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Dritter Platz als schwacher Trost

Vor der Sommerpause der Formel 1 hat bei Ferrari noch eitel Wonne geherrscht. Mit 14 Punkten Vorsprung auf Lewis Hamilton ging Sebastian Vettel in den Kurzurlaub. Zwei Rennen später ist der Vorsprung des Deutschen nicht nur futsch, Vettel liegt nach dem Grand Prix von Italien nun drei Zähler hinter seinem britischen Konkurrenten. „Wir haben versagt“, musste Ferrari-Boss Sergio Marchionne eingestehen.

Eine Woche nach seinem Triumph in Spa-Francorchamps war Hamilton im Mercedes auch in Monza eine Klasse für sich und gewann als erster Fahrer in dieser Saison zwei Rennen en suite. Vettel musste mit Platz drei zufrieden sein. Die WM-Führung ist jedoch dahin. Erstmals lacht Hamilton, der am Samstag mit seiner 69. Poleposition eine neue Bestmarke aufgestellt hatte, von der Spitze der Fahrerwertung.

„Haben Monza unterschätzt“

Ausgerechnet zum 70. Geburtstag von Ferrari hatte die „Scuderia“ beim Heimrennen in Monza kein Wörtchen um den Sieg mitzureden. „Wir haben Monza unterschätzt. Wir haben das Auto von Belgien bis hierher schlechter gemacht“, sagte Marchionne. Während Mercedes mit Hamilton und dem Finnen Valtteri Bottas einen souveränen Doppelsieg nach Hause brachte, fehlten Vettel 36 Sekunden auf den Sieger. Dass es der Deutsche nach dem von Regen beeinträchtigten Qualifying noch auf Platz drei schaffte, war nur ein schwacher Trost.

Ferrari-Boss Sergio Marchionne

Reuters/Max Rossi

Ferrari-Boss Marchionne hatte sich beim Heimrennen deutlich mehr erwartet

Trotzdem versuchte Vettel das Positive des Wochenendes zu betonen. Denn obwohl der 30-Jährige nicht ganz oben auf dem Podest stand, wurde er von den Tifosi wie ein Sieger gefeiert. „Es war vielleicht ein schwarzer Tag für uns bei der Punkteausbeute und was die Pace angeht, die Leute hier haben mir aber so viel Kraft und Mut gegeben“, betonte Vettel. Auf der Auslaufrunde und dem Podest fühle man sich „wie der König der Welt“.

Angst, dass er den Spieß in der WM-Wertung nicht wieder umdrehen könnte, zeigte Vettel nach der Enttäuschung in Monza trotzdem keine. Noch sieben Rennen sind ausständig. Das nächste findet in zwei Wochen auf dem Stadtkurs von Singapur statt. Ein Streckenprofil, das dem Ferrari-Boliden entgegenkommen sollte. Daher machte Vettel seinem Team und den Fans auch Mut. „Wir werden es schaffen“, rief der Deutsche ins Publikum.

Hamilton in Monza siegreich

Lewis Hamilton hat erstmals in dieser Saison Sebastian Vettel vom Thron des WM-Führenden gestürzt. Der Brite gewann in Italien souverän, während sich Vettel beim Ferrari-Heimrennen mit Platz drei begnügen musste.

Erfolgreiche Schadensbegrenzung

Für Vettel gab es vom Start weg nur ein Ziel: unbedingte Aufholjagd zur Schadensbegrenzung nach der völlig verkorksten Regenqualifikation. Nur dank diverser Strafen war der Deutsche letztlich noch bis auf Startrang sechs nach vor gerückt. Vettel reihte sich bereits nach acht von 53 Runden auf dem Highspeed-Kurs hinter Hamilton und Bottas ein und gab diese Position bis zum Schluss nicht mehr her.

Sebastian Vettel (Ferrari) und Lewis Hamilton (Mercedes) während der Siegerehrung

APA/AP/Luca Bruno

Vettel (r.) holte mit Platz drei noch das Maximum an diesem Tag heraus

Immerhin drohte Vettel auch keine große Gefahr von hinten. Das auf die Startpositionen zwei und drei gefahrene Red-Bull-Duo Max Verstappen und Daniel Ricciardo hatte wegen Strafversetzungen von den Plätzen 13 und 16 antreten müssen. Ricciardo holte zwar zwölf Plätz auf und wurde letztendlich fast sensationell Vierter, an den Ferrari von Vettel kam der Australier aber nicht mehr heran.

Hamilton auf Erfolgswelle

Der Herrscher im Königlichen Park von Monza hieß aber wieder Hamilton. Der 32-Jährige verteidigte seine 69. Poleposition mit für Ferrari erdrückender Souveränität. „Es ist großartig, zwei Siege nacheinander zu holen. Mit all den Hochs und Tiefs jetzt vorne zu sein, ist toll“, sagte Hamilton, der die Pfiffe gegen sich auf dem Podest sportlich nahm: „Ich liebe es hier in Italien. Ich liebe die Leidenschaft der Fans.“

Glücklich und zufrieden waren auch seine Chefs, nachdem Hamilton zum 59. Mal in einem Grand Prix als Erster die Ziellinie überquert hatte. Der zweite Platz von Bottas machte das Mercedes-Glück an diesem Tag perfekt. „Wir haben einen Schritt nach vorne gemacht“, meinte Mercedes-Teamoberaufseher Niki Lauda.

„Es war eher ein Problem an deren Auto als Dominanz von uns“, sagte allerdings Teamchef Toto Wolff mit Blick auf Ferrari, „für mich sieht es so aus, als ob Ferrari an diesem Wochenende irgendwie einen Schritt nach hinten gemacht hat. Wir waren sehr solide, aber zugleich haben sie nicht die Leistung abgerufen, wie es jeder erwartet hat.“ Das nächste Rennen könne aber schon wieder ein anderes Bild abgeben. „Singapur kann schon wieder ganz anders laufen und gegen uns laufen. Es geht darum, kühlen Kopf zu bewahren“, so Wolff.

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