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Mit den Gedanken in der Heimat

Die Spieler von Manchester United haben ihren Triumph in der Europa League mit bewegenden Worten den Opfern des Terroranschlags in der Heimatstadt des Clubs gewidmet. „Das ist nur Fußball. Aber was am Montag geschehen ist, ist schrecklich. Wir müssen überall auf der Welt für Frieden und Respekt kämpfen, damit es keine Anschläge mehr gibt“, sagte Ander Herrera nach dem 2:0-Finalsieg am Mittwoch gegen Ajax Amsterdam.

Der Bombenanschlag auf ein Popkonzert in Manchester mit 22 Toten und 64 Verletzten hatte am Vorabend des Abflugs des Teams nach Stockholm die Stadt und das Land in tiefe Trauer gestürzt. „Normalerweise ist man vor so einem Spiel glücklich und voller Vorfreude. Aber das ging diesmal nicht“, sagte United-Trainer Jose Mourinho. „Diesmal haben wir nur unseren Job gemacht. Die Spieler haben eine Mauer um sich aufgebaut und sich auf das Match konzentriert.“

Das sei enorm schwierig gewesen, betonte der Spanier Herrera, der als wertvollster Spieler des Finales ausgezeichnet wurde. „Aber der Coach hat uns gesagt, das Einzige, das wir tun könnten, sei, die Trophäe für die Opfer zu gewinnen.“ Mourinho erklärte nach dem Spiel, er würde den Pokal nur allzu gerne für die Leben der Opfer eintauschen.

Klare Verhältnisse auf dem Spielfeld

Manchester United hatte trotz der tragischen Umstände nur wenig Mühe mit dem jungen und unerfahrenen Team der Niederländer, bei denen sechs Spieler erst 21 Jahre oder jünger waren. Der Franzose Paul Pogba in der 18. Minute und der Armenier Henrich Mchitarjan (48.) verhalfen dem Favoriten vor 48.000 Zuschauern zum ersten Titel auf europäischer Bühne seit 2008 und damit dem Sechsten der Premier League doch noch zum Startrecht in der Königsklasse 2017/18.

Manchester United gewinnt Europa League

Manchester United hat sich erstmals den Titel in der Europa League gesichert. Die „Red Devils“ besiegten Ajax Amsterdam im Finale mit 2:0 und lösten damit auch noch das Ticket für die kommende Champions League.

Pogba, der im Sommer für die Rekordsumme von rund 105 Millionen Euro von Juventus zum englischen Rekordmeister gekommen war, wollte die Saison danach nicht schlechtreden lassen. „Es war das Ziel, die ganze Saison hindurch zu gewinnen. Das haben wir geschafft, und wir sind stolz“, sagte der Stürmerstar. Noch ohne ihn hatte ManUnited zu Saisonbeginn den Community Shield (englischer Supercup) und dann im Februar auch den Ligacup gewonnen.

„Manchester - a City United“

Der Jubel nach dem mit 6,5 Millionen Euro belohnten Erfolg - das Antreten in der Champions-League-Gruppenphase bringt weitere 12,7 Millionen - hielt sich aber in Grenzen. Mit einem Mannschaftsfoto mit dem Pokal schickte das Team eine Botschaft an seine schwer getroffene Stadt: „Manchester - a City United“ stand auf einem roten Banner, das die Spieler in den Händen hielten. „Eine Stadt hält zusammen“, sollte das unter Verwendung der Namen der rivalisierenden Fußballclubs City und United bedeuten.

Die beiden Clubs werden zur Unterstützung der Terroropfer und deren Hinterbliebenen gemeinsam eine Million Pfund (1,16 Mio. Euro) spenden. Die Vereine kündigten am Donnerstag an, dass sie das Geld einem gemeinsam mit dem Roten Kreuz initiierten Soforthilfefonds zur Verfügung stellen werden.

„Wir haben unser Ziel erreicht“

ManUnited holte erstmals den Titel in der Europa League - Wayne Rooney nahm als eingewechselter Kapitän den Pokal im Empfang -, und Mourinho gestaltete auch sein viertes Europacup-Endspiel als Trainer erfolgreich. „Ich erreiche die Champions League lieber so, als in der Liga Zweiter, Dritter oder Vierter zu werden“, sagte der 54-jährige Portugiese, der zweimal die Champions League (mit Porto und Inter Mailand) und zweimal die Europa League (mit Porto und ManUnited) gewonnen hat.

Mourinho

APA/AP/Michael Sohn

Mourinho hat nun einen weiteren Titel auf der Visitenkarte

„Das ist das Ende einer sehr schwierigen, aber sehr, sehr guten Saison“, erklärte Mourinho. „Wir haben unser Ziel erreicht.“ ManUnited hat nun als erst fünfter Verein nach Bayern München, Ajax, Chelsea und Juventus Turin alle drei Europacups inklusive des seit 1999 nicht mehr ausgespielten Cupsieger-Bewerbs gewonnen.

Offene Personalfragen

Der Erfolgstrainer sagte auch, es sei schade für Zlatan Ibrahimovic, der seinen ersten Europacup-Titel nach Kreuzbandrissen auf Krücken vom Spielfeldrand seines einstigen Heimstadions in Solna verfolgen musste. Ob der Schwede und Rooney in der kommenden Saison noch dabei sein werden, ließen beide Spieler offen.

Als Champions-League-Teilnehmer ist der Club auch weiter für potenzielle neue Stars wie Antoine Griezmann von Atletico Madrid attraktiv. Immerhin haben sich durch den Erfolg in der Europa League die teuren Einkäufe des vergangenen Sommers ausgezahlt. Allein für die beiden Torschützen Pogba und Mchitarjan zahlte United 147 Millionen Euro.

Junge Ajax-Mannschaft muss Lehrgeld zahlen

„Ich habe nicht das Ajax gesehen, das ich normalerweise sehe“, sagte Trainer Peter Bosz nach der Niederlage. Er war aber dennoch nicht unzufrieden. „Für jeden unserer Spieler war dies das erste große Finale. Sie werden daraus eine Menge lernen und daran wachsen. Wenn wir diese Mannschaft zusammenhalten können, werden wir nächste Saison noch stärker werden, da bin ich mir sicher.“

Die Anfeuerungen durch fast 20.000 Ajax-Fans in der Friends Arena und der große Name des Clubs überdeckten allerdings ein wenig, dass das junge Team schon auf dem Weg ins Finale nur wenig Stabilität zeigte. Im Viertelfinale gegen Schalke 04 und im Halbfinale gegen Olympique Lyon spielte man zu Hause jeweils brillant, auswärts dann aber deutlich schwächer. „Wir haben sie genau analysiert. Wir wussten, dass sie sehr unerfahren sind und wahrscheinlich Nerven zeigen, wenn wir ihnen nicht viel gestatten“, erklärte Manchester-Verteidiger Chris Smalling den Matchplan seines Teams.

„Darauf sollten wir aufbauen“

Während United in beiden Halbzeiten früh traf, hatten die Niederländer erst drei Minuten vor Schluss ihre erste gute Torchance. „Wir können trotzdem stolz auf das sein, was wir geleistet haben, dass wir mit dieser jungen Mannschaft ins Finale gekommen sind“, sagte der Deutsche Amin Younes. „Wenn du ein Finale erreichst, hast du auch viele Dinge gut und richtig gemacht. Darauf sollten wir aufbauen.“

Genau das ist bei Ajax aber auch nicht leicht, denn die besten Spieler werden oft weggekauft. So könnte es demnächst mit Stürmer Kasper Dolberg oder auch mit Younes passieren. Und so war es früher schon mit dem jetzigen Trainerassistenten Denis Bergkamp, Sportdirektor Marc Overmars und Vorstandschef Edwin van der Sar.

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