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Die Finalisten im Teamcheck

18 Europacup-Duelle hat es zwischen Real Madrid und Juventus Turin schon gegeben. Die Bilanz könnte nicht ausgeglichener sein: Achtmal gewannen die „Königlichen“, achtmal die „Alte Dame“, und zwei Spiele endeten remis. Nicht nur wegen dieser Statistik ist für das große Finale der Champions League am Samstag in Cardiff (20.45 Uhr, live in ORF eins) ein Duell auf Augenhöhe um die Krone im europäischen Clubfußball zu erwarten.

Beide Teams zeigten im Verlauf des Bewerbs Fußball auf sehr hohem Niveau. Juventus blieb in den bisherigen zwölf Spielen (neun Siege, drei Remis) ungeschlagen. Real kassierte nach acht Siegen und drei Unentschieden im Semifinal-Rückspiel gegen Atletico Madrid (1:2) die einzige Niederlage. Die Systeme sind dabei sehr unterschiedlich. Auf der einen Seite das Juve-Bollwerk, auf der anderen die Madrider Tormaschinerie. „Das wird ein hochinteressantes und gutes Spiel werden“, prophezeite Real-Coach Zinedine Zidane schon im Vorfeld.

Zinedine Zidane (Real)

APA/AFP/Pierre-Philippe Marcou

Zinedine Zidane peilt mit Real seinen zweiten CL-Titel als Trainer an

Auf dem Weg ins Endspiel musste Juventus nur drei Gegentreffer hinnehmen. Das Meisterstück wurde dabei im Viertelfinale gegen den FC Barcelona, der in 180 Minuten ohne Tor blieb, abgeliefert. Real zündet indes regelmäßig ein Offensivfeuerwerk und hat einen beeindruckenden Schnitt von 2,67 Toren pro Partie aufzuweisen. Nach 16 Treffern in der Gruppenphase tanzte das „Weiße Ballett“ auch in den K.-o.-Spielen mit insgesamt 14 Toren durch die Reihen von Napoli, Bayern München und dem Stadtrivalen Atletico.

Buffons letzter Karrieretraum

Im Tor vertraut Juve voll und ganz auf die Routine einer Legende. Gianluigi Buffon, der seit 2001 für die Turiner spielt, ist auch mit 39 Jahren noch ein Meister seines Faches. In der laufenden Champions League blieb Buffon 690 Minuten ohne Gegentor, erst Monaco-Jungstar Kylian Mbappe durchbrach im Semifinal-Rückspiel diese Sperre. In Cardiff will sich Buffon seinen letzten Karrieretraum erfüllen: den ersten CL-Triumph, der gleichzeitig das Triple bedeutet.

Gianluigi Buffon (Juventus)

APA/AFP/Miguel Medina

Die Routine von Gianluigi Buffon gibt Juventus zusätzlichen Rückhalt

Auf der Gegenseite steht Keylor Navas im Tor. Kritiker sehen den Goalie aus Costa Rica oft als schwächstes Glied im Team von Real an. In der entscheidenden Phase der Meisterschaft und der Champions League hielt der 30-Jährige aber seine Mannschaft mit starken Paraden im Rennen um beide Titel. Das Finale könnte trotzdem Navas’ letztes Spiel für Real werden, das in der Sommertransferzeit die Fühler wohl erneut nach ManUnited-Goalie David de Gea ausstrecken wird.

„BBC“ gilt es zu überwinden

Buffons Vorteil ist, dass er eine wahre Abwehrmauer vor sich hat. Die „BBC“-Abwehr mit Andrea Barzagli, Leonardo Bonucci und Giorgio Chiellini, der vor zwei Jahren bei 1:3-Finalniederlage gegen Barcelona gesperrt war, ist das Prunkstück von Juventus. Hinzu kommen die offensivstarken Außenverteidiger Dani Alves und Alex Sandro, die gesetzt sind. Sollte Juve-Coach Massimiliano Allegri auf ein 4-2-3-1-System setzen, könnte Alves ins Mittelfeld rutschen. Als Alternative gilt eine 3-4-2-1-Formation.

Giorgio Chiellini (Juventus)

APA/AFP/Filippo Monteforte

Vier Nasenbeinbrüche zeugen von Giorgio Chiellinis Kompromisslosigkeit

Auch in der Verteidigung von Real finden sich klingende Namen. So sattelfest wie Juve agierten Sergio Ramos und Kollegen aber nicht. 17 Gegentore und damit fast sechsmal so viele wie die Turiner kassierte Real in der Champions League. In der Innenverteidigung ersetzt Raphael Varane schon seit geraumer Zeit den verletzten Pepe. Rechts hat Dani Carvajal das Vertrauen von Coach Zidane. Links sorgt der Brasilianer Marcelo, der seit Wochen in Hochform agiert und einer der besten Assistgeber im Team ist, für Druck.

Zidane mit Luxusproblem im Mittelfeld

Diesen Druck muss Juventus bereits im Mittelfeld abfangen. Balleroberungen werden für die Italiener eine ganz entscheidende Rolle spielen, um selbst die gefürchteten Konter lancieren zu können. Im defensiven Mittelfeld stehen dafür der wieder fitte Sami Khedira, Claudio Marchisio und Miralem Pjanic zur Verfügung. Der Bosnier, der nach seinem Wechsel vom AS Roma seine Anpassungsprobleme überwunden hat, ist auch stets gefährlich bei Standardsituationen.

Bei Real steht indes Zidane vor einem Luxusproblem. Während Toni Kroos, Luka Modric und Casemeiro gesetzt sind, wurde Gareth Bale rechtzeitig für das Finale in seiner Heimatstadt fit. Der Waliser bestritt seit seiner Muskelverletzung Ende April kein Spiel mehr für Real und könnte Isco wieder aus der Startformation verdrängen. Der 25-Jährige erzielte jedoch fünf Tore und drei Assists in den letzten acht Spielen und war eine treibende Kraft in den letzten Wochen.

Isco (Real)

Reuters/Sergio Perez

Francisco „Isco“ Alarcon war in den letzten Partien ein Real-Schlüsselspieler

Im Angriff schaut alles auf Ronaldo

Kraftvoll und vor allem gefährlich ist auch der Juventus-Sturm. Als Solospitze agiert Gonzalo Higuain. 32 Pflichtspieltore erzielte der Argentinier für Juve. Dahinter spielt mit Paulo Dybala eine der großen Zukunftsaktien der Italiener. Der 23-Jährige wird schon mit Lionel Messi verglichen. Hinzu kommt Mario Mandzukic. Der Kroate nimmt bei Juve eine tiefere Position ein als bei seinen vorigen Clubs. Grund dafür ist, dass Mandzukic den Ball gut halten kann und so seinen Mitspielern Zeit gibt, vorzurücken.

Bei der Real-Offensive liegt das Hauptaugenmerk natürlich auf Cristiano Ronaldo. Der Superstar verzeichnete mit nur zwei Toren in den ersten acht Spielen einen verhaltenen Start in die Champions League, blühte in der K.-o.-Phase aber so richtig auf. Acht Treffer in den letzten vier Spielen sprechen eine klare Sprache. Darunter waren die Triplepacks gegen Bayern München und Atletico. Neben Ronaldo agiert Karim Benzema. Der Franzose hat eine durchwachsene Saison hinter sich, bewies aber seinen Wert für das Team mit seinem Assist für das wichtige Isco-Tor im Rückspiel gegen Atletico.

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