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Autopsie noch ausständig

Der US-amerikanische Bobfahrer Steven Holcomb ist im Alter von nur 37 Jahren plötzlich verstorben. Der Olympiasieger im Viererbob von 2010 in Vancouver und fünffache Weltmeister wurde am Samstag in Lake Placid tot aufgefunden. Über die genaue Ursache für seinen Tod soll die für Sonntag geplante Autopsie Aufschluss bringen.

Das gaben das nationale amerikanische Olympische Komitee und der amerikanische Bobverband bekannt. Holcomb holte neben Gold in Vancouver auch 2014 in Sotschi die Bronzemedaille im Vierer- und Zweierbob. Bei Weltmeisterschaften eroberte der US-Amerikaner mit der turbulenten Lebensgeschichte insgesamt fünf Gold- und fünf Bronzemedaillen.

Rätsel um Todesursache

Holcomb, der vor Jahren schon einen Selbstmordversuch unternommen hatte, wurde in seinem Zimmer im olympischen Trainingszentrum in Lake Placid tot aufgefunden. Die Behörden gaben keine Todesursache an, eine Autopsie ist anberaumt. Laut offiziellen Angaben gibt es bisher aber keine Anzeichen einer Fremdeinwirkung, der US-Verband geht davon aus, dass der 37-Jährige im Schlaf verstorben ist.

Steven Holcomb

Reuters/Arnd Wiegmann

Nie komplett austrainiert, aber einer der Besten der Welt

Sein Tod versetzt den Bobsport weltweit in Schock, besonders in den USA ist das Entsetzen groß. „Der einzige Grund, warum die USA in Gesprächen über den Bobsport vorkommt, ist Steven Holcomb“, sagte sein Teamkollege Nick Cunningham, der im Nebenzimmer war. „Er war das Gesicht unseres Teams, unseres Sports!“ Jeder Pilot der Welt hätte zu ihm aufgeschaut, sein Tod sei ein „riesengroßer Verlust“.

Turbulentes Leben

Holcomb hat in seinen 37 Jahren so einiges erlebt. Mit nur zwei Jahren begann der in Park City geborene Bub mit dem Skifahren, um danach in den Skirennsport einzusteigen. 1998 versuchte er sich im Bobfahren und konnte gleich reüssieren. Der 18-Jährige kam in den Nationalkader und absolvierte im selben Jahr noch am 3. November sein Weltcup-Debüt als Anschieber. Der große Durchbruch gelang Holcomb in der Saison 2006/07, als er nicht nur seinen ersten Weltcup-Sieg feierte, sondern auch die Gesamtwertung im Zweierbob gewann. Seinen letzten Sieg feierte der US-Amerikaner am 16. Dezember 2016 in Lake Placid im Zweierbob, die Gesamtwertung des Viererbobs schloss er heuer als Dritter ab.

Doch neben den sportlichen Erfolgen gab es auch noch eine dunkle Seite. Holcomb erkrankte an Keratokonus, einer Augenkrankheit, und drohte zu erblinden. Eine Operation rettete sein Augenlicht, Depressionen aber blieben. 2007 unternahm der Bobpilot einen Selbstmordversuch mit Schlaftabletten. Auch Alkohol war damals ein großes Problem, aber Holcomb rappelte sich wieder auf. „Nachdem ich all das durchlitten habe und immer noch da bin, habe ich realisiert, was mein Lebenssinn ist.“ Den Sinn seines Todes versteht niemand. „Wir stehen immer noch unter Schock“, sagte Teamkollege Cunningham.

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