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„Dieser Erfolg kommt nicht von ungefähr“

Präsident Leo Windtner und Sportdirektor Willi Ruttensteiner haben das Frauen-Nationalteam zur Fußball-EM in den Niederlanden begleitet. Wohl selten haben die Bosse des Österreichischen Fußballbundes (ÖFB) eine Dienstreise so genossen wie in den ersten Tagen der Womens Euro 2017. Nach dem perfekten Turnierstart gegen die Schweiz schweben auch sie auf Wolke sieben, weil das Konzept und die Investitionen in den heimischen Frauen-Fußball offensichtlich die erhoffte Wirkung erzielt haben.

Ruttensteiner, in dessen Amtszeit alle bisherigen EM-Teilnahmen Österreichs fallen (2008/Männer, 2016/Männer und 2017/Frauen), hatte den früheren Admira-Coach Dominik Thalhammer 2011 aus der sprichwörtlichen Versenkung geholt und als Frauen-Teamchef installiert. Dazu machte er ihn zum Leiter des nationalen Zentrums für Frauen-Fußball in St. Pölten. Damit lag der zu Beginn seiner Ära von Alt-Internationalen und mit ihnen befreundeten Journalisten als „PowerPoint-Willi“ verspottete Ruttensteiner goldrichtig.

Willi Ruttensteiner und Leo Windtner

APA/Hans Punz

Willi Ruttensteiner und Leo Windtner genossen das Auftaktspiel in Deventer

„Eine sehr reife Leistung“

Thalhammer wurde in den letzten sechs Jahren zum Architekten des Aufschwungs des österreichischen Frauen-Fußballs. „Hier wurde ein Konzept mit einer richtigen Taktik großartig umgesetzt“, sagte der 54-jährige Oberösterreicher nach dem EM-Traumstart sichtlich stolz und glücklich. „Eine sehr reife Leistung von Spielerinnen, die im Ausland Woche für Woche gefordert werden, aber zuvor in der Heimat auch sehr gut ausgebildet wurden“, so Ruttensteiner. „Wir haben zusammen mit Teamchef Dominik Thalhammer einen Prozess gestartet, dessen Inhalte stets klar umgesetzt wurden.“

Verbandsboss Windtner stand seinem Sportdirektor in Sachen Euphorie um nichts nach. „Das ist ein Dream-Team, welches zusammen mit einem tollen Betreuerstab noch viel erreichen kann“, zeigte sich der 66-jährige Oberösterreicher hochzufrieden. „Wir haben optimale Bedingungen für dieses tolle Team geschaffen, und dieser Erfolg kommt nicht von ungefähr. Ein großes Danke und Lob“, ergänzte Windtner seine Lobrede. „Es ist wunderschön, wenn man die Früchte für jahrelange harte Arbeit ernten kann. Ein Riesenkompliment dafür. Diese Spielerinnen sind echte Vorbilder.“

Noch viel Arbeit im Vereinsbereich

Dass die herausragenden Erfolge des Frauen-Teams, die erstmalige Qualifikation und nun der erste EM-Sieg auch in der Breite des österreichischen Fußballs Wirkung zeigen, ist die große Hoffnung im ÖFB. Schon im Vorfeld der Endrunde hatte Ruttensteiner immer wieder betont, dass im Nachwuchsbereich bei den Vereinen noch sehr viel Arbeit zu leisten ist. Demenstprechend wäre der nun im Bereich des Möglichen liegende EM-Viertelfinal-Einzug natürlich der nächste enorme Schub - auch im medialen Bereich.

Willi Ruttensteiner und Dominik Thalhammer

APA/Hans Punz

Die ÖFB-Chefetage beobachtet zufrieden die Arbeit der Spielerinnen

„Aber wir sind gut beraten, wenn wir weiter den Ball flach halten. Wir haben jetzt einmal drei Punkte, und die kann uns keiner mehr wegnehmen“, so Windtner trort berechtigter Hochstimmung. „Diese Leistung macht mich optimistisch für die weiteren Spiele, auch wenn mit Frankreich nun ein Weltklassegegner wartet“, meinte Ruttensteiner. „Dieses Team ist kein Punktelieferant, im Gegenteil. Dieser gezeigte Siegeswille ist beeindruckend.“

Nichts zu verlieren gegen Frankreich

Jede Partie bei der EM sei eine große Herausforderung. Aber gegen die Französinnen könne man eigentlich nur gewinnen, so Ruttensteiner. „Diese drei Punkte geben enorme Kraft. Es war im Vorfeld nicht leicht, wenn die Spielerinnen plötzlich von Interview zu Interview gereicht werden. Du spürst dann, dass eine EM bevorsteht und es ernst wird. Umso großartiger ist diese Leistung einzuschätzen“, streute er den Spielerinnen und der Trainercrew um Thalhammer Rosen. Dabei könnte der Erfolgscoach jetzt auch als Jurist in einem Büro sitzen und die Frauen-EM im TV verfolgen.

Denn vor seinem ÖFB-Engagement trug sich Thalhammer mit dem Gedanken, den Trainerjob aufzugeben. „2010 habe ich mein Jusstudium fortgesetzt und fast beendet - Bürgerliches Recht fehlt noch -, weil mich Willi Ruttensteiner angerufen hat“, sagte der 46-Jährige über seine Rückkehr von der Uni ins Fußballgeschäft. „Sachlich, analytisch und respektvoll“ in der Selbstbeschreibung führte er die ÖFB-Frauen ins Konzert der Großen. „Wir haben in den letzten Jahren unglaublich viel investiert. Wenn sich das auszahlt, ist das einfach schön“, so Thalhammer. Dass er nun wieder für Männer-Bundesliga-Clubs interessant ist, kann getrost als einer von vielen Treppenwitzen im österreichischen Fußball bezeichnet werden.

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