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Rückstand nun fast uneinholbar

Die WM in Russland wird im nächsten Jahr wohl ohne Österreichs Nationalteam über die Bühne gehen. Im vorentscheidenden WM-Qualifikationsmatch gegen Wales bezog die Mannschaft von ÖFB-Cheftrainer Marcel Koller am Samstag eine bittere 0:1-Niederlage. In der 74. Minute einer insgesamt ausgeglichenen Partie avancierte der erst 17-jährige Ben Woodburn zum Matchwinner für Wales, das damit weiter im Rennen um die Top Zwei blieb.

Die Österreicher dagegen liegen in Gruppe D fast aussichtslos zurück. Auf Leader Serbien (3:0 gegen Moldawien) fehlen sieben, auf den Zweiten Irland (1:1 in Georgien) fünf und auf Wales drei Punkte. Auch wenn man am Dienstag in Wien gegen Georgien die erwarteten drei Pflichtpunkte einfährt, liegt die WM in weiter Ferne. Besonders bitter in Cardiff war, dass man im Duell mit dem EM-Semifinalisten gut mithielt und selbst gute Chancen hatte. Ein vermeidbares Tor besiegelte aber schließlich das K. o.

Woodburn erzielt das Siegestor für Wales

Der erst 17-jährige Woodburn beendet die WM-Träume des österreichischen Nationalteams - mit einem sehenswerten Schuss aus rund 20 Metern.

Heiße Atmosphäre und munterer Beginn

Was die ÖFB-Startformation betraf, waren alle Fragen eine Stunde vor Anpfiff beantwortet gewesen. Koller begann mit Spitze Martin Harnik und Stefan Ilsanker, der neben Kapitän Julian Baumgartlinger hinter David Alaba den zweiten Sechser gab. „Neu“ in der Anfangself waren im Vergleich zum 1:1 in Irland der im Juni gesperrte Marko Arnautovic und Marcel Sabitzer, der in Dublin verletzt fehlte. Stefan Lainer (rechts) und Martin Hinteregger waren die Außenposten in der Abwehrviererkette, die innen von Sebastian Prödl und Aleksandar Dragovic zusammengehalten wurde.

Das Cardiff City Stadium brodelte von der ersten Minute an. Superstar Gareth Bale (2.) mit einem ersten (zu schwachen) Abschluss und sein kongenialer Partner Aaron Ramsey (9.) mit einem Schuss knapp über die Latte rissen die walisischen Fans gleich von den Sitzen. Auch die Österreicher trugen das Ihre zu einer munteren Anfangsphase bei. Aggressiv und hellwach traten sie den „Roten Drachen“ entgegen. Im Vorwärtsgang war es in erster Linie Arnautovic, der über die linke Seite für Gefahr sorgte.

Prödl-Aus in starker Phase der Österreicher

Mit Fortdauer der ersten Hälfte bekam das ÖFB-Team die Partie immer besser in den Griff. Immer wieder setzte man sich rund um den Strafraum fest, ohne allerdings konkret gefährlich zu werden. Dennoch hatte man das Gefühl, dass der erste Schwung der Waliser zum Erliegen gekommen war. Umso bitterer daher die Verletzung von Prödl, der sich in der 26. Minute bei einer Rettungsaktion in der gegnerischen Hälfte nicht nur die Gelbe Karte, sondern auch eine Oberschenkelverletzung holte. Der Watford-Legionär musste kurz darauf ausgewechselt werden, für ihn kam Debütant Kevin Danso.

Szene aus dem Match Österreich gegen Wales

Reuters/John Sibley

Arnautovic war in der ÖFB-Drangphase einer der Stärksten, konnte Goalie Hennessey aber nicht überwinden

Der 18-jährige Augsburg-Verteidiger stand in seinem ersten Länderspiel bald (32.) im Mittelpunkt des Geschehens. Als Ramsey den Ball alleine vor ÖFB-Schlussmann Heinz Lindner an die Latte schlenzte, hatte der rumänische Referee Ovidiu Hategan schon wegen Fouls an Danso abgepfiffen gehabt. Praktisch im Gegenzug (33.) vergab Arnautovic nach schönem Steilpass von Baumgartlinger die bis dahin größte Chance der Österreicher, indem er aus halblinker Position fast schon am Fünfer mit dem Innenrist an der langen Ecke vorbeizielte. Das Match hielt weiter sein hohes Tempo.

Arnautovic verpasst das 1:0 für Österreich

Nach einem Traumpass von Baumgartlinger dreht Arnautovic den Ball am Kreuzeck vorbei.

Lindner-Glanztat bei bester Bale-Aktion

Auch Sabitzer, von dem rechts lange wenig zu sehen gewesen war, hatte vor der Pause noch ein, zwei gute Aktionen. Zur Pause konnten der im Offensivzentrum sehr aktive Alaba und seine Kollegen mit ihrer Darbietung zufrieden sein. In dem wie erwartet spannenden und ausgeglichenen Duell war man zumindest ebenbürtig. Das sollte sich nach dem Seitenwechsel zunächst nicht ändern, obwohl Harnik vorne weiter in der Luft hing und viele Aktionen wie in der ersten Hälfte an ihm vorbeiliefen. Bale machte auf der anderen Seite zum Glück ja auch noch keinen Stich.

Lindner pariert Weitschuss von Bale

ÖFB-Schlussmann Lindner hält einen platzierten Schuss von Bale.

Hinteregger stand in der 51. Minute vor Lindners Kasten goldrichtig, als er einen Schuss von Ramsey aus kurzer Distanz abblockte. Arsenals Ramsey und nicht etwa Bale war auch hauptverantwortlich dafür, dass die Waliser nun wieder stärker wurden. Die Hausherren drückten ordentlich an. Mit seiner bis dahin besten Aktion zwang Bale ÖFB-Keeper Lindner zur ersten Glanzparade. Der Schweiz-Legionär fischte einen Weitschuss des Real-Stars bravourös aus der Kreuzecke. Ein Rückstand wäre in dieser Phase womöglich „tödlich“ gewesen, so aber erfingen sich die Gäste schnell wieder.

Finish bringt K.-o.-Schlag durch Wales-Youngster

Einen üblen Check abseits des Balles von Ashley Williams gegen Sabitzer übersahen die Unparteiischen dann ebenso wie eine gute Parade von Lindner (65.), der einen Schuss von Ramsey ins Torout lenkte, ohne dass es dafür einen Corner gab. Die ohnehin schon heiße Atmosphäre im Stadion lud sich vor dem Finish noch einmal auf. Als Harnik (68.) nach Lochpass des starken Baumgartlinger die Führung der Österreicher auf dem rechten Fuß hatte, rettete Offensivstar Bale hinten mit einem Tackling in letzter Minute. Von Arnautovic war in der zweiten Hälfte noch wenig bis gar nichts zu sehen, was dem Offensivspiel der Österreicher nicht guttat.

Bale schnappt Harnik den Ball vom Fuß

Harnik kommt im 16er zum Ball, die Fußspitze von Bale verhindert aber einen kontrollierten Torschuss.

Sabitzer blieb blass, weshalb vieles am bemühten, aber auch langsam ausgepowerten Alaba hängen blieb. Dennoch schien bis zur 74. Minute alles möglich, als eine Fehlerkette in der österreichischen Abwehr das K. o. brachte. Danso produzierte bei einer an sich harmlosen Hereingabe im eigenen Strafraum eine „Kerze“. Der verunglückte Abschlag landete auf dem Kopf von Dragovic, der den Ball direkt zum eingewechselten Waliser Woodburn beförderte. Der 17-jährige Teamdebütant fackelte nicht lange, zog aus etwa 20 Meter Entfernung ab und bezwang Lindner, dem bei diesem halb hohen Schuss in die linke Ecke die Sicht verstellt war.

Das 0:1 setzte die Österreicher für die letzte Viertelstunde schwer unter Druck. Arnautovic (78.) war der Erste, der reagierte und dem Ausgleich mit einem schönen Schuss sehr nahe kam. Williams klärte vor der Linie per Kopf. Dann kamen Michel Gregoritsch für Sabitzer und Marc Janko für Harnik. Für die Wende sollte das nicht mehr reichen. Bale und Co. hatten in der Schlussphase vielmehr noch einige gute Möglichkeiten zum zweiten Treffer. Lindner musste im hektischen Finish mehrmals all sein Können aufbieten. Nach 93 Minuten brandete ohrenbetäubender Jubel auf. Der Traum der Österreicher von der WM in Russland war damit geplatzt.

WM-Qualifikation, Gruppe D, siebenter Spieltag

Samstag:

Wales – Österreich 1:0 (0:0)

Cardiff City Stadium, 33.000 Zuschauer, SR Hategan (ROU)

Tor: Woodburn (74.)

Wales: Hennessey - Chester, A. Williams, B. Davies - Gunter, Ramsey, Edwards, Richards (46./King) – Lawrence (69./Woodburn), Vokes (69./Robson-Kanu), Bale

Österreich: Lindner - Lainer, Dragovic, Prödl (27./Danso), Hinteregger - Baumgartlinger, Ilsanker – Sabitzer (78./Gregoritsch), Alaba, Arnautovic – Harnik (81./Janko)

Gelbe Karten: Chester bzw. Prödl, Baumgartlinger

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