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Zweisatzführung reicht nicht

Dominic Thiem hat bei den US Open den erstmaligen Einzug ins Viertelfinale verpasst. Der Niederösterreicher musste sich am Montag in einem Fünfsatzkrimi dem Argentinier Juan Martin del Potro mit 6:1 6:2 1:6 6:7 (1/7) 4:6 geschlagen geben.

Fast auf den Tag genau vor einem Jahr - am 5. September 2016 - hatte Thiem gegen Del Potro im Achtelfinale der US Open bei 3:6 2:3 wegen einer Verletzung im rechten Knie aufgeben müssen. Am Montag schien ihm die Revanche zu gelingen, am Ende reichte es aber doch nicht.

Dominic Thiem

APA/AP/Andres Kudacki

Thiem kämpfte vergeblich um sein erstes Viertelfinale in New York

Somit bleibt die Runde der letzten acht in New York aus österreichischer Sicht weiter Thomas Muster vorbehalten. Dem Steirer war das 1993, 1994 und 1996 gelungen. Für Thiem gab es bei seinem siebenten Achtelfinale bei einem Major immerhin 253.625 US-Dollar (rund 213.000 Euro) brutto sowie 180 Zähler für das ATP-Race.

Del Potro nur im ersten Game „da“

Thiem musste im ersten Aufschlagspiel der Partie gegen den US-Open-Champion von 2009 zwar gleich einen Breakball abwehren, brachte das Service aber doch durch. Mit diesem kleinen Erfolgserlebnis im Rücken holte er das Break zum 2:0, das er mit dem nächsten Servicegame auch „bestätigte“. Del Potro, der im Turnierverlauf noch keinen Satz abgegeben hatte, wirkte allerdings - möglicherweise durch ein Virus - schwer angeschlagen. Er besprach sich in der folgenden Pause kurz mit dem Stuhlschiedsrichter, konnte aber weiterspielen.

Thiem dominiert zu Beginn klar

Dominic Thiem gewinnt den ersten Satz gegen Juan Martin del Potro ganz überlegen mit 6:1.

An der Charakteristik der Partie änderte sich allerdings nichts, der Argentinier war völlig von der Rolle und konnte mit Thiem nicht mithalten. Bei 0:5 kam der Turnierarzt zu einer kurzen Konsultation auf den Platz, danach schrieb der 28-Jährige unter dem Jubel der Zuschauer auch zum 1:5 erstmals an. Doch Thiem spielte konzentriert weiter, nach 36 Minuten - und immerhin zwei weiteren Breakbällen für den Argentinier - war der erste Satz gelaufen.

Argentinier kommt etwas auf

Del Potro konnte auch danach sein normales Leistungspotenzial vorerst nicht abrufen. Es gab nur wenige längere Ballwechsel, bei denen fast immer Thiem das bessere Ende für sich hatte. Mitte des zweiten Satzes erholte sich der Argentinier dann aber, da stand es allerdings schon 0:4. Nach einem gewonnenen Servicegame hatte er drei Breakbälle in Folge, die Thiem aber alle abwehrte. Wenig später hieß es 6:2 für den Niederösterreicher.

Thiem geht 2:0 in Führung

Mit einem perfekten Longlineball holt Thiem seinen 6:2-Satzsieg gegen Del Potro und geht nach Sätzen mit 2:0 in Führung.

Match beginnt zu kippen

In der Folge entwickelte sich zur Freude der Fans doch noch ein richtiges Achtelfinal-Match, mit seinem ersten Ass ging Del Potro erstmals in dieser Partie in Führung. Das folgende Break zum 2:0 quittierte der 1,98 Meter große „Turm von Tandil“ dann auch mit geballter Faust.

Del Potro holt sich dritten Satz

Del Potro macht es spannend und gewinnt den dritten Satz mit 6:1.

Thiem hatte plötzlich nicht nur seinen wiedererstarkten Gegner, sondern auch das bei jedem Punkt des Argentiniers jubelnde Publikum gegen sich. Die Zahl der Eigenfehler des Niederösterreichers erhöhte sich deutlich, mit einiger Mühe brachte er bei 0:3 erstmals seinen Aufschlag durch. Mehr war für ihn in diesem Durchgang aber nicht mehr zu holen.

Zwei Gegner auf Augenhöhe

Den vierten Satz begann Thiem mit einem klaren Servicegewinn und damit dem ersten Erfolgserlebnis seit längerer Zeit. Doch danach machte er sich das Leben mit einer zu hohen Fehlerquote gleich selbst wieder schwer. Del Potro nahm die Geschenke dankend an und holte sich das neuerliche Break zur 2:1-Führung.

Mit seiner gefürchteten Vorhand, die zu Beginn der Partie überhaupt nicht zu sehen war, machte der Argentinier aber auch selbst immer mehr Druck. Dennoch steckte Thiem nicht auf und sicherte sich postwendend den 2:2-Ausgleich. Danach zeigten beide Spieler hochklassiges Tennis - und Thiem war wieder obenauf. Aus dem 1:2 war plötzlich ein 4:2 geworden und die erhobene Faust nun bei Österreichs Nummer eins zu sehen.

Matchbälle mit Assen abgewehrt

Bei 5:3 servierte der seit Sonntag 24-Jährige auf das Match, ließ sich diese Chance nach einer 30:0-Führung aber entgehen. Bei 6:5 hatte er dann sogar zwei Matchbälle, doch Del Potro fand mit zwei Assen die perfekte Antwort.

Del Potro gewinnt Tiebreak mit 7/1

Mit dem Tiebreak-Gewinn von 7/1 entscheidet Del Potro den vierten Satz mit 7:6 für sich.

Damit ging es in den Tiebreak, in dem der Argentinier mit 7/1 ganz klar das bessere Ende für sich hatte und nach über 2:40 Stunden den 2:2-Satzgleichstand herstellte.

Happy End für Del Potro

In der Entscheidung waren beide Spieler bei eigenem Aufschlag vorerst unantastbar. Im sechsten Game musste Thiem dann nach 0:40 allerdings gehörig zittern, er schaffte aber den Ausgleich zum 3:3. Bei 4:5 konnte er einen Matchball abwehren, den zweiten verwertete Del Potro nach 3:34 Stunden aber.

Thiem verliert

Nach 2:0-Rückstand dreht Del Potro das Match noch um.

„Ich weiß nicht, was ich nach so einem großen Kampf sagen soll“, sagte er beim Interview auf dem Platz. „Ich war krank in den letzten beiden Tagen. Ich habe für euch so gekämpft.“ Seine Fans dankten es ihm mit einem Jubelsturm. Als Belohnung für seinen Kampf wartet nun das Viertelfinal-Duell mit Roger Federer.

Marach verpasst Doppel-Viertelfinale

Im Doppel-Bewerb der Herren war für Oliver Marach ebenfalls im Achtelfinale Endstation. Der Steirer musste sich mit seinem kroatischen Partner Mate Pavic dem langjährigen Nummer-eins-Duo Bob und Mike Bryan aus den USA unmittelbar vor der Thiem-Partie mit 6:4 3:6 4:6 geschlagen geben. In Wimbledon hatten sich Marach/Pavic zuletzt bis ins Finale gespielt. Bei den Junioren gelang dem 18-jährigen ÖTV-Spieler Jurij Rodionov an der Seite von Michael Vrbensky (CZE) ein 6:4 7:6 (7/3)-Auftaktsieg gegen die US-Amerikaner William Grant/Tyler Zink.

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