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Galavorstellung in Montreal

Während Ferrari-Star Sebastian Vettel am Sonntag beim GP von Kanada erstmals in dieser Saison nicht auf dem Podest gelandet ist, schwebt Lewis Hamilton auf Wolke sieben. Nach seiner Galavorstellung in Montreal mit der 65. Pole und dem 56. WM-Sieg haben der Brite und nach dem Doppelsieg auch Mercedes wieder enormen Aufwind. Der Vorsprung von Vettel auf Hamilton schmolz auf zwölf Punkte.

Für Vettel ging beim siebenten WM-Lauf dagegen so ziemlich alles schief, was schiefgehen konnte. „Es ist einer dieser Tage, wenn sogar das Eis bricht und einem auf die Hand klatscht“, sagte der 29-jährige Deutsche, der sich im Rennen mit Platz vier und zum Drüberstreuen nach dem Rennen auch noch mit einem Eislutscher anpatzte. Die nächste Chance, Hamilton zu biegen, kommt in zwei Wochen in Baku, bevor es am 9. Juli zum Großen Preis nach Österreich geht.

Verstappen ruiniert Vettel Rennen

Für Vettel erwies es sich jedenfalls als fatal, dass Red-Bull-Jungstar Max Verstappen im Auto seines Ex-Arbeitgebers ihm gleich nach dem Start den Frontflügel ruiniert hatte. Zum ersten Mal verpasste der deutsche WM-Spitzenreiter in dieser Saison nach drei Siegen und drei zweiten Plätzen als Vierter das Podest. Trost fand er dennoch: „Es war keine Absicht von Max. Und wenn du nach vier, fünf, sechs Runden Letzter bist, ist alles ein Gewinn.“

Sebastian Vettel

APA/AP/The Canadian Press/Paul Chiasson

Vettel verpasste in Kanada erstmals in dieser Saison den Sprung aufs Podest

Das Duell mit Hamilton wird jedenfalls immer spektakulärer. Noch kein einziges Mal in sieben Versuchen gelangen Vettel oder Hamilton zwei Siege nacheinander. Vettel sah es deshalb am Ende auch eher als zwölf gewonnene Punkte für Platz vier anstelle 13 verlorener gegen Hamilton im WM-Klassement, das Vettel nun nur noch mit 141 zu 129 Punkten anführt. Davor hatte er 25 Zähler Vorsprung gehabt.

Überstunden machen sich bezahlt

Hamilton machte nach seinem Sieg deutlich, wie sehr man sich bei seinem Arbeitgeber gerade ins Zeug legt. „In diesen fünf Jahren (bei Mercedes) habe ich das Team noch nie so zusammenstehen und auf ein Ziel hinarbeiten sehen“, betonte er. „Das war ein großer Schlag gegen Ferrari.“ Denn diesmal holte Mercedes die maximale Punktezahl. Nur zwei Wochen nach der Tristesse von Monaco ohne Podestplatz herrschte im deutschen Werksteam riesige Erleichterung.

Jubel von Lewis Hamilton mit Pokal

APA/AP/The Canadian Press/Paul Chiasson

Hamilton krönte seine makellose Leistung in Montreal mit seinem 56. WM-Sieg

„Auf diese Weise zurückzuschlagen zeigt, was für ein Kaliber an Leuten wir in diesem Team haben“, betonte der österreichische Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. Tag und Nacht wurde in der Fabrik in Brackley getüftelt und geschuftet, so wie auch Vettel und Ferrari das Duell um die Weltmeisterschaft maximal ausreizen. „Von morgen an werden wir in Maranello das Rennen detailliert analysieren und das Maximale aus den Daten herausholen, damit wir so gut wie möglich für die nächste Runde in Baku vorbereitet sind“, kündigte Teamchef Maurizio Arrivabene an.

Hamilton in Montreal einsame Klasse

Dort hatte Hamilton im vergangenen Jahr bei der WM-Premiere im Duell mit seinem damaligen deutschen Teamkollegen Nico Rosberg mit Platz fünf wichtigen Boden verloren. Um eine Wiederholung zu verhindern, leistete sich der 32 Jahre alte Brite auf seiner Paradestrecke in Montreal - sechs Poles, sechs Siege in elf Jahren - einen besonderen Luxus. Um den Wagen ans Limit zu bringen, fuhr der Weltmeister von 2008, 2014 und 2015 nach der Pole mit Streckenrekordzeit auch noch die schnellste Rennrunde - zusammen mit dem Sieg sein vierter Grand Slam.

Über Vettels Platzierung hatte sich der lange einsam führende Hamilton mit Hilfe der TV-Leinwände aus seinem Wagen heraus auf dem Laufenden gehalten. Aber der Brite warnte: „Ich glaube nicht, dass wir jetzt alle Probleme schon aussortiert haben“, sagte Hamilton. „Zwar war unser Umgang mit den Reifen in Kanada schon deutlich besser. Aber da sind noch andere Probleme, die man nicht in zwei Wochen lösen kann.“

Lachende Gesichter bei Force India und Stroll

Während Verstappen für sein Manöver unbestraft blieb, wird Carlos Sainz in der Startaufstellung von Baku um drei Positionen zurückversetzt. Die Rennkommissäre verhängten diese Strafe gegen den Spanier von Toro Rosso-Renault wegen eines Zwischenfalls gegen Romain Grosjean (Haas-Ferrari) kurz nach dem Start. Leidtragender dieses Zwischenfalls war auch der Brasilianer Felipe Massa (Williams) gewesen.

Lachende Gesichter gab es nicht nur bei Force India wegen der Plätze fünf und sechs, sondern vor auch bei Lance Stroll. Der erst 18-jährige Kanadier wurde beim Heimrennen in seinem Williams Neunter und damit zum zweitjüngsten Fahrer mit WM-Punkten nach Verstappen. Der Sohn des reichsten Kanadiers hatte sich davor bereits viel Kritik anhören müssen. Am Sonntag avancierte er aber zum ersten Kanadier mit WM-Punkten in der Formel 1, der nicht Villeneuve heißt.

Ferrari-Legende Gilles Villeneuve, nach dem die Rennstrecke auf der Isle Notre Dame benannt ist, hatte den Kanada-GP 1978 gewonnen. Sein Sohn Jacques wurde 1997 sogar Weltmeister. „Das ist ganz speziell“, jubelte Stroll, der auf einen mühsamen Saisonstart zurückblickt. „Wir wussten zwar immer, dass Punkte möglich sind. Bisher ist es aber nicht nach Wunsch gelaufen.“ Das gilt wohl auch für Fernando Alonso. Der Spanier war in Kanada knapp davor, heuer erstmals zu punkten, musste seinen McLaren aber zwei Runden vor Schluss mit Motorschaden abstellen.

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