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Starker Aufschlag als Trumpf

Dass Dominic Thiem bei einem großen Turnier von einem Landsmann in den Schatten gestellt wird, ist schon lange nicht mehr passiert. In der ersten Runde von Wimbledon stahl Sebastian Ofner mit seinem Sensationscoup gegen den Brasilianer Thomaz Bellucci Österreichs Nummer eins jedoch die Show. Und der 21-jährige Steirer hat Lust auf mehr.

Ofner, der es davor selbst bei einem ATP-Turnier noch nie in den Hauptbewerb geschafft hatte, bestach gegen Bellucci, in der Weltrangliste immerhin 161 Ränge vor dem Steirer klassiert, mit einer unbekümmerten Leistung und einem starken Service. In drei Sätzen und 1:45 Stunden hatte der Qualifikant dem Brasilianer den Zahn gezogen. Nun trifft Ofner in der zweiten Runde auf den Amerikaner Jack Sock. Kampflos will sich der Sensationsmann auch der Nummer 18 der Welt nicht geschlagen geben.

US-Tennisspieler Jack Sock

Reuters/Pascal Rossignol

Das Duell mit Sock ist Ofners Belohnung für seinen Auftaktcoup

„Der größte Sieg meiner Karriere“

„Das war bis jetzt der größte Sieg in meiner Karriere“, sagte der Youngster, nach seinem Erfolg über die Nummer 55 der Welt. Bisher hatte sich der Steirer bei Future- und Challenger-Turnieren beweisen müssen. Verdient hat er bei seiner Grand-Slam-Premiere schon 57.000 Pfund (65.000 Euro) - mehr als davor in seiner gesamten Karriere zusammen (46.193 Dollar). „Das ist schon ein schöner Sprung“, sagte Ofner.

In der Weltrangliste wird sich Ofner selbst bei einer Niederlage gegen den klar favorisierten Sock von derzeit Position 217 um fast 50 Plätze verbessern. Gegen den US-Amerikaner ist er einmal mehr krasser Außenseiter. „Jetzt kommt noch einmal ein höheres Kaliber“, sagte Ofner. Sock ist ebenfalls 1,91 m groß und kommt im Gegensatz zu Bellucci auch auf Rasen gut zurecht.

Naturtalent auf Rasen?

Ofners Trumpf gegen den klaren Favoriten soll erneut sein Service werden. „Der Aufschlag ist auf Rasen sicherlich einer der wichtigsten Schläge“, meinte der 21-Jährige. „Wenn ich gut serviere, muss mich einmal einer breaken.“ Dabei halten sich seine Erfahrungen auf dem schnellsten aller Beläge in Grenzen: Vor seinem in der Wimbledon-Qualifikation begonnenen Erfolgslauf hatte der 21-Jährige noch nie auf Rasen gespielt.

Die mangelnde Erfahrung auf dem ungewohnten Untergrund war Ofner bisher aber nicht anzusehen. „Ich fühle mich wohl beim Return auf Rasen“, sagte der Steirer. „Ich werde versuchen, dass ich jede kleine Chance nütze.“ Ziel sei es, gegen einen Spieler wie Sock „zumindest einmal einen Satz zu gewinnen“. Für das bisher größte Spiel seiner Karriere werden auch seine Eltern nach London reisen.

Ofner ist im Raum Bruck an der Mur aufgewachsen. Er stammt im Gegensatz etwa zu Jürgen und Gerald Melzer nicht aus einer klassischen Tennisfamilie. Erst nach der Matura begann er in einem professionelleren Umfeld zu arbeiten und gilt daher in der heimischen Tennisszene als Spätberufener. Mittlerweile trainiert das Talent bei Wolfgang Thiem, dem Vater von Österreichs Aushängeschild Dominic, in der Südstadt.

Thiem zieht seinen Hut

Insofern freute sich auch Dominic Thiem über Ofners überraschende Erfolge. „Das ist völlig verdient“, sagte Österreichs Nummer eins über die mediale Aufmerksamkeit für seinen Kollegen. „Das ist sein erstes Rasenturnier. Er dreht einen Zweisatzrückstand in der letzten Qualirunde und schlägt einen Bellucci glatt in drei Sätzen. Das ist eine unfassbare Leistung, und ich hoffe auch, dass die hoch genug eingeschätzt wird.“

Er selbst schätzt seinen Landsmann, den er lange Zeit kaum gekannt hatte. „Seit er bei uns trainiert, kenne ich ihn natürlich“, sagte Thiem. „Um befreundet zu sein, habe ich ihn noch zu wenig kennengelernt. Aber das kann, wenn er so weiterspielt, noch werden.“ Dann würde das Duo einander nicht nur in der Südstadt, sondern auch auf der ATP-Tour öfter begegnen.

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