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Das Geld sitzt locker

Die „Ware“ Fußballer ist so begehrt wie nie. Für die Transfers von Neymar, Ousmane Dembele und Co. gaben die europäischen Vereine in diesem Sommer fast fünf Milliarden Euro aus - Provisionen und Beratergagen nicht eingerechnet. Die Summe könnte angesichts der am Freitag noch offenen Wechselbörsen in Spanien oder Portugal sogar noch steigen.

Die englischen Clubs gaben in Summe wieder am meisten aus, auch Deutschland ließ mit einem neuen Rekordbetrag für Transfers aufhorchen. In Spanien verdienten die Clubs gut, ebenso die Transferkaiser von Monaco. Bei Paris Saint-Germain (PSG) spielt Geld offenbar keine Rolle. In Italien zeigte vor allem Austrias Europa-League-Gegner AC Milan große Lust am Spielershopping. Im Folgenden ein Überblick über die wichtigsten Geschehnisse in Europas Topligen

England: ManCity kauft groß ein

Die Clubs auf der Insel erwiesen sich wieder einmal als die spendierfreudigsten im Business. Laut Berechnungen der BBC gaben die Premier-League-Clubs die enorme Summe von 1,56 Milliarden Euro aus. Spitzenreiter ist Manchester City: Der Guardiola-Club investierte in sein neues Personal rund um Benjamin Mendy (57,5/Monaco), Kyle Walker (51/Tottenham) oder Bernardo Silva (50/Monaco) mehr als 230 Mio. Euro.

Meister Chelsea blitzte insbesondere am „Deadline Day“ bei einigen Spielern ab, knackte nach den Last-Minute-Käufen von Danny Drinkwater und Davide Zappacosta aber immer noch die 200-Mio.-Euro-Grenze. United ließ sich alleine Königstransfer Romelu Lukaku 85 Mio. kosten. Mit 160 Mio. Euro an Ausgaben waren die „Red Devils“ aber nur Vierter in der „Big Spender“-Liste hinter Everton (162).

Kevin Wimmer

GEPA/Mario Buehner

Kevin Wimmers Aktie ist am Transfermarkt stark gestiegen

Wie extrem sich die Marktwerte der Spieler nach oben entwickelt haben, zeigt auch das Beispiel von ÖFB-Teamverteidiger Kevin Wimmer. 2015 war er für sechs Millionen Euro vom 1. FC Köln zu Tottenham Hotspur gewechselt. Dort kam er allerdings nie über die Rolle des Ersatzspielers hinaus. Trotzdem wurde Wimmer diesen Sommer um 19,5 Mio. Euro an Stoke City weitergegeben. Sein Wert hat sich mehr als verdreifacht.

Deutschland: Rekordausgaben in der Bundesliga

Auch die deutsche Bundesliga hat bei den Transferausgaben einen Rekord aufgestellt. Die 18 Clubs gaben ohne Leihgebühren rund 577 Mio. Euro für gut 140 Neuzugänge aus. Auf der Einnahmenseite verbuchte Borussia Dortmund das größte Plus: Die 105 Mio. Euro für Dembele ist die höchste Summe, die je ein Bundesligist erhalten hat. Der BVB reinvestierte die gewaltige 90-Mio.-Euro-Rendite - Dembele war im Vorjahr für 15 Mio. verpflichtet worden - unter anderem in den Ukrainer Andrej Jarmolenko (25 Mio.).

Bei Meister Bayern München ist Constantin Tolisso (41,5 Mio.) die teuerste Neuverpflichtung der Clubgeschichte. Ein Kauf von James Rodriguez wäre womöglich noch teurer geworden. Wohl auch deshalb favorisierten die Bayern ein Leihgeschäft und überweisen nun jährlich rund zehn Millionen an Real Madrid. Die Münchner schafften es aber noch kostengünstiger: Mit Sebastian Rudy kam ein vielseitiger deutscher Nationalspieler ablösefrei.

Spanien: Real investiert in die Jugend

Anders als auf der Insel konnten in Spanien auch noch am Freitag neue Spieler verpflichtet werden. Barcelona warb am Freitagnachmittag immer noch (erfolglos) um Liverpools Philippe Coutinho. Etwas mehr als die Hälfte des Neymar-Schecks hatten die Katalanen bereits in Dembele investiert.

Vinicius Junior

APA/AP/Leo Correa

Der 17-jährige Vinicius Junior war Real Madrid 45 Mio. Euro wert

Ligakonkurrent Real Madrid ist hingegen kein Großeinkäufer mehr, investierte aber in eine Zukunftsaktie: Der 17-jährige Brasilianer Vinicius Junior war den Königlichen 45 Mio. Euro wert. Mit Danilo (30 Mio./Man City) und Morata (bis zu 80 Mio./Chelsea) verkaufte der Meister zwei Edelreservisten gewinnbringend.

Frankreich: PSG gibt aus, Monaco nimmt ein

Das Transfergebaren von Paris Saint-Germain stellte in diesem Sommer international alles in den Schatten. Nach Rekordmann Neymar (222 Mio. Euro) ließ der mit katarischem Geld unterstützte Club am letzten Tag der Übertrittszeit noch einmal die Muskeln spielen: Der 18-jährige Stürmer Kylian Mbappe kam vorerst leihweise von AS Monaco zu PSG. In einem Jahr werden aber per Option 180 Millionen Euro Ablöse fällig - die zweithöchste Summe aller Zeiten.

Monacos erfolgreiche Vorsaison machte seine Spieler bekannt und begehrt. Im Sommer avancierte der Meister auf dem überhitzten Transfermarkt zum Nutznießer schlechthin: Durch Verkäufe lukrierten die Monegassen knapp 180 Mio. Euro - Mbappe noch gar nicht mitgerechnet.

Italien: Austria-Gegner auf Einkaufstour

In Italien bewies vor allem Austrias Europa-League-Gegner AC Milan Shoppinglaune. Neuverpflichtungen wie der portugiesische Stürmer Andre Silva, Freistoßspezialist Hakan Calhanoglu und Abwehrroutinier Leonardo Bonucci sollen den Erfolg und Glanz von früher zurückbringen. Die seit April von einem chinesischen Konsortium geleiteten „Rossoneri“ ließen sich die Pläne über 230 Mio. Euro kosten.

Leonardo Bonucci

APA/AFP/Carlo Hermann

Leonardo Bonucci verstärkt die Abwehr des AC Milan

Wie eine Datenanalyse des „Spiegel“ ergibt, haben die Vereine der fünf großen europäischen Fußballligen seit 1995 jedes Jahr durchschnittlich elf Prozent mehr Geld für Transfers aufgewendet als im Vorjahr. Sollte sich die Entwicklung dieser quasi eigenen Inflationsrate so fortsetzen, würde 2030 der erste Spieler für eine Milliarde Euro den Verein wechseln.

Wird die fußballeigene Inflationsrate auf vergangene Transfers angewendet, wäre nach heutigen Maßstäben Rio Ferdinand nach Neymar der zweitteuerste Spieler der Geschichte. Manchester United kaufte den Innenverteidiger im Jahr 2002 für 46 Millionen Euro, was auf dem aktuellen Markt 202,4 Millionen Euro entspräche.

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