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Trainer mit Mut zum Jugendstil

Borussia Dortmund ist auf der Suche nach einem Nachfolger von Thomas Tuchel fündig geworden. Wie der deutsche Bundesligist am Dienstag bei einer Pressekonferenz bekanntgab, wird bis Sommer 2019 der bisherige Ajax-Trainer Peter Bosz bei den Gelb-Schwarzen das Szepter schwingen. Grund für den Wechsel des 53-Jährigen soll ein Konflikt im Trainerstab des niederländischen Rekordmeisters sein.

Wie mehrere Medien bereits vor der offiziellen Vorstellung übereinstimmend berichtet hatten, hatten sich die beiden Vereine am Wochenende über eine kolportierte Ablösesumme in der Höhe von fünf Millionen Euro geeinigt. Bosz, der kurz zuvor ein Angebot von Bayer Leverkusen abgelehnt haben soll, ist nach Bert van Marwijk (2004 bis 2006) der zweite niederländische Trainer bei Dortmund.

Peter Bosz

Reuters/Phil Noble

Bosz führte Ajax in der Liga auf Platz zwei und ins Finale der Europa League

Nach den gescheiterten Abwerbeversuchen von Lucien Favre vom OGC Nizza hatten sich die Dortmunder nach dem Zerwürfnis von Tuchel mit der Vereinsspitze erneut um einen Nachfolger umschauen müssen. So kristallisierte sich in den letzten Tagen der wechselwillige Bosz, der bei Ajax zwar noch einen Vertrag bis 2019 hatte, sich aber unter anderen mit Assistenzcoach Dennis Bergkamp überschlagen haben soll, als aussichtsreichster Kandidat heraus. Auch der Wiener Peter Stöger, Trainer von Köln, wurde in den Medien als Tuchel-Ersatz genannt.

Über seine Vergangenheit wollte Bosz bei der Vorstellung in Dortmund aber nicht mehr sprechen. „Ich will jetzt nach vorne schauen und mich nicht mit dem beschäftigen, was hinter mir liegt.“ Er sei vielmehr „stolz, dass ich für einen großen Verein arbeiten darf. Der BVB gehört in Europa zu den Top Ten.“ Bosz weiter: „Ich bin überzeugt, dass es der richtige Schritt für mich ist.“

Geschickt im Umgang mit Talenten

Bosz hatte erst im Vorjahr das Traineramt bei Ajax übernommen, nachdem der Rekordmeister unter seinem Vorgänger Frank de Boer mit einem Remis in der letzten Runde den Titel noch verspielt hatte. Nach seinem Amtsantritt bewies der 53-Jährige vor allem ein Geschick im Umgang mit Talenten. Gegen alle Widerstände und trotz eines Fehlstarts krempelte er die Mannschaft radikal um und führte Ajax, das ein Durchschnittsalter von lediglich 22,7 Jahren aufweist, ins Europa-League-Finale und in der Eredivisie auf Rang zwei hinter Feyenoord.

Aufgrund seiner Spielphilosophie und seines Umgangs mit jungen Spielern kommt der Niederländer dem Anforderungsprofil der Borussia sehr nahe. Wie seine Trainervorbilder Johan Cruyff und Josep Guardiola bevorzugt der achtmalige niederländische Nationalspieler eine schnelle, offensive Spielweise. „Ich war auf dem Platz ein Zerstörer, aber das macht mir als Trainer keinen Spaß“, bekannte der ehemalige defensive Mittelfeldspieler unlängst in der englischen Zeitung „Guardian“.

Auf öffentlich formulierte Saisonziele mit den Dortmundern wollte sich Bosz vorerst trotz seines Offensivgeistes nicht einlassen. „Ich will den Menschen guten Fußball zeigen. Über alles Weitere werde ich mit den Herren Hans-Joachim Watzke (Vorstandschef, Anm.) und Michael Zorc (Sportdirektor, Anm.) sprechen.“

Als Spieler und Trainer ein Globetrotter

Was auffällt, sind seine vielen Stationen. So spielte Bosz in seiner Heimat für Apeldoorn, Arnheim, Waalwijk, Breda und Feyenoord Rotterdam, in Frankreich für Sporting Toulon, in Japan für JEF United Ichihara und in der deutschen Bundesliga für Hansa Rostock. Trainererfahrungen sammelte er bisher in Apeldoorn, Arnheim, De Graafschap, Almelo und Tel Aviv. Zwischenzeitlich war Bosz zudem Technischer Direktor bei Ajax’ Erzrivale Feyenoord Rotterdam.

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