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9.000 Tage ohne Europacup

Der 1. FC Köln hat erstmals seit 25 Jahren den Europacup erreicht. Die Stimmung in der Domstadt war entsprechend ausgelassen. Der 1. FC Köln feierte mit Trainer Peter Stöger zum Saisonabschluss einen 2:0-Erfolg vor eigenem Publikum gegen Mainz und belegte in der Endtabelle Rang fünf. Das ist die beste Bundesliga-Platzierung seit 1992 für die „Geißböcke“.

Anschließend war vor der Feierlaune der Köln-Spieler und hier vor allem vor Anthony Modeste niemand sicher. Nachdem ihn die Fans auf Händen getragen hatten, dreht der Torjäger des 1. FC Köln mit Freudentränen in den Augen richtig auf. Zunächst verpasste er mit einem Fünfliterglas sämtlichen Journalisten eine Bierdusche, dann stürmte er mit einer Handvoll Kollegen die Pressekonferenz und knöpfte sich Trainer Peter Stöger vor.

„Macht keinen Scheiß“

Der 51-jährige Wiener wusste schon, was ihn erwartete - nur verhindern konnte er es nicht. „Macht keinen Scheiß“, sagte Stöger, als er Modeste und seine Kollegen mit Biergläsern bewaffnet in den ersten beiden Reihen erblickte. Allein, es nutzte nichts.

Bierdusche für Köln-Trainer Peter Stöger

picturedesk.com/dpa/Jonas Güttler

Kein Entkommen gab es für Stöger bei der Bierdusche durch seine Spieler

Kaum hatte der Trainer seine Ausführungen beendet, stürmten die Spieler auf ihn zu und gossen ihm literweise Kölsch über den Kopf. „Nächstes Jahr sind hier maximal noch fünf Spieler von euch hier“, sagte er und verpasste Leonardo Bittencourt zwei ironisch gemeinte Ohrfeigen.

Über Kampf und Krampf zum Triumph

Stöger hatte angeordnet, dass während des Spiels die Zwischenstände der anderen Partien durchgegeben werden, um statt eines undeutbaren Raunens im Publikum Gewissheit zu haben. Die Einblendungen sorgten für ein emotionales Auf und Ab der FC-Fans. Die bejubelten zwar die Führungstreffer des Rivalen Leverkusen in Berlin und der Bayern gegen Freiburg, als der FC in der Livetabelle durch das Bremer 1:0 in Dortmund auf Rang acht abrutschte, kippte die Stimmung aber.

Die Kölner verkrampften aber mehr und mehr. So kamen sie gegen stabile Mainzer zunächst kaum zu Chancen. Dann fasste sich Hector ein Herz, schloss nach schöner Einzelleistung mutig ab, und Mainz-Keeper Jannik Huth ließ den Ball unter dem Bauch zum 1:0 (43.) passieren. Plötzlich war Köln Fünfter und die Fans begannen, ausgelassen zu feiern. Die Verkrampfung der Gastgeber lösten dieser erlösende Treffer und die nun glänzende Ausgangsposition aber nicht.

Die erste Großchance nach der Pause war ein Zufallsprodukt, als Milos Jojic den Ball nach einer Rettungsaktion von Huth aus 40 Metern knapp vorbeischlenzte (63.). Die Mainzer wurden nach einer Stunde endlich etwas aktiver und sorgten damit für noch größere Nervosität bei den Kölnern. Erst Osakos Tor (87.) zum 2:0 Endstand nach einem Konter beendete die Anspannung.

„Heute gibt es keine Grenzen“

Schon als die Fans den Platz gestürmt hatten und sich die Spieler mit vorgefertigten „Europapokaaal“-Shirts und einem Megafon auf der Tribüne feiern ließen, hätte Stöger lieber den stillen Beobachter gegeben und sich in die Katakomben verzogen. Doch sein Assistent Manfred Schmid packte ihn und trug ihn zur jubelnden Meute.

Bittencourt war es schließlich, der den ultimativen Partybefehl ausgab. „Heute gibt es keine Grenzen“, sagte er, „heute lassen wir alle das Auto stehen. Heute wird die ganze Stadt brennen.“

Weihnachten, Geburtstag und Silvester auf einmal

Als besonderes Souvenir präsentierten viele Fans dabei selbst entrissene Stücke des Rasens aus dem Kölner Stadion, auch ein Tor wurde ramponiert. Bis zum ersten Europacup-Spiel seit einem Vierteljahrhundert braucht Köln also erst einmal eine neue Spielfläche.

Köln-Spieler feiern mit Fans im Stadion

APA/AFP/Jonas Guttler

Die Köln-Fans trugen ihre Spieler (Bild: Rausch) auf Händen über den Platz

„Das ist ein neuer Feiertag für den Kölner Kalender: Weihnachten, Geburtstag und Silvester auf einmal“, sagte Matthias Lehmann, Kapitän des 1. FC Köln nach dem gesicherten Europacup-Comeback: „Da herrscht eben der absolute Ausnahmezustand.“

Europacup nur aus Erzählungen bekannt

Fast 9.000 Tage war am Samstag das 160. und bisher letzte Europacup-Spiel des FC her - im September 1992 gab es bei Celtic Glasgow eine 0:3-Niederlage. Tormann Timo Horn, im Mai 1993 geboren, hat somit noch keines erlebt.

„Ich kenne das nur von Erzählungen von meinen Eltern und Großeltern“, sagte der gebürtige Kölner, der als Jugendlicher im Fansektor stand. Durch Platz fünf erspart sich die Stöger-Elf auch gleich die Qualifikation für die Europa League und steht fix in der Gruppenphase. „Das ist perfekt“, meinte Sportchef Jörg Schmadtke.

Planen für nächste Saison, Subotic schon weg

Auf Schmadtke wartet nun Arbeit. Er darf mit zusätzlichen Einnahmen planen, muss aber einen größeren Kader als geplant zusammenstellen. Einen kompletten Umbau schloss er aber noch in der Stunde des Erfolgs aus. „Man hat gesehen, dass wir eine gute Mannschaft haben. Im Gros werden wir sicher zusammenbleiben“, sagte er, war sich aber bewusst, dass er im Kampf um begehrte Spieler nun zusätzliche Argumente hat: „Vielleicht können wir nun noch ein i-Tüpfelchen setzen.“

Ein Abgang steht jedoch bereits fest. Neven Subotic wird Köln nach einem halben Jahr wieder verlassen. Nachdem er gegen Mainz überraschend nicht im Kader stand, wurde der Innenverteidiger am späten Samstagabend auf der Saisonabschlussfeier offiziell verabschiedet. Bei Borussia Dortmund, von wo er ausgeliehen ist, hat Subotic noch einen Vertrag bis 2018. Ob er zum BVB zurückkehrt oder ins Ausland wechselt, ist aber noch offen.

Deutsche Bundesliga, 34. Runde

Samstag:

Bayern München - Freiburg 4:1 (1:0)

Tore: Robben (4.), Vidal (73.), Ribery (91.), Kimmich (95.) bzw. Petersen (76.)

Bayern: Alaba spielte durch

Frankfurt - Leipzig 2:2 (0:1)

Tore: Vallejo (83.), Blum (90.) bzw. Sabitzer (25.), Poulsen (56.)

Leipzig: Ilsanker und Sabitzer spielten durch

Dortmund - Bremen 4:3 (2:1)

Tore: Reus (32.,75.), Aubameyang (42.,88./Elfer) bzw. Junuzovic (7.), Bartels (46.), Kruse (68.)

Bremen: Junuzovic spielte durch, Grillitsch bis 72. Minute

Hoffenheim - Augsburg 0:0

Augsburg: Hinteregger spielte durch, Teigl ab 90. Minute

Hertha BSC - Leverkusen 2:6 (0:3)

Tore: Weiser (71.), Allagui (86./Elfer) bzw. Chicharito (5.), Havertz (31., 45.), Kießling (64./Elfer), Aranguiz (81./Elfer), Pohjanpalo (90.)

Leverkusen: Baumgartlinger spielte durch

Köln - Mainz 2:0 (1:0)

Tore: Hector (43.), Osako (87.)

Mönchengladbach - Darmstadt 2:2 (0:0)

Tore: Hazard (50.), Raffael (65.) bzw. Schipplock (63.), Heller (90.)

Ingolstadt - Schalke 1:1 (1:1)

Tore: Groß (41./Elfer) bzw. Avdijaj (2.)

Rote Karte: Stambouli (63./Schalke)

Ingolstadt: Hinterseer ab 86. Minute; Schalke: Burgstaller bis 86.

Hamburger SV - Wolfsburg 2:1 (1:1)

Tore: Kostic (32.), Waldschmidt (88.) bzw. Knoche (24.)

HSV: Gregoritsch ab 64. Minute

Tabelle

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