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WM-Duell geht in Belgien weiter

WM-Spitzenreiter Sebastian Vettel will sich nach der Sommerpause mit einem Sieg in Spa-Francorchamps auf sein Ferrari-Heimspiel nur eine Woche später in Italien einstimmen. Mit seinem dritten Erfolg beim Grand Prix von Belgien am Sonntag (14.00 Uhr, live in ORF eins) würde der vierfache Weltmeister den Vorsprung auf seinen Mercedes-Verfolger Lewis Hamilton ausbauen.

„Wir haben das beste Auto“, meinte Vettel. Außerdem betonte der Deutsche mit Blick auf den mit 7,004 Kilometer längsten Kurs im Formel-1-Kalender nahe der deutschen Grenze: „Unser Wagen war dort immer gut.“ Der 30-Jährige hatte sich vor knapp vier Wochen mit einem Sieg in Ungarn in die Ferien verabschiedet.

Sein Vorsprung auf den britischen Dreifachweltmeister Hamilton beträgt nach elf von 20 Saisonrennen 14 Punkte. Der Finne Valtteri Bottas ist im zweiten Mercedes mit 33 Zählern Rückstand Dritter und rechnet sich ebenfalls noch Chancen auf den WM-Titel aus.

Eine Strecke für Mercedes?

Die Strecke in Spa und erst recht der schnelle Kurs in Monza gelten als prädestiniert für die Silberpfeile. Im Vorjahr gewann der spätere Weltmeister Nico Rosberg, vor zwei Jahren Hamilton. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff warnte aber: „Prognosen sind gefährlich. Wir haben in dieser Saison schon zu oft erlebt, dass sich die Formkurve von einem Wochenende zum nächsten verändert hat.“

Tatsächlich konnte heuer noch kein Pilot zwei Siege in Folge bejubeln. Neben Vettel und Hamilton, die beide jeweils vier Rennen gewannen, triumphierte noch Bottas zweimal, ein Sieg ging an Daniel Ricciardo im Red Bull. Der Australier und sein Teamkollege Max Verstappen - dank großer Fanunterstützung aus den Niederlanden - dürfen in den Ardennen ebenfalls auf einen Podestplatz hoffen.

Verstappen freut sich auf Heimrennen

Für Verstappen ist Spa wie für den belgischen McLaren-Piloten Stoffel Vandoorne ein Heimrennen, stammt doch seine Mutter - wie übrigens auch jene des kanadischen Williams-Fahrers Lance Stroll - aus Belgien. „Spa ist meine Lieblingsstrecke im ganzen Jahr. Man muss alles richtig machen, aber wenn du eine gute Runde hinlegst, ist das eine große Belohnung“, sagte Verstappen.

Der letzte Ferrari-Erfolg in Belgien datiert aus dem Jahr 2009 durch Kimi Räikkönen. Der inzwischen 37-jährige Finne, der seinen Vertrag bei der „Scuderia“ um ein weiteres Jahr bis 2018 verlängert hat, ist mit vier Siegen Spa-Rekordsieger unter den aktuellen Piloten. Hamilton hat auf dem Kurs mit der legendären Eau Rouge außer 2015 auch 2010 im McLaren triumphiert, Vettel 2011 und 2013 im Red Bull.

Giancarlo Fisichella (ITA/ Force India), Kimi Raikkoenen (FIN/ Ferrari) und Sebastian Vettel (GER/Red Bull)

GEPA/xpb.cc

2009 stand mit Räikkönen zuletzt ein Ferrari-Pilot auf dem Spa-Podest oben

Urlaub in der Schweiz und auf Kuba

Für Vettel, der sich nach einem Familienurlaub in seiner Schweizer Wahlheimat für die entscheidende Saisonphase im Kampf um seinen ersten WM-Titel mit Ferrari gerüstet sieht, wird es in Spa emotional: Sein Idol Michael Schumacher hat dort vor 25 Jahren seinen ersten GP-Sieg gefeiert. Dessen Sohn Mick, der sich in der Formel 3 auf höhere Aufgaben vorbereitet, soll laut Medienberichten mit dem Weltmeisterauto seines Vaters von 1994 für Nostalgie sorgen.

Hamilton nutzte die freie Zeit nach dem ernüchternden vierten Platz von Ungarn unter anderem zum Trip in die Karibik inklusive eines Besuchs auf Kuba in seiner Rolle als Botschafter des Kinderhilfswerks UNICEF. Um Vettel zu überholen, reichen dem 32-Jährigen allerdings nicht einmal Siege in Spa und Monza, sofern Vettel jeweils Zweiter wird.

Hamilton kann Schumachers Pole-Rekord einstellen

Für Hamilton geht es in seinem 200. Grand Prix um den 58. Sieg, bereits am Samstag könnte er mit seiner 68. Poleposition in der Bestenliste zu Rekordhalter Schumacher aufschließen. Nicht in Reichweite ist die Schumacher-Bestmarke von sechs Erfolgen in Spa. Dort feierte der deutsche Rekordchampion, dessen Erfolgsstory so eng mit dem Ardennen-Kurs verbunden ist, vor einem Vierteljahrhundert - ein Jahr nach seinem Formel-1-Debüt an selber Stelle - den ersten Sieg seiner weiter unerreichbar scheinenden Bestmarke von 91.

Schumacher wird auch heuer nur Erinnerung sein, seit seinem Skiunfall im Dezember 2013 ist der 48-Jährige nicht mehr in der Öffentlichkeit zu sehen gewesen. Er hatte sich ein schweres Schädel-Hirn-Traum zugezogen, tagelang um sein Leben gekämpft und war wochenlang im künstlichen Koma gelegen. Seit September 2014 befindet er sich zu Hause in seiner Schweizer Wahlheimat am Genfer See zur weiteren Rehabilitation. Genauere Informationen zu seinem Zustand gibt es bewusst nicht.

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