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Enttäuschendes 1:1 im Prater

72 Stunden nach der Auswärtsniederlage in Wales hat das österreichische Nationalteam den nächsten schweren Rückschlag in der WM-Qualifikation erlitten. Gegen Georgien musste sich die Mannschaft von Cheftrainer Marcel Koller am Dienstag im Wiener Ernst-Happel-Stadion mit einem enttäuschenden 1:1 begnügen. Vor 13.400 Zuschauern reduzierte sich damit die ohnehin nur noch minimale Chance auf ein WM-Ticket noch einmal.

Denn Gruppenleader Serbien feierte in Irland einen für Österreich eigentlich günstigen 1:0-Sieg. Das zweitplatzierte Wales gewann in Moldawien mit 2:0, kann von der einmal mehr enttäuschenden ÖFB-Auswahl aber theoretisch auch noch eingeholt werden. Das alles ist aber nur eine rechnerische Überlegung, denn mit einer Leistung wie gegen Georgien werden die restlichen zwei Partien gegen Serbien (6. Oktober) und in Moldawien (9. Oktober) nicht gewonnen werden. Der für den verletzten David Alaba eingewechselte Louis Schaub erzielte das Tor für Österreich (43.), nachdem Valerian Gwilia (8.) Georgien in Führung gebracht hatte.

Marcel Koller

APA/Herbert Neubauer

Marcel Koller hoffte gegen Georgien vergeblich auf ein Happy End

Koller überrascht mit Startformation

Koller hatte in seiner Anfangself im Vergleich zum 0:1 in Wales gleich vier Änderungen vorgenommen. Anstelle von Stefan Lainer begann der gebürtige Schweizer Moritz Bauer als Rechtsverteidiger und feierte damit sein Teamdebüt. In der Innenverteidigung kam Kevin Danso für den verletzten Sebastian Prödl zum Zug. Neu waren außerdem Florian Grillitsch (für Stefan Ilsanker) als zweiter Sechser neben Kapitän Julian Baumgartlinger und Florian Kainz (für den verletzten Marcel Sabitzer) auf der rechten Flügelposition.

Weniger überraschend als Kollers Aufstellung war leider der schwache Besuch des achten WM-Qualispiels. Vorbei sind vorerst die Zeiten, als um Länderspielkarten ein wochenlanges „Griss“ war. Alle, die da waren, hatten sich jedenfalls die Bezeichnung „echte“ Fans verdient. Der Österreichische Fußballbund (ÖFB) sollte sie mit Gratistickets für das nächste Heimmatch gegen Serbien am 6. Oktober belohnen. Von der Nationalmannschaft verwöhnt wurden sie in der Anfangsphase gegen Georgien nicht.

Kalte Dusche in achter Minute

An Lauf- und Zweikampfbereitschaft mangelte es der Koller-Elf nicht, dafür aber an Passgenauigkeit und zündenden Ideen. Und nach nicht einmal acht Spielminuten fingen sich die Hausherren auch noch ein fürchterlich ärgerliches Gegentor ein. Danso spielte in der Vorwärtsbewegung einen scharfen flachen Pass auf Baumgartlinger, der den Ball wegspringen ließ - direkt zu Jano Ananidze. Der zog aufs Tor, brachte Valerian Gwilia in Stellung, und der Mittelfeldmann bezwang ÖFB-Goalie Heinz Lindner zum 1:0, nachdem er im Strafraum noch den zurückgeeilten Danso versetzt hatte.

Gvilia bringt Gäste voran (8.)

Valerian Gvilia düpierte die österreichische Abwehr und stellte auf 1:0 für Georgien

Schlimmer hätte die Partie für die ohnehin nicht gerade vor Selbstvertrauen strotzenden Österreicher nicht beginnen können. In einige missglückte Angriffsversuche mischten sich prompt auch vereinzelte Pfiffe aus dem Publikum. Sturmspitze Martin Harnik hatte in der 18. Minute Riesenpech, als er einen Kopfball in Bedrängnis an die Latte setzte. Kainz hatte von rechts die gute Flanke geschlagen. Ein Weitschuss von Grillitsch (19.) strich relativ knapp über das Tor.

Abschluss- und Verletzungspech

Dann vergab Marko Arnautovic (32.) wie schon in Wales eine Riesenchance. Nachdem sich der West-Ham-Legionär mit Ballglück gegen zwei Georgier durchgesetzt hatte, riss ihm der Schuss aus guter Position völlig ab. Es wollte nicht sein, auch weil die Gastgeber nicht druckvoll genug agierten. Österreich hatte mehr Ballbesitz und technische Vorteile, aber zu wenig Selbstvertrauen und keinen Zug in Richtung Tor. Der nächste Schock ließ nicht lange auf sich warten: David Alaba verletzte sich in einem Zweikampf am Sprunggelenk und musste durch Louis Schaub ersetzt werden (38.).

David Alaba

APA/Georg Hochmuth

David Alaba humpelte nach 38 Spielminuten verletzt vom Feld

Alaba-Ersatzmann Schaub trifft

Auch Kainz (42.) reihte sich in die schier endlose Reihe in dieser WM-Quali vergebener Torchancen ein, als er aus kurzer Distanz am reaktionsschnellen Georgien-Schlussmann Giorgi Makaridze scheiterte. Alabas Ersatzmann Schaub, unter dem das Spiel der Österreicher gleich eine Spur schwungvoller und direkter geworden war, musste es schließlich richten. Der Rapidler knallte den Ball aus kurzer Distanz von halbrechts zum längst fälligen 1:1 (43.) in die kurze Ecke, nachdem Harnik davor aus zentraler Position und vier Metern Entfernung volley den Tormann angeschossen hatte.

Ausgleich durch Schaub (43.)

Martin Harnik scheiterte zunächst per Volley an Tormann Georgi Makaridze, ehe im zweiten Versuch Louis Schaub noch der Ausgleich zum 1:1 gelang.

Für Schaub war es im dritten A-Länderspiel das erste Tor. Bauer hatte die Aktion rechts am Fünfer nach einer hohen Hereingabe von Kainz per Kopf eingeleitet. Überhaupt spielten die Neuen keine schlechte erste Hälfte, Grillitsch und Kainz waren Aktivposten. Von Arnautovic wiederum musste nach der Pause mehr kommen - tat es auch, denn in der 50. Minute verfehlte er das Tor nach gutem Dribbling mit einem gefährlich angetragenen Innenristschlenzer nur knapp. Auch die Zuschauer wachten wieder auf, alle hofften auf den Führungstreffer des insgesamt doch klar besseren ÖFB-Teams.

Zittern, Hoffen - vergeblich

Doch die Minuten verrannen, ohne dass sich die Österreicher nennenswerte Gelegenheiten herausspielten. Von den Georgiern kamen gelegentliche Konter, die allerdings auch nicht berauschend ausgeführt waren. Am gefährlichsten wurden die Gäste in der 63. Minute durch Rapid-Stürmer Giorgi Kwilitaia, der vor Lindner an einer Flanke vorbeirutschte. Langsam musste Koller reagieren, von der Bank zusätzliche Offensivkraft bringen. Das tat der Schweizer, indem er Marc Janko für den glücklosen Harnik einwechselte.

Der ÖFB-Auswahl lief die Zeit davon, was die Aufgabe auch nicht leichter machte. Danso (73.) verfehlte eine scharfe Eckballflanke von Kainz um Haaresbreite. Lindner musste auf der anderen Seite erstmals wirklich eingreifen (77.), als er einen Schuss von Valeri Kazaischwili parierte. Das Problem war, dass von den Österreichern vorne einfach zu wenig kam, als dass der massive Abwehrverbund der Georgier ohne Spielwitz bzw. schnelles Direktspiel nicht auszuhebeln war. Für die letzten zehn Minuten brachte Koller noch Stefan Ilsanker statt Grillitsch, aber keinen zweiten Stürmer. Dementsprechend fehlte auch im Finish die Durchschlagskraft.

WM-Qualifikation, Gruppe D, achter Spieltag

Dienstag:

Österreich - Georgien 1:1 (1:1)

Wien, Ernst-Happel-Stadion, 13.400 Zuschauer, SR Grinfeld (ISR)

Torfolge:
0:1 Gwilia (8.)
1:1 Schaub (43.)

Österreich: Lindner - Bauer, Danso, Dragovic, Hinteregger - Baumgartlinger, Grillitsch (80./Ilsanker) - Kainz, Alaba (38./Schaub), Arnautovic - Harnik (68./Janko)

Georgien: Makaridze - Kakabadze, Kwirkwelia, Kashia, Nawalowski - Kazaischwili (92./Khocholawa), Kankawa, Kwekweskiri, Gwilia (69./Merebaschwili), Ananidze - Kwilitaia (88./Dwalischwili)

Gelbe Karten: Kainz, Danso bzw. Kwilitaia

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