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Zwei Finalisten auf Augenhöhe

Die Finalserie der National Basketball Association (NBA) ist ein Deja-vu im doppelten Sinn. Zum dritten Mal in Folge duellieren sich die Golden State Warriors und die Cleveland Cavaliers um die Krone. Auch Österreichs erster NBA-Spieler Jakob Pöltl lässt der Schlagabtausch der beiden besten Teams nicht kalt. Eines steht für den Wiener fest: Die Serie wird „sehr ausgeglichen“.

Die „Best of seven“-Serie zwischen den Warriors, dem besten Team des Grunddurchgangs, und den Cavaliers, ihres Zeichens Titelverteidiger, darf als historisch bezeichnet werden. Noch nie standen einander zwei Mannschaften in der Geschichte der NBA dreimal in Folge in einem Endspiel gegenüber. Auch in den anderen nordamerikanischen Profiligen gab es das selten bis gar nicht. Anfang der 1920er trafen etwa die New York Yankees und Giants in der World Series im Baseball dreimal in Folge aufeinander.

„Funktionierendes Kollektiv“

Pöltl fragt sich so wie alle Experten: Wer hat diesmal die Nase vorn, wie 2015 Golden State oder wie im vergangenen Jahr Cleveland? Der 21-Jährige hat im Gegensatz zu vielen anderen Experten einen Vorteil. Pöltl hat gegen beide Teams im Laufe seiner ersten NBA-Saison mit den Toronto Raptors gespielt. Gegen Golden State durfte der Wiener etwa gleich zum Saisonstart ran und feierte einen 97:93-Sieg. Weniger gute Erinnerungen hat Pöltl an Cleveland. In der zweiten Play-off-Runde ging man in der Serie glatt mit 0:4 unter. Da war Pöltl allerdings meist nur Zuschauer.

Iman Shumpert (Cleveland), Pascal Siakam und Jakob Pöltl (Toronto)

APA/AP/Tony Dejak

Pöltl und Co. waren gegen Cleveland auf verlorenem Posten

Aufgrund der Eindrücke die Pöltl in den direkten Duellen gewonnen hat, ist es für den Wiener auf Nachfrage von ORF.at auch keine Überraschung, dass sich Warriors und Cavaliers bzw. die Superstars Stephen Curry und LeBron James wieder den Titel untereinander ausschnapsen. „Beide Teams haben überragende Einzelspieler in ihren Reihen und um diese ein funktionierendes Kollektiv mit einer sehr guten Rollenverteilung. Vor allem werferisch sind sie top besetzt, was es schwierig macht, in der Defense zu viel auszuhelfen“, so Pöltl.

Wenige Schwächen zu erkennen

Schwächen zu finden sei eine Riesenherausforderung. Denn offensichtlich sind speziell seit dem Ende des Grundurchgangs keine. Cleveland leistete sich nur eine Niederlage, nämlich jene im Semifinale gegen die Boston Celtics, Golden State ließ überhaupt nichts anbrennen und stieg mit 12:0-Siegen ins Finale auf. Seit 2003 ein „Best of seven“ in der ersten Runde des Play-offs eingeführt wurde, schaffte das noch keine Mannschaft.

„In den Playoffs sieht man bislang bei beiden Mannschaften kaum Schwächen“, zeigt sich auch Pöltl von der Dominanz des Duos beeindruckt. Beim Titelverteidiger habe man aus dem Grunddurchgang die richtigen Lehren gezogen, so der Wiener: „Cleveland hatte während der Regular Season Probleme in der Defense, aber das scheint Vergangenheit zu sein. Golden State hat keinen richtigen Inside-Scorer, kommt aber ganz gut ohne einen solchen aus.“

Superstars nur schwer zu stoppen

Auch wenn sich bei Warriors und Cavaliers neben Curry und James weitere Ligagrößen wie Kevin Durant bzw. Kyrie Irving auf dem Parkett bewegen und die beiden Mannschaften laut Pöltl „vollgefüllt mit Superstars“ sind, sind die Augen auch in dieser Finalserie auf die beiden prominentesten Namen gerichtet. Sie aus dem Spiel zu nehmen, sei fast unmöglich. „Bei beiden ist es extrem schwierig - vor allem, weil sie gute Teamkollegen haben und es unmöglich ist zu doppeln, ohne bestraft zu werden“, sagt Pöltl.

Stephen Curry (Golden State Warriors

Reuters/USA Today Sports/Soobum Im

Curry ist nicht nur von der Dreierlinie schwer zu stoppen

Wie sind die beiden Superstars nun zu stoppen? Bei LeBron James sei das noch viel weniger möglich als bei Curry - glaubt zumindest Pöltl: „LeBron James hat so viele Waffen, dass man ihn ohnehin nur etwas einschränken kann. Bei ‚Steph‘ Curry ist der erste Ansatz, ihm so wenige offene Dreier wie möglich zu geben.“ Der Topstar der Warriors traf heuer 324-mal von jenseits der Dreipunktelinie. Nummer zwei der Liste ist Klay Thompson mit 268 Dreiern - und auch der spielt bei Golden State.

Einen wirklichen Favoriten auf den Titel hat Pöltl nicht. Auch einen „Sweep“, sprich den Gewinn der Serie mit 4:0-Siegen, erwartet sich der 21-Jährige von keiner Mannschaft. Beim Siegertipp verlässt sich Pöltl daher auf sein Bauchgefühl und glaubt an die erfolgreiche Titelverteidigung Clevelands. Doch Golden State scheint fest gewillt, den Spieß diesmal wieder umzudrehen, nachdem man im Vorjahr die Serie nach 3:1-Führung noch aus der Hand gab.

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