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Auf der Jagd nach dem ersten großen Titel

Sie sind die Nummer drei der Welt, haben allerdings noch keinen großen Titel gewonnen: Mit Frankreichs Nationalteam der Frauen wartet am Samstag (20.45 Uhr, live in ORF eins) in Utrecht ein harter und topmotivierter Brocken auf Österreichs Auswahl. Gleich acht Spielerinnen des Teams von Coach Olivier Echouafni verdienen bei Champions-League-Sieger Olympique Lyon ihr Geld, vier weitere spielen bei Champions-League-Finalist PSG.

Das in der EM-Qualifikation mit acht Siegen und 27:0-Toren makellose Team versteht sich alleine deshalb fast wie blind. Im hochdekorierten Kader scheinen nur zwei Legionärinnen auf. Elise Bussaglia ist nach der EM beim FC Barcelona tätig, Amandine Henry spielt in der US-Profiliga bei den Portland Thorns. Seine EM-Titelambitionen untermauerte das Team im März mit dem Sieg beim Prestige-Testturnier SheBelievesCup vor Kalibern wie den USA (3:0), Deutschland (0:0) und England (2:1).

Es war die erste Duftmarke, die unter Echouafni gesetzt werden konnte. Der 44-Jährige hatte im September 2016 die Nachfolge von Philippe Bergeroo angetreten und für zwei Jahre unterschrieben. Mit einer guten EM will sich der Ex-Trainer der Männer-Teams von Amiens und Sochaux auch für einen Verbleib bis zur WM empfehlen. 2019 ist Frankreich Ausrichter des Turniers, es wartet also ein Highlight in der Verbandsgeschichte.

Zittersieg gegen Island

In den Niederlanden steht für den Ex-Kicker demnach viel auf dem Spiel. „Unter ihm spielen wir einen offensiveren Fußball“, gab Teamstütze Eugenie Le Sommer Einblick. Die erste EM-Hürde Island konnte nur dank ihres späten Elfmetertors zum 1:0 (86.) genommen werden.

Olivier Echouafni

APA/AFP/Tobias Schwarz

Coach Echouafni hauchte den Französinnen mehr Offensivgeist ein

„Wir haben gewusst, dass es schwierig wird, und wissen, dass wir noch einige Sachen besser machen müssen“, sagte Echouafni. Dazu zählt vor allem die Chancenverwertung, mehr als 20 Offensivaktionen führten gegen Island nur zu einem Tor. Aus dem Spiel heraus gelang auch aufgrund des aggressiven Auftritts der Außenseiterinnen kein Treffer. Island hat also der ÖFB-Auswahl vorgezeigt, wie man die Favoritinnen fordern kann. Mit harter Gegenwehr rechnen die gegen Österreich noch makellosen Französinnen auch am Samstag.

„Es gibt keine kleinen Teams“

„Wir treffen auf Teams mit großer Qualität. Es gibt keine kleinen Teams mehr. Auch wenn wir am Papier Favorit sind, kein Spiel ist schon vor dem Anpfiff gewonnen“, ist sich Le Sommer bewusst. Sie warnte auch davor, nach dem Auftaktsieg schon fix mit dem Viertelfinale zu planen. „Jeder denkt, dass wir schon jetzt für die nächste Runde qualifiziert sind, wir wissen aber, dass es noch schwierig wird“, sagte die 28-jährige Angreiferin.

Alles andere als ein Sieg wäre für die „Tricolores“ aber eine große Enttäuschung. „Der nächste Schritt ist das Spiel gegen Österreich, da werden wir alles geben, um wieder zu gewinnen“, erläuterte Frankreichs Coach, der als Aktiver für Marseille, Nizza, Straßburg und Rennes im Einsatz war.

Stars hat er viele in seinem Team. In der Abwehr ist die auch torgefährliche Kapitänin Wendie Renard (94 Länderspiele), vierfache Champions-League-Siegerin, herausragend. Das Kunststück gelang auch Mittelfeldspielerin Camille Abily, die mit 180 Einsätzen Rekordspielerin Sandrine Soubeyrand (198) näher rückt. In der Offensive stehen mit Le Sommer (138), Elodie Thomis (140) und Marie-Laure Delie (118) viel Klasse und zugleich Routine zur Verfügung.

Frauen-Fußball mit Tradition

Der Frauen-Fußball hat in Frankreich einen ganz anderen Stellenwert als in Österreich - Frankreich gehört mit Deutschland, England, den Niederlanden, Norwegen und Schweden zu den Ländern mit mehr als 100.000 registrierten Spielerinnen. Das erste offizielle Länderspiel fand am 17. April 1971 statt und endete mit einem 4:0-Sieg gegen die Niederlande.

Mittlerweile haben sich „Les Bleues“ bis auf Rang drei im FIFA-Ranking vorgearbeitet. Und das obwohl der große Glanz bei einem Großereignis bisher fehlte. Platz vier bei der WM 2011 war das Höchste der Gefühle, auf EM-Ebene gar das Viertelfinale, wie zuletzt 2013 und auch in der Folge bei der WM 2015 und Olympia 2016.

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