Themenüberblick

Traum von Wimbledon-Sieg lebt

Die britischen Tennisfans blieben im Dauerregen einfach auf dem Hügel vor dem Centre-Court im Gras sitzen. Drinnen spielte Johanna Konta um den Einzug in ein historisches Wimbledon-Halbfinale, draußen schützten sich die Menschen unter bunten Schirmen, unförmigen Plastikumhängen und wärmenden Decken vor dem Hundewetter und starrten auf die Videoleinwand.

Als um kurz vor 19.00 Uhr am Dienstagabend feststand, dass Konta als erste Britin seit Virginia Wade vor 39 Jahren beim Heim-Grand-Slam unter den besten vier steht und am Donnerstag die fünffache Wimbledon-Siegerin Venus Williams herausfordert, flogen Regenschirme in die Luft, und es wurden weitere Plastikbecher mit Champagner, Likör oder Bier geordert.

Jubelndes Publikum

APA/AP/Kirsty Wigglesworth

Das Publikum nahm Kontas Halbfinal-Einzug mit Begeisterung zur Kenntnis

Wade verfolgte aus der Royal Box, wie ihre potenzielle Nachfolgerin Konta die Weltranglistenzweite Simona Halep aus Rumänien mit 6:7 7:6 6:4 bezwang. „Ich bin überrascht, dass es so lange gedauert hat. Es ist schön, die letzte Siegerin gewesen zu sein, aber es wäre noch schöner, ganz viele britische Siegerinnen zu haben“, sagte Wade.

Bisher immer in Runde eins gescheitert

Konta jedenfalls stillt in diesen Sommertagen auch die Sehnsucht der Briten nach ein bisschen Tennisdrama: Sie gewinnt (fast) nie einfach einmal so in zwei Sätzen. Zudem war sie bisher bei ihren fünf Wimbledon-Teilnahmen viermal in Runde eins gescheitert.

Nun sorgt die in Australien geborene Britin, deren Vater aus Ungarn stammt, in ihrer neuen Heimat für Schlagzeilen. Mit 14 Jahren war sie nach Großbritannien gekommen, 2012 wurde sie eingebürgert. Fünf Jahre später könnte Konta nun eine 40-jährige Durststrecke der britischen Tennisdamen beenden.

Johanna Konta

APA/AP/Glyn Kirk

Für Konta gibt es Lob von vielen Seiten

2013 hatte Andy Murray als erster Brite seit sogar 77 Jahren im Herren-Finale triumphiert. „Johanna behält auch in kniffligen Situationen eine Ruhe, die mich wirklich beeindruckt“, sagte Murray jüngst über Konta.

Mick Jagger drückt die Daumen

Selbst Rolling-Stones-Frontmann Mick Jagger (73) hat sich als Fan von Konta geoutet. „Großartig zu sehen, dass Johanna Konta in Wimbledon im Halbfinale steht, erste britische Frau seit 39 Jahren. Ich habe es noch nicht einmal zu einem Grand Slam geschafft!“, twitterte Jagger am Mittwoch und postete ein Bild von sich in deutlich jüngeren Jahren in weißem Tennis-Outfit und mit Holzschläger in der Hand.

Mental scheint Konta dem Druck gewachsen zu sein. Wie bereits gegen Donna Vekic in der zweiten Runde, als sie sich mit 10:8 im dritten Satz durchsetzte, spielte sie auch gegen Halep in den wichtigen Momenten ihr bestes Tennis. Beim Stand von 4:5 im Tiebreak des zweiten Satzes war sie nur zwei Punkte vom Ausscheiden entfernt.

„Aufgeregt und demütig“

Jetzt spielt die 26-Jährige um ihr erstes Grand-Slam-Finale. „Ich bin aufgeregt und demütig zugleich“, sagte die Weltranglistensiebente, die in den direkten Duellen mit Williams mit 3:2 Siegen voranliegt.

Doch Williams fühlt sich nach dem 6:3 7:5-Erfolg im „Generationenduell“ mit der French-Open-Siegerin Jelena Ostapenko (Lettland), ihrem 100. Einzel-Match in Wimbledon, bereit für einen weiteren Coup auf Rasen. „Ich liebe diesen Sport. Das Alter macht nichts aus, ich fühle mich bereit, nach dem Titel zu greifen“, sagte die 1,85 m große Athletin aus Florida.

Im zweiten Halbfinale trifft die Spanierin Garbine Muguruza (WTA-15.), die Finalistin von 2015, auf die ungesetzte Magdalena Rybarikova (87.). Die 28-Jährige, die im Februar nach einer siebenmonatigen Verletzungspause auf die Tour zurückgekehrt war, steht als erste Slowakin in der Runde der letzten vier.

Link: