Themenüberblick

Spanische Liga legt sich quer

Noch bevor der Rekordtransfer von Neymar für 222 Millionen Euro vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain (PSG) offiziell bestätigt worden ist, hat sich am Mittwoch bereits der Europäische Fußballverband (UEFA) dazu geäußert. „Die UEFA wird die Details dieses Transfers zu gegebener Zeit prüfen, um sicherzustellen, dass PSG die Anforderungen des Financial Fairplay erfüllt“, hieß es in einer Mitteilung.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Damit scheint klar, dass der Rekordwechsel nur dank eines tiefen Griffs in die Trickkiste möglich ist. Um nämlich keine Probleme mit dem „Financial Fairplay“ zu bekommen, soll sich Neymar selbst als Privatperson aus dem laufenden Barca-Vertrag kaufen. Die dafür nötigen 222 Millionen Euro erhält er laut Medienberichten ebenso wie eine Zusatzprämie vom staatsfinanzierten Fonds Qatar Sports Investment, der seit 2011 auch Besitzer von Paris Saint-Germain ist, für eine Botschafterrolle für die WM 2022 in Katar.

Nasser Al-Khelaifi

APA/AFP/Thomas Samson

PSG-Präsident Nasser Al-Chelaifi hat ziemlich viel Geld und auch gut lachen

Neymar schaltet nun FIFA ein

Am Donnerstag teilte die spanische Liga jedenfalls mit, dass sie die Überweisung der Ablösesumme für den Rekordtransfer nicht akzeptiert habe. Die 222 Millionen Euro, die bei der Liga hinterlegt worden waren, sind ohne weitere Angabe von Gründen am Donnerstag zurücküberwiesen worden. Das bestätigten Ligaquellen. Zunächst hatte die Sportzeitung „Marca“ darüber berichtet. Die Liga wolle offensichtlich bei dem Rekordtransfer keine Vermittlerrolle übernehmen.

„Wir können bestätigen, dass die Anwälte des Spielers die Summe für die Ausstiegsklausel bei La Liga hinterlegen wollten, und das wurde abgelehnt“, hieß es in einem Statement. Wie „Marca“ unter Berufung auf ungenannte Ligaquellen weiter berichtete, wollen sich die Vertreter von Neymar nun an den Fußballweltverband (FIFA) wenden, um eine provisorische Freigabe zu ermöglichen. Das würde Neymar erlauben, am Samstag zum Auftakt der französischen Ligue 1 gegen Amiens sein Debüt für Paris Saint-Germain zu geben.

Gesamtvolumen von rund 800 Mio. Euro

Insgesamt soll der Transfer laut verschiedenen Medienberichten auf ein Volumen von bis zu 800 Millionen Euro kommen. Wie beispielsweise der deutsche „Tagesspiegel“ vorrechnet, steigt aufgrund der Mehrwertsteuer bereits alleine die Ablöse von 222 auf 270 Millionen Euro. Für den kolportierten Fünfjahresvertrag mit einem Nettogehalt von 30 Millionen muss PSG aufgrund des Spitzensteuersatzes von 69 Prozent wiederum pro Jahr 95 Millionen Euro auf den Tisch legen. Neben Bonuszahlungen sollen auch noch rund 40 Millionen Euro Beratungskosten für Neymars Vater dazukommen.

Rekordsumme für Neymar-Transfer

Fußballstar Neymar wechselt für über 220 Millionen Euro vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain. Die Transfersumme ist mehr als doppelt so hoch wie beim bisherigen Rekordhalter Paul Pogba.

UEFA wartet auf Vollzugsmeldung

Die UEFA blickt deshalb mit großer Sorge nach Paris. „Der Transfer von Neymar zu PSG wird sich über mehrere Jahre auf die Clubfinanzen auswirken, doch die Auswirkungen eines solchen Geschäfts können nicht im Voraus beurteilt werden, weil PSG ja mehrere Spieler für einen erheblichen Erlös verkaufen könnte“, erklärte die UEFA weiters. „Wir werden daher erst am Ende Berechnungen anstellen und dafür Sorge tragen, dass sie die Regeln einhalten.“

Schon am Montag hatte Andrea Traverso, bei der UEFA Projektleiter für „Financial Fairplay“, betont, dass sich PSG an die finanziellen Spielregeln halten müsse. „Sie müssen beweisen, dass sie innerhalb von drei Jahren keinen größeren Verlust als 30 Millionen gemacht haben“, präzisierte der Finanzdirektor der UEFA. Gleichzeitig prophezeite Traverso: „Ein Transfer von Neymar würde die Clubfinanzen wohl über Jahre hinweg beeinflussen.“

Die Finanzregeln der UEFA besagen, dass Europacup-Teilnehmer grundsätzlich nicht mehr ausgeben dürfen, als sie einnehmen. Von 2015 bis 2018 ist nur noch ein Verlust von 30 Millionen Euro erlaubt. Wegen Verstößen gegen das „Financial Fairplay“ sind bereits einige Vereine von europäischen Bewerben ausgeschlossen worden, etwa Galatasaray Istanbul und Dynamo Moskau. Andere kamen dagegen mit finanziellen Vergleichen davon. So wurde neben PSG u. a. auch bereits Manchester City mit einer Geldstrafe in zweistelliger Millionenhöhe und Einschränkungen auf dem Transfermarkt bestraft.

Barcelona gibt sich kämpferisch

Barcelona bemühte sich unterdessen festzuhalten, dass Neymar zwar vom Training freigestellt wäre, der Brasilianer bis zum Zahlungseingang der kompletten Ablösesumme in der Höhe von 222 Mio. Euro weiter bei den Katalanen unter Vertrag stehe. Man sei allerdings nicht bereit, sich mit den katarischen Besitzern von PSG an einen Tisch zu setzen und zu verhandeln. Der Club bezweifle offenbar, dass der Transfer ohne Verletzung des „Financial Fairplays“ über die Bühne gehen kann.

Unterstützung erhält Barca auch vom Präsidenten der spanischen Profiliga, Javier Tebas, der das Geschäft überhaupt verhindern will. „Falls die UEFA nicht von sich aus einschreitet, dann klagen wir“, betonte der 55-Jährige in einem Interview mit der Sportzeitung „AS“. Bei der UEFA und in der Schweiz, überall dort, wo es Tribunale gebe, die über das, was er unlauteren Wettbewerb nennt, richten könnten. Tebas sprach von finanziellem Doping. „Es gibt Vereine, die ihr Geld von Staaten erhalten und damit Spieler kaufen, um ihre Fans zu beschenken.“ Gemeint waren Katar und der PSG.

Links: