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Platz zehn als kleine Entschädigung

KTM hat sich seine Heimpremiere in der MotoGP ein klein wenig anders vorgestellt. Anstatt sich mit guten Ergebnissen den Fans zu präsentieren, blieb Platz zehn von Testpilot Mika Kallio der einzige Lichtblick für den oberösterreichischen Hersteller. Auf dem Red Bull Ring in Spielberg lief es sonst nicht wirklich nach Wunsch.

Das Rennen in der MotoGP begann für KTM gleich mit einem Dämpfer. Topfahrer Pol Espargaro musste seine defekte RC16 in Runde drei an die Box bringen und abstellen. Die Hinterradbremse der Maschine war defekt. „Es ist bitter, wenn das Rennen losgeht, und das beste Pferd ist nicht mehr im Stall“, schüttelte KTM-Rennsportchef Pit Beirer zunächst enttäuscht den Kopf. Auch Berater Heinz Kinigadner gestand: „Wir sind riesig enttäuscht.“

Berührung beschädigt Bremse

Espargaro hatte eine Woche davor in Brünn als Neunter für das bisher beste Rennergebnis im Premierenjahr des österreichischen Herstellers in der Motorradkönigsklasse gesorgt. In Spielberg war er im Warm-up bis auf eine halbe Sekunden an die Topzeit herangekommen und startete von Platz 16 aus.

Pol Espargaro (ESP/KTM)

GEPA/Daniel Goetzhaber

Espargaro musste seine KTM bereits früh in der Box parken

Ein heftiger Kontakt mit einem Konkurrenten am Start führte aber zu einer Beschädigung der Hinterradbremse und dem raschen Aus des Spaniers. „Es ist jammerschade, wenn man sieht, wie gut Kallio dabei war“, trauerte Kinigadner wohl zu Recht einer weiteren Topplatzierung nach.

Kallio empfiehlt sich

Am Ende dominierte aber dank des Finnen doch die Freude bei der Truppe aus Mattighofen. Kallio wurde mit 19,766 Sekunden Rückstand auf Sieger Andrea Dovizioso Zehnter, so knapp lag bisher noch keine KTM hinter dem Gewinner eines MotoGP-Rennens. Und das ist beim jungen Projekt die Messlatte bei KTM. Bei seinem neunten Platz in Tschechien war Espargaro noch über 30 Sekunden entfernt gewesen.

„Das war mit Abstand das beste Rennen bisher“, stellte deshalb auch Beirer am Ende zufrieden fest. KTM-Firmenchef Stefan Pierer meinte: „Was willst du mehr, wenn der Einserfahrer Pech hat und der Tester springt so gut ein.“ Teammanager Mike Leitner ergänzte: „Zehnter beim Heimrennen gleich im Debütjahr, das ist echt stark.“ MotoGP-Stammfahrer bleiben trotzdem Espargaro und Bradley Smith. Kallio war in Spielberg nur dank Wildcard im Einsatz.

Aber vor allem Smith kommt aktuell nicht wirklich zurecht. Eine Ablöse des Briten ist aber offenbar - zumindest vorerst - nicht geplant. Sowohl Espargaro als auch Smith haben Verträge bis inklusive 2018. Kallio möchte aber unbedingt wieder in ein Rennteam, denn auch Finnland bekommt bald einen WM-Lauf. „Vergangenes Jahr haben wir hier in Spielberg noch einen Show-Run gezeigt, und natürlich würde ich gerne wieder fahren“, gestand der Finne. „Der Speed ist offensichtlich noch da“, rührte der 34-Jährige für sich die Werbetrommel.

Tests zur Aufarbeitung

In den anderen Klassen war Platz zwei von Philipp Öttl in der Moto3-Klasse das Highlight aus KTM-Sicht. Der Deutsche kam allerdings mit Respektabstand von drei Sekunden auf den nun siebenfachen Saisonsieger Joan Mir aus Spanien ins Ziel. In der Moto2 war Platz acht des Südafrikaners Brad Binder das höchste der Gefühle. Dafür sorgte der Portugiese Miguel Oliveira mit einem wilden Abflug, bei dem er auch von seinem Motorrad getroffen wurde, für eine Schrecksekunde. Oliveira kam aber ohne schwerere Verletzungen davon.

Die Spielberg-Erkenntnisse in der Moto2 und Moto3 kann KTM unmittelbar nach dem Österreich-Grand-Prix aufarbeiten. Montag und Dienstag stehen für diese beiden Klassen Testtage auf dem Red Bull Ring auf dem Programm. KTM wird 2018 sein Engagement in der Straßen-WM nochmals ausweiten und in beiden Kategorien Teams dazu nehmen, um seine eigenen Talente aus dem Rookies Cup noch besser fördern zu können.

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