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WM als Sprungbrett für ÖFB-Talente

Die U20-Auswahl hat vor zehn Jahren bei der WM in Kanada für ein Highlight in der österreichischen Fußballgeschichte gesorgt. Die Mannschaft von Teamchef Paul Gludovatz entfachte damals im Hochsommer mit starken Vorstellungen eine Fußballeuphorie und beendete die Endrunde auf dem hervorragenden vierten Platz. Die Leistungen der ÖFB-Talente wurden auch bei der Sportlerwahl 2007 gewürdigt, das U20-Team wurde als Österreichs „Mannschaft des Jahres“ ausgezeichnet.

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In Kanada gab es zum Auftakt ein 1:1 gegen Kongo, dem ein 1:0 gegen den Gastgeber folgte. Zum Abschluss der Gruppenphase trotzten die Österreicher dem WM-Mitfavoriten Chile ein 0:0 ab. Im Achtelfinale wurde Gambia mit 2:1 eliminiert. Der Höhepunkt stieg zur europäischen Prime-Time im Viertelfinale gegen die USA, die in der Verlängerung 2:1 bezwungen wurden. Über 700.000 Zuschauer verfolgten die Partie live im ORF und sorgten für eine Topquote.

Vierter Platz sorgt für Begeisterung

Im Halbfinale war die Gludovatz-Elf beim 0:2 gegen Tschechien chancenlos. Das Spiel um Platz drei wurde zu einem Match auf Augenhöhe, das Chile mit Bayern-Star Arturo Vidal als glücklichere Mannschaft mit 1:0 gewann. Die Österreicher wurden aber nach dem Schlusspfiff vom Publikum in Toronto mit Standing Ovations gefeiert. Weltmeister wurde übrigens Argentinien, das auch den Torschützenkönig und Spieler des Turniers stellte. Niemand Geringerer als Manchester-City-Goalgetter Sergio Agüero drückte der WM in Nordamerika mit sechs Treffern seinen Stempel auf.

Zlatko Junuzovic (AUT) und Nicolas Larrondo (CH)

GEPA/US Presswire/Ron Scheffle

Der junge Zlatko Junuzovic im Spiel gegen Chile um Platz drei (0:1)

Damalige U20-WM-Stammkräfte wie Kapitän Sebastian Prödl, Zlatko Junuzovic und Martin Harnik sind auch zehn Jahre danach nicht aus der ÖFB-Nationalmannschaft wegzudenken. Auch andere Spieler waren Bestandteil des A-Teams und haben eine Auslandskarriere hingelegt. Ein WM-Held musste verletzungsbedingt früh mit dem Fußballspielen aufhören und schlug eine Laufbahn beim Fernsehen ein. ORF.at hat jene Spieler aufgelistet, die von der U20-WM nachhaltig profitiert haben:

Sebastian Prödl: Der 30-jährige Steirer ist mit 63 Länderspielen eine fixe Größe in der Koller-Elf. Prödl debütierte Ende Mai 2007 unter Josef Hickersberger in einem Freundschaftsspiel gegen Schottland (0:1) für das A-Team. Einen Monat später absolvierte der Verteidiger als ÖFB-Kapitän eine starke U20-WM mit allen Matches über die volle Distanz. Auch auf Clubebene verläuft die Karriere des Grazers erfolgreich: Von Sturm ging es 2008 zu Werder Bremen, seit 2015 stellt er in der Premier League bei Watford seinen Mann.

Martin Harnik: Der gebürtige Hamburger zählte in Kanada zu den Leistungsträgern und wurde im August 2007 mit dem A-Team-Debüt gegen Tschechien (2:2) belohnt. Es war das erste von bisher 66 Länderspielen (15 Tore) für die ÖFB-Auswahl. Auf Vereinsebene arbeitete sich der Sohn eines Steirers und einer Hamburgerin bei Bremen von der zweiten in die erste Mannschaft hoch. Nach einer Leihe zu Düsseldorf wurde er 2010 vom VfB Stuttgart verpflichtet, wo er im Vorjahr den bitteren Gang in die zweite Liga machen musste. Der 30-Jährige wechselte zum ebenfalls abgestiegenen Ligarivalen Hannover, mit dem heuer der Wiederaufstieg gelang.

Bildcombo von Martin Harnik aus den Jahren 2007 und 2017

GEPA/US Presswire/Ron Scheffler; GEPA/Mario Buehner (Montage)

Offensivmann Harnik trägt den Adler seit zehn Jahren mit Stolz auf der Brust

Zlatko Junuzovic: Der 29-jährige Mittelfeldmotor ist seit mittlerweile elf Jahren eine große Stütze im österreichischen Nationalteam. Junuzovic war schon mit 18 Jahren Stammspieler beim GAK und absolvierte ein Jahr vor der U20-WM sein erstes Länderspiel im A-Team. Nach der Endrunde in Kanada ging er zu Austria Kärnten, wo die Austria auf ihn aufmerksam wurde. 2009 unterschrieb der 55-fache Teamspieler bei den ‚Veilchen‘ und wurde schnell zum Fanliebling. Mit dem Wechsel zu Bremen schaffte Junuzovic im Jänner 2012 den Sprung in die deutsche Bundesliga.

Rubin Okotie: Der Angreifer gehörte zur Stammformation der Gludovatz-Elf in Kanada und rückte bei der Wiener Austria rasch in die Kampfmannschaft auf. Eine schwere Knieverletzung im Sommer 2009 war der erste Rückschlag für den Wiener in seiner Karriere. Okotie wurde ab 2010 zum Wandervogel und spielte bis 2014 bei Nürnberg, dem belgischen Club St. Truiden, Sturm, wiederum Austria und dem dänischen Verein SönderjyskE mit überschaubarem Erfolg. Erst bei 1860 München startete Okotie durch und schaffte die Rückkehr ins Nationalteam. Mit dem Wechsel zum chinesischen Zweitligisten Beijing Enterprises nach der EM 2016 dürfte das Kapitel ÖFB-Team aber für den 30-Jährigen vorerst beendet sein.

Michael Madl: Der 29-jährige Steirer wurde als Absolvent der Frank-Stronach-Akademie bei der Austria groß. Dem Innenverteidiger blieb aber der Durchbruch bei den „Veilchen“ verwehrt, erst in Wiener Neustadt avancierte er zum Stammspieler. Bei Sturm Graz stieg der Judenburger zum Kapitän auf und erfüllte sich im Jänner 2016 mit dem Transfer zum englischen Zweitligisten Fulham den Traum vom Ausland. Im ÖFB-Nationalteam gilt Madl als verlässliches „Back-up“ für das Stammpersonal.

Markus Suttner: Der Hollabrunner war Mitspieler von Madl in der Frank-Stronach-Akademie und bei den Austria Amateuren. Dem Linksverteidiger gelang aber auch der finale Schritt in die Austria-Kampfmannschaft, die er ab 2015 als Kapitän auf das Feld führte. Nach 157 Spielen für die „Violetten“ wechselte Suttner vor der Saison 2015/16 in die deutsche Bundesliga zu Ingolstadt.

Bildcombo von Markus Suttner aus den Jahren 2007 und 2017

GEPA/Markus Oberlaender; GEPA/Witters/Deniz Calagan (Montage)

Suttners ÖFB-Laufbahn ist Vergangenheit, die Zukunft bei Ingolstadt offen

Nach dem Abstieg in die zweite Liga wird der 30-Jährige mit dem Premier-League-Aufsteiger Brighton & Hove Albion in Verbindung gebracht. Ins Nationalteam wurde Suttner von Marcel Koller regelmäßig einberufen, durfte aber nur selten von Beginn an ran. Im Mai gab der EM-Teilnehmer nach 20 Spielen seinen ÖFB-Rücktritt bekannt.

Andreas Lukse: Der Altach-Goalie zählt zu den besten Tormännern Österreichs und gab im November 2016 gegen die Slowakei (0:0) sein Debüt im A-Team. 2007 war der hoffnungsvolle Wiener bei Rapid unter Vertrag und wurde damals als zukünftige Nummer eins in Wien-Hütteldorf gehandelt. Ein Durchbruch in der Kampfmannschaft blieb ihm aber auch wegen nächtlicher Eskapaden verwehrt. Nach Engagements bei der Vienna, FC Lustenau und Kapfenberg etablierte sich der 29-Jährige in Altach als Topmann.

Veli Kavlak: Der Wiener feierte wie Prödl bereits vor der U20-WM seine Premiere im A-Team, als er am 24. März beim 1:1 gegen Ghana eingewechselt wurde. Mit Rapid holte der Mittelfeldspieler 2008 den bisher letzten Titel in der Vereinsgeschichte, drei Jahre später wechselte er zum türkischen Spitzenclub Besiktas. Mit den Istanbulern wurde Kavlak heuer zum zweiten Mal nach 2016 Meister. Der 28-Jährige kam allerdings aufgrund einer hartnäckigen Schulterverletzung in der Süper Lig kein einziges Mal zum Einsatz.

Veli Kavlak

GEPA/M. Oberlaender/Reuters/Marko Djurica

Irgendwann hat Kavlak die Lust am Rasieren verlassen

Peter Hackmair: Der Oberösterreicher absolvierte von 2006 bis 2011 über 100 Partien für seinen Stammclub Ried. Mit den Innviertlern wurde er 2007 Vizemeister und 2011 Cupsieger. Hackmairs Laufbahn war allerdings auch von einer schweren Knieverletzung überschattet, die ihn 2012 nach einem einjährigen Gastspiel bei Wacker Innsbruck mit lediglich 25 Jahren zum Karriereende zwang.

Peter Hackmair

GEPA/M. Oberlaender/Matthias Hauer

Hackmair schlug eine Laufbahn als Fußballanalytiker ein

Seit zwei Jahren verstärkt der 29-jährige Buchautor den ORF als TV-Fußballexperte und behielt auch beim legendären Ausraster von Austria-Coach Thorsten Fink nach dem 2:3 gegen Salzburg einen kühlen Kopf.

Erwin Hoffer: Der pfeilschnelle Stürmer war in Kanada mit drei Treffern der beste Torschütze des U20-Teams. Einen Monat vor der Endrunde hatte der Niederösterreicher beim 0:0 gegen Paraguay sein Debüt im A-Team gegeben. Bei Rapid war „Jimmy“ in der Saison 2007/08 maßgeblich am 32. Meistertitel beteiligt, ein Jahr später wagte er den Schritt zu Napoli. In Italien hatte Hoffer aber kein Leiberl und wurde nach Kaiserslautern und Frankfurt verliehen.

Erwin Hoffer

GEPA/M. Oberlaender/Thorsten Wagner

Erwin „Jimmy“ Hoffer konnte im Ausland nie richtig Fuß fassen

Es folgten Transfers zu Düsseldorf und Karlsruhe, wo Hoffer in dieser Saison in die dritte Liga abstiegen ist. Mit der durchwachsenen Auslandskarriere geriet auch die Teamlaufbahn ins Stocken, das letzte von 28 ÖFB-Spielen bestritt der 30-Jährige im Februar 2012.

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