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„Der Tank war endgültig leer“

Dominic Thiem hat letzte Woche beim ATP-Masters-1000-Turnier in Rom eine Hochschaubahn der Gefühle durchlebt. Einer sensationellen Leistung im Viertelfinale gegen Sandplatzkönig Rafael Nadal (6:4 6:3) folgte im Halbfinale gegen den Weltranglistenzweiten Novak Djokovic eine unerwartet deutliche 1:6 0:6-Schlappe in nur 59 Minuten.

Der 23-jährige Niederösterreicher Thiem war nach der glatten Niederlage jedoch nicht so frustriert, wie es das Ergebnis hätte erwarten lassen. „Ich habe schon gegen (Sam, Anm.) Querrey am Ende gemerkt, dass ich schon ein bisserl an den Reserven bin. Eigentlich hätte ich das, was gegen Djokovic passiert ist, eher schon gegen Nadal erwartet“, gestand der Niederösterreicher.

Thiem gegen Djokovic chancenlos

Für Dominic Thiem war im Halbfinale von Rom gegen den Weltranglistenzweiten Novak Djokovic Endstation.

Daher habe ihn auch die Leistung gegen Nadal „extrem überrascht, weil ich mich den ganzen Tag nicht so frisch gefühlt habe, genauso nicht heute“. Gegen Nadal habe er es irgendwie noch über die Runden gebracht. „Aber heute war der Tank endgültig leer.“

Mit „Supergefühl“ nach Paris

„Es war das erste Mal für mich, dass ich auf so hohem Niveau bei so großen Turnieren zweimal hintereinander so weit gekommen bin, und deshalb ist das für mich jetzt kein Weltuntergang“, sagte Thiem, der vor einer Woche erst im Endspiel von Madrid, seinem ersten Masters-1000-Finale, an Nadal gescheitert war und nun sein zweites 1000er-Halbfinale gleich in der Woche darauf lieferte.

Auf seine Vorfreude auf die French Open und auch sein Selbstvertrauen hat das 1:6 0:6 von Samstag keine Auswirkungen, sagte Thiem. „Das Match hat überhaupt keinen Einfluss darauf, dass ich mit einem Supergefühl nach Hause und dann nach Paris fahre. Ich fühle mich richtig gut, auch wie ich Tennis spiele. Nur so wie der Körper müde wird, wird halt auch irgendwann der Geist müde nach einer langen Zeit.“

Neuer Anlauf mit neuer Taktik

Wenn diese Müdigkeit dann gegen Gegner wie Djokovic passiere, dann seien solche Ergebnisse eben nur die logische Folge, meinte Thiem. Djokovic ist trotz aus seiner Sicht bisher magerer Saison für die French Open daher auch wieder ein echter Titelanwärter.

„Ich glaube, dass Djokovic immer ein Favorit ist. Natürlich hat er jetzt für seine Verhältnisse nicht so gut gespielt in dieser Saison, aber trotzdem hat er immer noch ein Halbfinale in Madrid, hier das Finale, ein Viertelfinale in Monte-Carlo. Ich glaube, dass er bei jedem Grand Slam ein Favorit ist“, sagte Thiem.

Dominic Thiem (AUT)

Reuters/Stefano Rellandini

Gegen Djokovic streckte sich Thiem bisher immer vergeblich

Das Spiel des Weltranglistenzweiten liegt dem achtfachen Turniersieger aus Lichtenwörth nicht, doch er und sein Team werden wieder die Lehren aus der Niederlage ziehen. Ähnlich wie auch gegen Nadal, als Thiem mit neuer Taktik im dritten Match innerhalb von drei Wochen den spanischen Superstar nach 17:0-Siegen auf Sand gestoppt hatte.

Kurze Pause reicht

Thiem flog am Sonntag nach Hause, machte am Montag Sponsorenaufnahmen und wird zwei Tage abschalten. „Es geht eh schnell. Ich werde ein paar Sachen unternehmen, die ganz weg vom Tennis sind. Ich habe genug gesehen vom Tennis die letzten Wochen, aber dann passt das eh sofort wieder“, sagte der erste Rom-Halbfinalist seit Thomas Muster 1996.

Für seine erst vierten French Open bei den Profis darf man einiges vom Halbfinalisten des Vorjahres erwarten. „Natürlich bin ich schon richtig griffig und motiviert für Paris. Ich muss bis dahin nur schauen, dass ich wieder voll frisch bin.“

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