Von der Werbetour zur Institution
Die erste Tour sollte ein Geschäft werden und endete tragisch. Die Unternehmer Alfred Shaw und Arthur Shrewsbury hatten bereits erfolgreich in einer Privatinitiative eine englische Kricket-Mannschaft zusammengestellt und nach Australien „exportiert“. Das gleiche Kunststück sollte auch mit einem Rugby-Team gelingen.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
1881: Tragischer Beginn
Am 8. März machten sich 21 Spieler aus England, Schottland und Wales auf die siebenwöchige Anreise nach „down under“. Die erste Partie am 28. April gegen Otago endete vor 8.000 Zuschauern mit einem 8:3-Erfolg der Briten. In Neuseeland und Australien standen 53 Spiele gegen verschiedene Teams, jedoch noch nicht gegen Nationalmannschaften, auf dem Programm.
In Australien wurde nach den Regeln des Australian Rules Football gespielt, um größere Zuschauermengen anzulocken. Der wirtschaftliche Erfolg wurde vom Tod von Mannschaftskapitän Bob Seddon überschattet. Seddon ertrank am 13. August in New South Wales bei einem Ruderausflug im Hunter River. Doch ein Erfolgsrezept war geboren.
1891: Der Currie Cup
Die zweite Tour, diesmal nach Südafrika, fand bereits unter der Aufsicht der Rugby Football Union (RFU) statt. Die britischen „Touristen“ spendeten dabei dem besten südafrikanischen Gegner (Griqualand West) den Currie Cup. Bis heute wird im Land am Kap die Meisterschaft um diese Trophäe ausgetragen.
1910: Das Team der britischen Inseln
Die achte Tour war die erste offizielle des „British Isles Rugby Union Team“. Zum ersten Mal wählte ein Komitee die Spieler aus den vier „Home Nations“ England, Schottland, Wales und Irland aus und schickte sie nach Südafrika.
1924: Geburtsstunde der „Löwen"
Der Erste Weltkrieg sorgte für eine 14-jährige Pause für die Rugby-"Touristen“. Mit dem offiziellen Namen British Isles Rugby Union Team ging die Mannschaft auf Tour nach Südafrika, kam jedoch als „The Lions“ zurück. Geprägt wurde der Name durch das Löwen-Emblem auf den Teamdressen und den Mannschaftsanzügen.
1930: Auf der Suche nach der Farbe
Der Name war gefunden, doch das einheitliche Auftreten auf dem Spielfeld noch nicht. Bei der Tour 1930 trug das Team dunkelblaue Leibchen. Diese Farbe schlug sich jedoch mit dem traditionellen Schwarz der neuseeländischen „All Blacks“, die daraufhin ganz in Weiß antreten mussten.
Der Zweite Weltkrieg stoppte von 1938 bis 1950 die „Lions“. Auf dem Trip 1950 nach Neuseeland und Australien wurde erstmals das bis heute übliche rote Dress mit weißen oder grün-blauen Hosen getragen. Alle vier Farben der „Home Nations“ sind darin vertreten. Schwierigkeiten wie mit den „All Whites“ 1930 sollten in Zukunft vermieden werden. Von 1950 bis 2001 lautete der offizielle Name des Teams „British Isles“, danach „British and Irish Lions“, um auch Irland zu erwähnen.

AP
Erst fünf Jahre nach dem zweiten Weltkrieg gingen die „Lions“ wieder auf Reisen
1971: Die „goldenen“ Jahre
Die „Löwen“ sind spielerisch auf dem Höhepunkt. Erstmals seit 1904 kann die Auswahlmannschaft eine Länderspielserie in Neuseeland gewinnen. 1974 in Südafrika fühlten sich die „Lions“ richtig zu Hause. Von 22 Spielen wurden 21 gewonnen, lediglich im vierten Länderspiel gegen Südafrika wurden mit 13:13 die Punkte geteilt.
Auf dieser Tour kam „Mr. Lions“ Ian McGeechan als Spieler zu seinem ersten Einsatz. Der Schotte war auch 1977 (1:3 Neuseeland) als Spieler dabei, ehe er 1989 (2:1 Australien), 1993 (1:2 Neuseeland) und 1997 (2:1 Südafrika) erfolgreich als Cheftrainer fungierte. Nach einer Assistentenrolle 2005 unter Sir Clive Woodward hatte er 2009 in Südafrika als 62-Jähriger wieder das Kommando.
1997: Ein neues Zeitalter
Das Zeitalter des Profisports begann auch im traditionsbewussten Rugby. Vielen Experten schien eine „Lions“-Tour nach altem Muster nicht mehr zeitgemäß. Doch aufgrund der großen Popularität bei den Fans verstummten diese Diskussionen bald. Die britischen „Touristen“ feierten unter Coach McGeechan ihren bisher letzten Tour-Sieg mit einem 2:1-Erfolg in der Länderspielserie gegen Südafrika.

AP
Seit 1997 spielen auch im „Lions“-Team ausschließlich Profis
2001: Traditionsbruch
Ein Traditionsbruch folgte aber: Graham Henry übernahm als erster Nichtbrite das Traineramt der „Lions“. Der neuseeländische Erfolgscoach hatte zuvor das Nationalteam von Wales von Sieg zu Sieg geführt. Die Serie gegen Australien ging jedoch 1:2 verloren, und Henry musste dem englischen Weltmeistertrainer Woodward Platz machen.
2005: Debakel in Neuseeland
Diese Tour war die bis dahin größte ihrer Art. 30.000 Fans begleiteten ihre Mannschaft nach Neuseeland und erlebten ein Debakel. Organisatorisch bis ins letzte Detail geplant, blieb der sportliche Erfolg komplett aus. Die zerstrittenen „Lions“ blieben erstmals seit 1983 ohne Länderspielsieg und verloren auch gegen die Mannschaft der neuseeländischen Maori. Trainer Woodward wurde wieder durch „Mr. Lions“ McGeechan ersetzt.
2009: Der Kampf von Pretoria
Wie bereits 1997 hatte McGeechan das Kommando, doch der 2:1-Erfolg von damals gegen die „Springboks“ konnte nicht wiederholt werden. Die „Lions“ unterlagen in der Länderspielserie 1:2. Besonders umkämpft war dabei das zweite Spiel im Loftus Versfeld von Pretoria. Nach der 21:26-Niederlage aus der Auftaktpartie führten die Briten diesmal bis kurz vor Schluss der regulären Spielzeit.
Den 22:25-Rückstand konnte Stephen Jones per Penalty in der 78. Minute jedoch wieder ausgleichen. In der Nachspielzeit schlug dann Morne Steyn mit einem erfolgreichen Penaltykick aus 52 Meter zu. Damit sicherte er Südafrika noch den 28:25-Sieg und entschied die Serie vorzeitig 2:0 für die „Springboks“. Das bedeutungslose dritte Spiel gewannen dann die Briten locker 28:9 und ließen die „Times“ über eine der „besten und heldenhaftesten Vorstellungen in der Geschichte der Lions“ jubeln.
2013: Das Ende der Durststrecke
Unter der Leitung des walisischen Teamchefs Warren Gatland konnten die „Lions“ in Australien erstmals seit 1997 wieder eine Tour erfolgreich abschließen und gewannen die Testserie gegen die „Wallabies“ mit 2:1. Vor allem die ersten beiden Partien waren dabei hart umkämpft. Im ersten Spiel in Brisbane setzten sich die „Lions“ knapp mit 23:21 durch, sieben Tage später hatte Australien in Melbourn knapp mit 16:15 die Nase vorne. Bitter für die Gäste: Leigh Halfpenny verschoss in der letzten Spielminute einen Penalty.
Das letzte und entscheidene Spiel wurde zu einer Gala für die „Lions“. Teamchef Gatland brachte sechs neue Spieler in die Startformation und setzte auf insgesamt zehn Waliser. Der Coup ging auf. Die „Lions“ zerlegten die „Wallabies“ in Sydney mit 41:16 und durften erstmals seit 16 Jahren wieder über eine erfolgreiche Tour jubeln. Die 41 Punkte waren auch ein Rekord. Mehr hatten die „Lions“ in einem Testspiel gegen ein Nationalteam noch nie erzielt.
Link: