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14 Sessions im Leichtathletiktempel

Die „Hütte“ ist jeden Tag mit 50.000 Zuschauern voll: Die noch bis Sonntag laufende London-WM 2017 wird in der Leichtathletik wohl länger unerreicht bleiben. Das Publikum ist fachkundig, der Geräuschpegel ohrenbetäubend, die Bewerbe spannend. Wie schon bei den Sommerspielen 2012 kann man sich keinen besseren Platz für Leichtathletikbewerbe vorstellen als das Olympiastadion in der britischen Hauptstadt.

An zehn Tagen sind bei den Welttitelkämpfen 14 Sessions im Stadion angesetzt - dazu kommen die Marathon- und Geher-Entscheidungen an je einem Tag in der City. Sprechen manche ob des ausgedehnten Zeitplanes von künstlichem Aufblähen, so glaubt ÖLV-Sportkoordinator Hannes Gruber nicht, dass man so eine Veranstaltung in weniger als neun oder zehn Tagen über die Bühne bringt. „Bei Olympia, WM oder EM darf das Teilnehmerfeld nicht auf die Elite reduziert werden. Das würde in vielen Ländern die Leichtathletik kaputtmachen“, warnte Gruber am Rande der WM.

Fans stellen sich vor dem Olympiastadion in London an

Reuters/Tom Jacobs

Jeden Tag pilgern 50.000 Leichtathletikfans ins Olympiastadion in London

Stars öfter zu sehen

Es sei möglich, von zehn WM-Tagen wegzukommen, dann müsse man über das Wettkampfprogramm und insbesondere über Zeitplan nachdenken. „Aber will man Usain Bolt dreimal sehen oder nur einmal? Will man Mohamed Farah auf 10.000 und 5.000 m sehen oder nur einmal? Aus der Sicht der Veranstalter und der IAAF ist verständlich, dass man die Topstars öfter sehen will“, so Gruber gegenüber der APA. In London reichte es, dass Nationalheld Farah einen Vorlauf lief, um 51.130 Tickets für einen Abend zu verkaufen.

Bei Meetings solle man sehr wohl über neue Formate nachdenken, und das passiere auch. Gruber führte etwa in der Diamond League den als Mixed-Bewerb ausgetragenen Diskuswurf in Schanghai und den Dreikampf der Mehrkämpfer in Paris mit 110 Meter Hürden, Speerwurf und Weitsprung an. Dort war ÖLV-Mehrkämpfer Dominik Distelberger mit dabei, der würde sich so etwas öfter wünschen. „Das wurde vom Publikum super angenommen, es ist kurz und knackig. Vielleicht kann man eine Meeting-Serie planen.“

Irina Geraschenko (UKR) in der Qualifikation für den Hochsprung

APA/AP/Matt Dunham

Spektakuläre Bewerbe vor atemberaubender Kulisse

Keine Vorfreude auf Doha 2019

Im sportverrückten Großbritannien muss man sich bei einer WM über mangelndes Zuschauerinteresse nicht beklagen. „Es lässt sich schwer etwas Besseres finden als London. Meine Vorfreude ist riesig. Es kann auch sein, dass du nie wieder so eine Stimmung in einem Stadion hast wie hier in London“, hatte Distelberger angesichts der Fernsehbilder gesagt, noch bevor er überhaupt eine Disziplin im Stadion bestritten hatte. Doch als Nächstes wartet in zwei Jahren die Doha-WM, die nicht nur wegen der Hitze unter schlechten Vorzeichen steht.

„Eine WM in dieser Region ist grundsätzlich ein Problem, auch wenn du im Stadion die Temperatur runterfährst, was geplant ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Stadion mit Zuschauern gefüllt wird und eine Stimmung aufkommt“, sagte Gruber. Einen positiveren Blick richtet er auf Eugene 2021. „Eugene wird sicher die gleiche Liga wie London sein, da mache ich mir keine Sorgen. Eugene ist das Leichtathletik-Mekka in den USA, die werden das Stadion mit amerikanischen Zuschauern schon vollkriegen. Es ist ganz wichtig, dass die Leichtathletik auch in die USA und nach Kanada geht.“

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