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„Gewaltige Freude“ bei ÖFB-Heldinnen

Gute 20 Minuten nach dem erlösenden Schlusspfiff haben Österreichs Fußball-Nationalspielerinnen am Samstagabend noch immer Ehrenrunden gezogen. Im Stadion Galgenwaard in Utrecht waren nur noch die paar hundert aus der Heimat mitgereisten Fans. Die feierten die ÖFB-Frauen dafür überschwänglich. „I am from Austria“, sangen die Spielerinnen auf dem Rasen gemeinsam mit den ebenfalls euphorisierten Zuschauern auf der Tribüne.

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Gerade war die mit Abstand größte Sensation in der Geschichte des österreichischen Frauen-Fußballs über die Bühne gegangen. Dass der Endrundendebütant dem EM-Mitfavoriten und Weltranglistendritten in einem Turnierspiel, in dem es auch für Frankreich um viel ging, ein 1:1 abringt, hätte niemand für möglich gehalten. „Das Gefühl ist überragend, es ist einfach nur Freude, da gibt es nichts anderes im Kopf“, jubelte Flügelspielerin Lisa Makas, die Österreich in der 27. Minute in Führung geschossen hatte. „Es war mein wichtigstes Tor und wird mir ewig in Erinnerung bleiben.“

Laura Feiersinger

GEPA/Florian Ertl

In einem Kampf auf Biegen und Brechen trotzen die Österreicherinnen (auf dem Boden Laura Feiersinger) den Französinnen einen sensationellen Punkt ab

Die ganze Palette an Freude, Stolz, Erschöpfung und Begeisterung war den Österreicherinnen in der zeltschlauchartig angelegten „Mixed Zone“ vor dem Stadion anzusehen. Während die Titelanwärterinnen nach einem schmerzhaften Punkteverlust um Fassung bemüht waren, suchten die ÖFB-Frauen nach ihrem zweiten EM-Husarenstück nach den richtigen Worten. „Gewaltige Freude“, „unglaublich glücklich“, „super Spiel“ und „geiles Gefühl“ waren die häufigsten Beschreibungen des Momentanzustandes. „Es war ein unglaublicher Kampf“, sagten die Spielerinnen unisono.

„Ein unglaublich starkes Kollektiv“

Bevor sie auf der Busfahrt ins Teamquartier Wageningen wieder in Abwandlung eines Mallorca-Ballermann-Schlagers „Aber scheiß drauf, Holland ist nur einmal im Jahr“ anstimmte, analysierte die Mannschaft der Stunde die Sensation gegen die Frauen-Fußballnation Frankreich. „Wir haben ein unglaublich starkes Kollektiv“, brachte es Mittelfeldspielerin Nadine Prohaska (SKN St. Pölten) auf den Punkt. „Und das ist nicht nur so dahergesagt“, fügte sie hinzu. „Es macht unglaublich viel Spaß, in dieser Mannschaft zu spielen. Wir kämpfen füreinander, sind füreinander da. Und dann kommen solche Leistungen zustande.“

Coach Dominik Thalhammer

GEPA/Florian Ertl

Teamchef Dominik Thalhammer sah aus der Coachingzone, wie seine Mannschaft den Plan gegen die großen Favoritinnen in die Tat umsetzte

Den Eindruck, dass sich die junge und in Relation sehr unerfahrene ÖFB-Equipe durch nichts aus dem Rhythmus und der Konzentration bringen lässt, bestätigte Prohaska: „Wir haben eine gewisse Ruhe entwickelt, halten eisern an unserem Plan fest. Wir vertrauen diesem Plan, aber vor allem vertrauen wir uns und unseren Stärken. Wenn da jede mitzieht, dann klappt das auch.“ In der Tat war es mehr als beeindruckend gewesen, wie die Österreicherinnen nach dem sensationellen Führungstreffer von Makas fokussiert geblieben waren - und vor allem, wie sie nach dem Ausgleichstor der Französinnen keine Spur von einem Einbruch offenbart hatten.

„Haben gemerkt, dass heute was geht“

„Wir können stolz aufeinander sein, es war sehr hart“, sagte Abwehrspielerin Katharina Schiechtl (Werder Bremen) über die dramatische Schlussphase unter französischem Dauerdruck. „Wir haben versucht, kompakt zu bleiben. Und wir haben gemerkt, dass heute was geht. Dann haben wir einfach alles rausgehaut“, so Schiechtl. „Mit dem Kampf und dem Glauben an sich und an die Mannschaft kommen manchmal ungeahnte Kräfte dazu“, ergänzte Mittelfeldspielerin Verena Aschauer (SC Sand), die das Tor von Makas mit einer einstudierten Einwurfvariante eingeleitet hatte.

Sensationsremis gegen Frankreich

Nach dem Auftaktsieg gegen die Schweiz sorgt das österreichische Frauen-Nationalteam für die nächste Sensation: Mit einem 1:1-Unentschieden bleiben die Damen gegen Titelanwärter Frankreich ungeschlagen.

Laura Feiersinger (SC Sand), die auf der rechten Außenbahn unermüdlich gerackert und unmittelbar vor dem ÖFB-Führungstor auch eine gute Chance gehabt hatte, war „müde und kaputt“. Man habe immer gewusst, dass man die Großen des Frauenfußballs ärgern und auch schlagen kann, so Feiersinger. „Wenn wir das abrufen, was wir draufhaben, hat jede Mannschaft gegen uns Probleme. Dass es so aufgeht, ist natürlich ein Traum“, fügte die Tochter von Ex-Nationalspieler Wolfgang Feiersinger hinzu. „Zum Schluss hat jede Minute wehgetan. Es war grenzwertig. Ich hatte aber nie das Gefühl, dass es noch danebengeht.“

Fitness und Einstellung herausragend

Das war es auch, das neben der erneut „perfekten taktischen Einstellung“ (Zitat Nina Burger) durch Teamchef Dominik Thalhammer am meisten auffiel: Die Österreicherinnen präsentierten sich wie beim 1:0 über die Schweiz in einer herausragenden körperlichen Verfassung. „Wir wissen, wie wir spielen wollen, haben einen Matchplan, und den ziehen wir durch. Wir haben im Kollektiv eine starke Leistung geboten“, erläuterte Stürmerin Burger (SC Sand) das einfach klingende Erfolgsprinzip. „Auch Weltklassespielerinnen kann man zu Fehlern zwingen.“

Nina Burger (AUT) und Wendy Renard (FRA)

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Nina Burger sah sich Wendie Renard und damit einer der besten Abwehrspielerinnen der Welt gegenüber

Nun fehlt den ÖFB-Frauen bei ihrer ersten Endrunde nur noch ein Punkt gegen Island zum fixen Aufstieg ins Viertelfinale. Sollte Frankreich am letzten Gruppenspieltag erwartungsgemäß gegen die Schweiz gewinnen, könnte sich Österreich am Mittwoch (20.45 Uhr, live in ORF eins) in Rotterdam sogar eine Niederlage leisten. „Aber mit einem Sieg sind wir auf jeden Fall durch“, schmetterte Burger gleich alle Rechenspiele ab. Dass Frankreich-Star und Abwehrchefin Wendie Renard nach dem Spiel auf sie zukam, um Trikots zu tauschen, sagte an diesem historischen Abend alles aus.

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