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Ellbogencheck im Massensprint

Ein von Peter Sagan ausgelöster Sturz hat am Dienstag bei der 104. Tour de France für einen Skandal gesorgt. Die Jury reagierte hart und schloss den slowakischen Weltmeister von der Frankreich-Rundfahrt aus. Der britischen Sprintstar Mark Cavendish schied nach dem Crash verletzt aus.

Sagan hatte den Zwischenfall im Massensprint durch einen Ellbogencheck gegen Cavendish kurz vor dem Ziel der vierten Etappe in Vittel ausgelöst. Der Brite krachte bei Tempo 60 in die Absperrgitter, der Deutsche John Degenkolb flog in hohem Bogen über den Ex-Weltmeister. Für Cavendish ist die Tour vorbei. Der Brite wurde erstversorgt und ins Krankenhaus gebracht. Dort wurde ein Bruch des Schulterblatts diagnostiziert, zudem musste er am rechten Zeigefinger genäht werden.

„Ich habe mich bereits zweimal an der Schulter verletzt. Die jetzigen Schmerzen sind stärker als damals“, sagte der 30-Jährige. Glimpflicher kam Degenkolb davon, der noch Minuten nach dem Zwischenfall kreidebleich war. „Ich habe nur noch gesehen, wie ‚Cav‘ am Boden lag, und wollte noch drüber springen. Fast hätte es geklappt“, sagte Degenkolb, der nach der Etappe, die der Franzose Arnaud Demare gewann, sicherheitshalber zum Röntgen fuhr.

„Konnte ihm nicht mehr ausweichen“

Sagan hatte offenbar gleich ein schlechtes Gewissen und fuhr umgehend zum Dimension-Data-Teambus von Cavendish. „Ich wollte mich entschuldigen. Ich konnte ihm nicht mehr ausweichen“, schilderte der Übeltäter seine Sicht der Dinge. „Im Sprint habe ich Mark nicht gesehen. Er kam von rechts, und ich wollte an das Hinterrad von Alexander Kristoff. Mark kam sehr schnell von hinten und hat mich berührt. Ich hatte keine Zeit zu reagieren, und er kam zu Sturz“, wurde Sagan später in einer Pressemitteilung des Teams zitiert.

Peter Sagan rempelt Mark Cavendish während des Zielsprints an

AP/Christophe Ena

Cavendish (l.) wurde von Sagan (hinter Tagessieger Demare in der Mitte) per Ellbogencheck zu Sturz gebracht

Team legt Protest gegen Ausschluss ein

Die Jury sah das anders. Sagan, der ursprünglich hinter Demare Platz zwei belegt hatte, wurde mit etwas Verzögerung ausgeschlossen. Zunächst hatte die Jury ihn noch mit einer Zeitstrafe von 30 Sekunden belegt, später aber ihr Urteil verschärft. Am Montag war der Slowake noch der strahlende Sieger gewesen, als er in Longwy dem Bora-Team den ersten Tour-de-France-Etappensieg beschert hatte.

Mit Demare gewann erstmals ein Franzose eine Etappe bei der diesjährigen Tour. Der 25-jährige französische Meister setzte sich im Massensprint vor Sagan, dem Norweger Kristoff und dem Deutschen Andre Greipel durch und feierte seinen ersten Etappensieg bei einer dreiwöchigen Rundfahrt.

Jubel von Arnaud Demare (FRA)

APA/AFP/Jeff Pachoud

Demare sorgte für den ersten Heimsieg bei der heurigen Tour de France

Auch Spitzenreiter Thomas in Sturz verwickelt

In der Gesamtwertung liegt weiter der Waliser Geraint Thomas in Führung, doch auch der Sky-Profi kam nicht ohne Sturz ins Ziel - er war in einen Massencrash gut 1.000 Meter vor dem Ziel verwickelt. Auf Platz zwei folgt zwölf Sekunden zurück der britische Vorjahressieger Christopher Froome. Thomas erlitt bei seinem Sturz eine Knieverletzung, kann aber weiterfahren.

Änderungen im Klassement gab es nicht, die Siegesanwärter hielten sich auf den 207 Kilometern von Mondorf-les-Bains in Luxemburg in den französischen Kurort Vittel zurück. Aus gutem Grund, schließlich wartet am Mittwoch in den Vogesen die erste Bergankunft. Auf dem 5,9 Kilometer langen Schlussanstieg nach Planche des Belles Filles dürfte es zum ersten Kräftemessen der Favoriten kommen.

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