Themenüberblick

Kanada setzt wieder auf NHL-Power

Ab Freitag wird zum 81. Mal in der Geschichte der Weltmeister im Eishockey ermittelt. Mit Deutschland (Köln) und Frankreich (Paris) findet die WM heuer zum vierten Mal in zwei Ländern statt. Die beiden Gastgeber gehören aber nur zum Kreis der Außenseiter im Kampf um den Titel. Favorit ist Kanada, dass nach 2015 und 2016 zum dritten Mal in Folge Gold anpeilt.

Die WM 2017 wird wie seit 2012 wieder in zwei Achtergruppen in Köln und Paris gespielt. Die besten vier jeder Gruppe steigen ins Viertelfinale auf, die letzten zwei jedes Pools müssen eine Stufe tiefer in die Division IA. Dänemark, das in Gruppe A in der Kölner Lanxess Arena die Vorrunde bestreitet, kann als Gastgeber der Weltmeisterschaft 2018 nicht absteigen. Die Dänen haben mit Italien aber den großen Außenseiter in der Gruppe. Slowenien, der zweite Aufsteiger des Vorjahres, spielt in Gruppe B mit Titelverteidiger Kanada in Paris. Das Finale steigt am 21. Mai in Köln.

Auf tschechischen Spuren

Die Kanadier setzen auch heuer wieder auf einige Stars aus der National Hockey League (NHL), die es mit ihren Clubs nicht ins Play-off geschafft haben. Prominent besetzt ist beim 26-fachen Weltmeister vor allem die Offensive. Kanadas Teamchef Jon Cooper hat mit Matt Duchene, Nathan MacKinnon (beide Colorado Avalanche), Ryan O’Reilly (Buffalo Sabres), Claude Giroux (Philadelphia Flyers) und Jeff Skinner (Carolina Hurricanes) hochkarätige NHL-Stürmer zur Verfügung. Duchene und O’Reilly waren auch schon bei den Erfolgen 2015 und 2016 mit dabei.

Kanadas Spieler jubeln 2016 mit dem WM-Pokal

Reuters/Maxim Shemetov

Kanada schaffte bereits 2016 in Russland die erfolgreiche Titelverteidigung

Die geballte NHL-Power soll mithelfen, dass eine Nation erstmals seit 16 Jahren wieder den Gold-Hattrick schafft. Seit dem Zerfall der Sowjetunion konnte lediglich Tschechien von 1999 bis 2001 drei Titel in Serie feiern. Die Auswahl der Teams, die den Kanadiern den Sieg streitig machen können, ist überschaubar. Russland und Schweden gelten als die aussichtsreichsten Herausforderer der „Ahornblätter“. Das Duell der beiden Großmächte ist am Freitag (16.15 Uhr) live in ORF Sport + zu sehen. Auch Finnland und die Auswahl der USA sollte man auf der Rechnung haben.

Kanada spielt in der Vorrundengruppe B in der Halle von Paris-Bercy, wo auch jährlich das traditionelle Tennishallenturnier über die Bühne geht u. a. mit Vizeweltmeister Finnland und Tschechien. In der Gruppe A in Köln sind u. a. Russland, Schweden und die USA zu sehen. Russlands Teamchef Oleg Znarok, der mit der „Sbornaja“ den ersten Titel seit 2014 anpeilt, setzt in erster Linie auf Spieler aus der russischen Kontinental Hockey League (KHL). Bei der Heim-WM im Vorjahr mussten sich die Russen mit Bronze begnügen.

Hoffen auf 600.000 Besucher

Zum vierten Mal nach 1930, 2012 und 2013 findet eine Eishockey-WM in zwei oder mehr Ländern statt. Vor 87 Jahren waren ebenfalls Frankreich und Deutschland sowie Wien Schauplätze des Turniers. Die Spiele waren damals allerdings ungleich verteilt. In Chamonix wurden die erste Runde, das Viertel- und das Semifinale gespielt, in Berlin das Endspiel. Wien war damals nur Schauplatz des Spiels um Platz vier. 2012 und 2013 waren Schweden und Finnland gemeinsam Gastgeber der beiden Turniere.

Köln und Paris erhoffen sich für die 64 Spiele insgesamt 600.000 Zuschauer. An die Rekordmarke der WM 2015 in Tschechien, als 741.690 Besucher in die Hallen in Prag und Ostrau strömten, kämen sie damit nicht heran. Großgeschrieben werden die Sicherheitsmaßnahmen nach Anschlägen in Frankreich und Deutschland. Aufgrund des terrorbedingten Ausnahmezustands in Frankreich wird es in Paris bei der Arena keine Fanzone geben.

Österreich schaut genau hin

In Paris und Köln sind auch einige Spieler aus den österreichischen Ligen EBEL und AHL dabei. Slowenien setzt auf sieben Spieler aus der EBEL, Italien hat viele Spieler der Alps Hockey League im Kader. Für beide Teams geht es darum, als erste Aufsteiger seit Frankreich 2008 den Klassenerhalt zu schaffen. Zudem haben Dänemark (Sebastian Dahm/Graz) und Frankreich (Florian Hardy/Dornbirn) zwei Torhüter von österreichischen Clubs im Kader.

Aus österreichischer Sicht ist die WM heuer wieder interessanter, weil es um die Gegner bei der WM 2018 in Dänemark (4. bis 20. Mai in Kopenhagen und Herning) geht. Die Gruppeneinteilung für 2018 erfolgt nach der Platzierung in der Weltrangliste, die nach der WM feststeht. Österreich, das in Kiew den Aufstieg geschafft hat, wird auf die Nummern zwei, drei, sechs, sieben, zehn, elf und 14 oder 15 treffen.

Zudem wird Dieter Kalt, von 1996 bis 2016 Präsident des ÖEHV, am 21. Mai in Köln in die Hall of Fame des Internationalen Eishockey-Verbands (IIHF) aufgenommen. Auch werden am 17. Mai in Köln die Gruppen für die Champions Hockey League (CHL) ausgelost, für die die Vienna Capitals aus Topf eins, Red Bull Salzburg aus Topf zwei und der KAC aus Topf drei gezogen werden.

Links: