zu null ab. Wie schon im ersten Satz konnte er diesen Vorteil allerdings wieder nicht nützen und kassierte trotz 30:0-Führung erneut das Rebreak, dem diesmal sogar zwei weitere Aufschlagverlust folgten.

Während Melzer mit ein paar engen Bällen haderte und teilweise zu ungeduldig wirkte, spielte Iwaschka auf hohem Niveau weiter und servierte bei 5:2 auf die 2:0-Satzführung. Obwohl er dann selbst eine Kunstpause einlegte und Melzer noch ein drittes Game überließ, konnte dieser daraus erneut kein Kapital schlagen.

Iwaschka - J. Melzer: Dritter Satz

Den dritten Satz kann Melzer 6:4 für sich entscheiden.

Der dritte Satz begann wie die beiden vorangegangenen, der Niederösterreicher ging früh mit einem Break 2:1 in Führung. Doch erneut gelang es Iwaschka, den Rückstand sofort wettzumachen. Danach gab es aber erstmals in der Partie eine neue Situation, als Melzer spät im Satz mit einem weiteren Break 5:4 in Führung ging und den Vorsprung diesmal auch ins Ziel brachte.

Iwaschka kämpft sich durch

Auch im vierten Durchgang gab es das schon bekannte Bild: Melzer legte mit Break zum 3:2 vor, Iwaschka glich postwendend aus. Der Weißrusse war allerdings nicht mehr so souverän wie zuvor und streute neben starken Aufschlägen nun auch einige Eigenfehler ein. Bei 5:4 hatte er gegen einen in dieser Phase aus der Konzentration gekommenen Melzer zwei Matchbälle, konnte aber keinen davon verwerten.

Jürgen Melzer

GEPA/Matthias Hauer

Jürgen Melzer konnte die Partie nur kurz kontrollieren

Nachdem danach beide Spieler ihren Aufschlag zu null durchbrachten, ging es zum zweiten Mal in dieser Partie ins Tiebreak. Dort stand Melzer dann auf verlorenem Posten.

Schon am Samstag steht Koubeks Team daher mit dem Rücken zur Wand. Die Doppel-Spezialisten Julian Knowle (erstmals seit dreieinhalb Jahren im Team) und Alexander Peya müssen den Anschlusspunkt schaffen, damit Gerald Melzer gegen Iwaschka bzw. Jürgen Melzer gegen Gerasimow überhaupt noch eine Chance haben.

„Jetzt muss uns das Doppel am Leben halten“

„Ich war überrascht, wie gut Iwaschka gespielt hat. Von Anfang bis Ende. Er hat nie Schwächen gezeigt, unglaublich serviert und die Punkte zu Ende gespielt“, konstatierte der ÖTV-Routinier.

„Ich habe aber auch nicht schlecht gespielt, es waren ein paar Games, die entschieden haben - vor allem, wenn ich Break vor war und immer gleich das Rebreak kassiert habe“, blickte der 35-jährige Niederösterreicher zurück. „Jetzt muss uns das Doppel am Leben halten, das wird schwer genug. Gehen wir mit 1:2 in den Schlusstag, wird es für Gerald ganz schwer. Iwaschka hat gegen mich wirklich eine Kampfansage gemacht.“

Europa-Afrika-Zone I, zweite Runde

Minsk (Hardcourt, Halle):
Weißrussland Österreich 3:1
Jegor Gerasimow Gerald Melzer 6:3 6:3 6:3
Ilja Iwaschka Jürgen Melzer 7:6 (10/8) 6:3 4:6 7:6 (7/1)
Max Mirnyi / Jaraslaw Schyla Julian Knowle / Jürgen Melzer 4:6 6:7 (6/8) 7:6 (7/3) 4:6
Ilja Iwaschka Gerald Melzer 7:6 (7/3) 3:6 6:3 6:1

Links: