„Wollen Weg gemeinsam weitergehen“
Einer komplett verkorksten WM-Qualifikation der österreichischen Nationalmannschaft hat das 1:1 zu Hause gegen Georgien das i-Tüpfelchen im negativen Sinn beschert. „Dieselbe Platte“, wie es Kapitän Julian Baumgartlinger formulierte, musste auch am Dienstag nach dem Remis gegen den Fünften der Gruppe D aufgelegt werden: Mangelnde Effizienz und vermeidbare Fehler führten im Ernst-Happel-Stadion wie in den Partien davor zum Misserfolg, der direkt zur Diskussion über Marcel Koller führte.
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Der Vertrag des seit der EM 2016 schwer in die Kritik geratenen Teamchefs läuft nach den Partien gegen Serbien und Moldawien (6. und 9. Oktober) aus. Ob Koller diese beiden Spiele überhaupt noch als Cheftrainer absolvieren darf oder will, wird sich aber erst nach Gesprächen mit ÖFB-Präsident Leo Windtner und Sportdirektor Willi Ruttensteiner in den nächsten Tagen entscheiden. Von seinen Spielern erhielt der Schweizer nach der wohl endgültig verpassten WM-Chance jedenfalls volle Rückendeckung.

APA/Georg Hochmuth
Aleksandar Dragovic und Co. konnten ihrem Teamchef Marcel Koller am Dienstag nicht mit einem Sieg über Georgien unter die Arme greifen
„Stopp! Aufhören!“, unterbrach Marko Arnautovic nach dem Georgien-Match alle diesbezüglichen Fragen gleich im Ansatz. „Nicht der Trainer steht auf dem Platz, sondern wir. Wir haben es nicht geschafft, das umzusetzen, was er uns vorgegeben hat. Mit ihm haben wir die EM erreicht. Er hat mit der Mannschaft Großes erreicht. Er verdient größten Respekt“, so Arnautovic über Koller. „Er ist seit sechs Jahren hier. Hört auf mit Schlagzeilen wie ‚Marcel Koller?‘ Jeder in der Mannschaft will, dass wir den Weg mit ihm weitergehen“, stellte der West-Ham-Legionär klar.
„Cut sollte man sich gut überlegen“
„Er hat viel aus diesem Team gemacht“, so Arnautovic. „Wir denken nicht daran, dass er geht oder gehen muss. Natürlich wird es Gespräche geben mit dem Sportdirektor und dem Präsidenten. Und dann ist es natürlich auch seine Entscheidung. Aber wir wollen, dass er bleibt.“ Für den gegen die Georgier von einer Wadenmuskelverhärtung geplagten Flügelspieler ist klar, dass nun mentale Stärke gefragt ist. „Im Fußball geht es nicht immer nur nach oben“, sagte Arnautovic. „Dann muss man einfach weitermachen und hart erarbeiten, damit es sich wieder umdreht.“
Auch die anderen Spieler brachen in der Mixed-Zone nach dem Match eine Lanze für Koller. „Wir Spieler sind in der Verantwortung, weil wir die Qualifikation nicht entsprechend absolviert haben. Wir haben die Spiele nicht gewonnen, und dann gibt es automatisch die Diskussion um den Trainer“, so Baumgartlinger. „Das ist das Geschäft.“ Der Leverkusen-Legionär sprach sich wie alle seine Kollegen für einen Verbleib von Koller aus.
Bitteres ÖFB-Remis gegen Georgien
Das enttäuschende 1:1 in der WM-Quali gegen Georgien hat die Diskussion über die Zukunft von Teamchef Marcel Koller angeheizt.
„Man darf nicht vergessen, dass er in den letzten sechs Jahren etwas Großes aufgebaut hat“, so Baumgartlinger. „Er hat in Österreich etwas geleistet, das soll man nicht einfach wegwischen. So wie er uns in der letzten Woche auf Wales und Georgien vorbereitet hat, habe ich auch nicht das Gefühl, dass er aufhören will“, berichtete der Kapitän über eine intensive Trainingswoche. „Jetzt mit einem Trainerwechsel und Cut wieder bei null anzufangen, das sollte man sich gut überlegen.“
Umbruch wurde eingeleitet
Die Tatsache, dass der oft für sein Festhalten am Stammpersonal kritisierte Koller nach der verpatzten EM und dann vor allem in den letzten Monaten aufgrund vieler Verletzungen schon einen personellen Umbruch eingeleitet hat, führte Martin Hinteregger ins Treffen. „Wie wichtig es war, Kontinuität zu haben wie wir in der EM-Qualifikation, hat man jetzt gesehen“, sagte der Augsburg-Verteidiger. „Diesen Umbruch mit neuen Spielern müssen wir in Zukunft meistern. Man muss sich neu finden, diese Aufgabe müssen wir annehmen“, fügte Hinteregger hinzu.

Reuters/Leonhard Foeger
An Einsatzwillen hat es bei Martin Hinteregger noch nie gemangelt
Dass man diese nächsten Herausforderungen mit Koller angehen sollte, ist auch für Hinteregger klar. „Der Teamchef hat zu jedem einen guten Draht, er erreicht jeden, und wir wollen den Weg gemeinsam weitergehen“, schloss sich der Defensivmann dem Plädoyer seiner Kollegen für den Schweizer Teamchef an. „Aber wir hätten ihm helfen können mit mehr Toren und besserer Verteidigung“, meinte Hinteregger mit Blick auf die Qualifikation. „Das haben wir nicht geschafft, und das kann man nicht am Teamchef festmachen“, betonte er einmal mehr. „Wir mögen ihn, und er mag uns. Und wir kennen seine Vorstellungen.“
Die kennt nun auch Moritz Bauer, der in den letzten zehn Tagen erstmals im Team war und gegen Georgien ein passables Debüt gab. „Das spricht für die Mannschaft, dass ich gleich gut reingekommen bin“, meinte der Russland-Legionär von Rubin Kasan. „Dennoch ist es eine sehr bittere Woche, weil wir uns viel vorgenommen hatten und beide Male nah dran waren“, so Bauer zur Niederlage in Wales und der gefühlten Niederlage gegen Georgien. „Zum Teamchef kann ich als Neuer nur sagen, dass er ein guter Trainer mit einer guten jungen Mannschaft ist. Ich kann nur Positives berichten.“
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Harald Hofstetter, ORF.at