Schaub, Prokop und Fans im Mittelpunkt
Die Austria hat am Sonntag mit einem Remis im 322. Wiener Derby den schlechtesten Ligastart der Vereinsgeschichte vermieden und nach 0:2-Rückstand noch ein 2:2 geholt. Somit konnte sich die Elf von Trainer Thorsten Fink vor 26.000 Zuschauern im ausverkauften Allianz Stadion in einem hitzigen Spiel beim Erzrivalen nach verhaltenem Beginn noch über den ersten Punkt in der neuen Saison freuen.
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Louis Schaub hatte für die lange Zeit überlegenen Grün-Weißen mit einem Doppelschlag (39., 55.) für die 2:0-Führung gesorgt. Vor allem Joelinton, an dem auch ein Elferfoul übersehen wurde, hatte die Möglichkeiten, das Spiel für die Hütteldorfer zu entscheiden. Doch Austria kam unter der Führung von Felipe Pires und des eingewechselten Dominik Prokop auf und konnte noch ausgleichen.
Schaub trifft zum 1:0 für Rapid
Louis Schaub kommt am Fünfmeterraum ungedeckt zum Kopfball und nickt zum 1:0 (39.) für die Gastgeber ein.
Prokop selbst gelang das 1:2 (73.), und Raphael Holzhauser verwertete einen Elfer (85.) nach Foul an Prokop zum 2:2. Rapids Verteidiger Thomas Schrammel musste für das Elferfoul vom Feld, und in der hektischen Schlussphase musste das Match auch noch für einige Minuten unterbrochen werden, weil Gegenstände auf Austria-Spieler geworfen wurden.
Austria spricht sich Mut zu
Die Austrianer bildeten vor Anpfiff einen Kreis, um sich nach den letzten schwachen Spielen noch einmal den Gemeinschaftssinn zu stärken. Nicht dabei war nach wie vor Torjäger Larry Kayode. Offizielle Version ist, dass der Nigerianer Trainingsrückstand hat. Die inoffizielle Version lautet, dass Kayode den Verein verlassen möchte und die Austria einen Abnehmer sucht.
Wie auch immer, beide Teams gingen, ganz dem Charakter eines Derbys entsprechend, gleich zur Sache. Die erste starke Rapid-Aktion kam nach einer Faustabwehr von Osman Hadzikic, der sich zuletzt in den Duellen mit Sturm und AEL Limassol schwere Schnitzer erlaubt hatte, die Andreas Kuen vor die Füße fiel. Dessen Schuss konnte Petar Filipovic jedoch noch vor der Linie abwehren (3.).
Hin und her ohne Topchancen
Das sollte es allerdings bis auf Weiteres gewesen sein. Großchancen boten sich den Teams keine mehr. Rapid hatte in der ersten halben Spielstunde mehr Ballbesitz (56:44 Prozent), auch mehr Schüsse Richtung Tor (4:1), mehr angekommene Pässe (79:54). Jedoch zückte Schiedsrichter Alexander Harkam bis zur 30. Minute auch fünfmal die Gelbe Karte.

APA/Herbert Neubauer
Schaub konnte über sein Tor zum 1:0 noch richtig jubeln
Die Austria zeigte sich gegenüber den vergangenen Auftritten leicht verbessert. Etwas lauffreudiger, leicht aggressiver, ein Hauch direkter im Spielaufbau als zuletzt. Die Derby-Luft beflügelte die Violetten offenbar. Aber Rapid ließ ebenfalls nicht locker.
Austria-Abwehr nimmt sich Auszeit
Schrammel zog rechts auf, flankte unbedrängt in den Strafraum, wo Schaub, ebenfalls unbedrängt von Heiko Westermann und Filipovic locker vom Fünfer zum 1:0 (39.) einköpfelte. Es war erst das erste Tor, das Rapid im Allianz Stadion in einem Derby gelungen war. Kurz darauf hatte die Austria Glück, dass Harkam nicht auf Elfmeter entschied, als Filipovic den durchbrechenden Joelinton im Strafraum zu Fall brachte (43.).
Kein Elferpfiff nach Foul an Joelinton
Rapid-Stürmer Joelinton wird im Austria-Strafraum klar von den Beinen geholt - der fällige Elfmeterpfiff bleibt aber aus (43.).
Wöber blockte dann in der Nachspielzeit der ersten Hälfte noch einen Schussversuch von Kevin Friesenbichler (45.+2). Die erste gute Tormöglichkeit nach der Pause hatte wieder Rapid. Joelinton verzog einen Schuss von der Strafraumgrenze nur knapp (49.). Die Hütteldorfer blieben aber die aktivere Mannschaft, die Austria konnte nur selten Entlastungsangriffe fahren.
Schaub nutzt Fehler eiskalt
Das 2:0 war daher nur eine Frage der Zeit, und die war in der 55. Minute gekommen. Die Favoritner brachten den Ball nicht aus der Abwehr. Westermann und Tarkan Serbest wussten nicht, wohin mit der Kugel, Serbest spielte zu wenig druckvoll auf Tormann Hadzikic zurück.
Schaub erhöht auf 2:0 für Rapid
Stephan Auer bringt Austria-Verteidiger Tarkan Serbest in Bedrängnis, der Rettungsversuch von Goalie Osman Hadzikic landet bei Schaub - der schiebt ins leere Tor ein (55.).
Stephan Auer sprintete dem Ball energisch nach, Hadzikic konnte noch im Rutschen klären, spielte aber direkt auf den rund 30 Meter vor dem Tor lauerenden Schaub, der überlegt zum 2:0 einschob und seinen Doppelpack vollendete. Vier Minuten später wechselte Fink den unglücklichen Serbest gegen Talent Dominik Prokop aus.
Prokop sorgt für Spannung
Der hatte dann in der 69. Minute mit einem gut angetragenen Weitschuss auch die bis dahin beste Austria-Chance auf ein Tor. Zuvor hatte die Rapid-Abwehr im Kollektiv einen gefährlichen Stanglpass auf Friesenbichler abgefangen. Bei den Grün-Weißen war vor allem Joelinton ein ständiger Unruheherd, mit Chancen das Spiel schon vorzeitig zugunsten der Hütteldorfer zu entscheiden (53., 60.).
Prokop verkürzt auf 2:1
Dominik Prokop kann eine gute Kombination mit Felipe Pires zum Anschlusstreffer (73.) für die Austria verwerten.
Doch es war der eingewechselte Prokop, der bei der schon geschlagen scheinenden Austria wieder für Hoffnung sorgte. In der 72. Minute vollendete der 20-jährige Mittelfeldakteur und violette Hoffnungsträger nach Pass von Pires im Stile eines Klassespielers mit dem Außenrist ins lange Eck zum 1:2.
Ausgleich und Unterbrechung
Doch es war nicht die letzte wichtige Szene mit Prokop. Nach Lochpass vom eingewechselten David de Paula hatte Prokop nur noch Richard Strebinger vor sich, doch Schrammel holte Prokop noch von den Beinen. Der Rapid-Verteidiger sah dafür Gelb-Rot, und Raphael Holzhauser verwertete wie schon in der Europa League gegen AEL Limassol den fälligen Elfmeter trocken. Diesmal nach rechts unten vom Schützen aus gesehen.
Holzhauser gleicht per Elfer aus
Thomas Schrammel holt Dominik Prokop von den Beinen. Schrammel sieht Rot, Raphael Holzhauser verwertet den Strafstoß zum Ausgleich (85.).
Danach flogen vor dem Block West die Feuerzeuge und andere Gegenstände in Richtung Cornerfahne, und Spielleiter Harkam musste die Partie kurz unterbrechen. Auch nach der Pause war die Stimmung nicht wirklich friedlicher. Als sich Holzhauser weigerte, einen Eckstoß vor dem Fansektor auszuführen, wurde er von Ersatzspieler- und Rapid-Ikone Steffen Hofmann wütend dazu aufgefordert.
Spielunterbrechung
Nachdem Rapid-Fans Gegenstände auf das Feld geschossen hatten, wurde das Spiel für einige Minuten unterbrochen.
Die Entscheidung hatte dann Friesenbichler am Fuß, doch in der zehnten Minute der Nachspielzeit setzte er seinen Volley im Flug knapp am Tor vorbei. So blieb es beim Unentschieden, dem dritten in Folge im neuen Rapid-Stadion, dem 73. in einem Wiener Derby. Die Mannschaft von Trainer Goran Djuricin ist in der neuen Saison weiter ungeschlagen.
Tipico-Bundesliga, dritte Runde
Sonntag:
Rapid - Austria 2:2 (1:0)
Wien, Allianz Stadion, 26.000 Zuschauer, SR Harkam
Torfolge:
1:0 Schaub (39.)
2:0 Schaub (55.)
2:1 Prokop (73.)
2:2 Holzhauser (85./Elfmeter)
Rapid: Strebinger - Pavelic, Sonnleitner, Wöber, Schrammel - Auer, Schwab - Murg (72./Keles), Schaub (84./Thurnwald), Kuen – Joelinton
Austria: Hadzikic - Larsen, Westermann, Filipovic, Martschinko - Serbest (58./Prokop) - Tajouri, Grünwald (79./De Paula), Holzhauser, Pires – Friesenbichler
Rote Karte: Schrammel (84./Torraub)
Gelbe Karten: Schrammel, Auer, Sonnleitner, Kuen bzw. Holzhauser, Filipovic, Larsen
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