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Kandidaten, aber (noch) kein Goleador

Zehn Tore hat das österreichische Nationalteam an bisher acht Spieltagen der WM-Qualifikation erzielt. Im gesamteuropäischen Vergleich aller neun Gruppen und 54 Teilnehmer befindet sich die Mannschaft von Cheftrainer Marcel Koller damit auf Platz 29. Marko Arnautovic ist mit drei Treffern bisher der Toptorjäger der Österreicher. Kollers nominelle Stürmer Marc Janko und Martin Harnik halten bei zwei bzw. einem Tor. Kurz gesagt: Dem Team fehlte in dieser verpatzten Qualiphase eindeutig ein „Knipser“.

Vollblutangreifer wie es etwa ÖFB-Rekordtorschütze Toni Polster (44 Länderspieltore) und Hans Krankl (34) waren, sind selten. International ist derzeit in Europa der polnische Goalgetter Robert Lewandowski das Maß aller Dinge. Der Bayern-Angreifer hält in der laufenden WM-Qualifikation bei sensationellen zwölf Toren. Janko war in der erfolgreichen Qualifikation für die EM 2016 in Frankreich mit sieben Treffern der Erfolgsgarant. Verletzungen und der natürliche Zahn der Zeit nagten seither am Sparta-Prag-Legionär.

Marc Janko

APA/Hans Punz

Lange ruhten alle Hoffnungen auf wichtige Tore auf den Schultern von Marc Janko - das muss sich ändern

Ein Nachfolger wird für die Nations League und die EM-Quali dringend gesucht. Mit dem höchstwahrscheinlichen Ende der Ära Koller werden die Karten neu gemischt. Marko Arnautovic betonte nach dem 1:1 gegen Georgien zwar vehement, dass man gute Stürmer habe, für die es aber zuletzt einfach nicht sein wollte. Frisches Offensivblut in Stammelf und Kader wird den Österreichern künftig dennoch guttun. Und vielleicht wendet der neue Cheftrainer seinen Blick auch wieder mehr auf die heimische Liga als Koller, der Legionären unabhängig von Form und Spielpraxis den Vorzug gab.

Burgstaller wartet noch auf Torpremiere

Auf den ersten Blick ist Guido Burgstaller vielleicht der heißeste Anwärter auf die Position als etatmäßige ÖFB-Spitze. Hätte sich der 28-jährige Kärntner nicht vor dem „Doppel“ in Wales und gegen Georgien verletzt, wäre der Schalke-Legionär wohl Kollers erste Wahl gewesen. Seinem ersten Tor im Nationalteam läuft Burgstaller nach elf A-Länderspieleinsätzen noch hinterher. In Gelsenkirchen, wo Burgstaller im Jänner aus Nürnberg kommend gelandet war, klappte es dafür mit zwölf Treffern in 26 Pflichtspielen umso besser.

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Burgstaller hat alles, was ein Stürmer braucht: Kopfballstärke, körperliche Präsenz, einen bärenstarken linken Fuß und den oft zitierten Torriecher. Wenn er sich bei den Schalkern nach seiner Fußprellung wieder einen Stammplatz erkämpft und so auftritt wie im deutschen Bundesliga-Frühjahr, ist er auch aus dem österreichischen Nationalteam in nächster Zeit nicht wegzudenken.

Gregoritsch muss in Augsburg Fahrt aufnehmen

Neben Burgstaller ist für die Nations League und die EM-Quali auch mit Michael Gregoritsch zu rechnen. Der 23-Jährige wechselte im Sommer vom Hamburger SV zu dessen Bundesliga-Konkurrenten FC Augsburg. 30 Einsätze mit fünf Toren und drei Assists verbuchte der Steirer in der vergangenen Saison für den HSV, der ihn dennoch nicht als wertvolle Zukunftsaktie erachtete. In Augsburg kann Gregoritsch beweisen, dass das ein Fehler war. In zwei Runden und einer DFB-Pokalpartie gelang noch kein Treffer, aber zumindest schaut es auch heuer wieder nach regelmäßigen Einsätzen aus.

Michael Gregoritsch

GEPA/Felix Roittner

Michael Gregoritsch hat die Anlagen für einen international konkurrenzfähigen Mittelstürmer

Im U21-Nationalteam war der Sohn von Teamchef Werner Gregoritsch mit 20 Toren in 29 Spielen ein echter Goalgetter. Das Zeug dazu, es auch im A-Team zu werden, hat er allemal. 1,93 Meter Körpergröße machen den Linksfuß zu einem gefährlichen Mittelstürmer mit „Knipser“-Anlagen und gutem Spielverständnis. Vier Einsätze hat Gregoritsch unter Koller bekommen, Tor ist ihm dabei leider keines gelungen. Das muss sich demnächst ändern.

Hinterseer greift aus dem Ruhrpott an

Wie Gregoritsch hat auch Lukas Hinterseer einen Sommertransfer hinter sich. Vom Bundesliga-Absteiger Ingolstadt ging es zum gestandenen Zweitligisten VfL Bochum, wo der 26-jährige Tiroler gleich gut eingeschlagen hat. Ein Ligator und drei Treffer in der ersten DFB-Pokalrunde verschafften dem 1,92 Meter großen Rechtsfuß einen guten Start im Ruhrgebiet. Was Hinterseer leider mit Burgstaller und Gregoritsch verbindet: Er wartet noch auf sein erstes Tor im Nationalteam - und das nach zwölf Einsätzen unter Koller, die teilweise aber auch sehr kurz ausgefallen sind.

Auch in Ingolstadt war der Neffe von Schlagerstar Hansi Hinterseer in der vergangenen Saison nicht über die „Joker“-Rolle hinausgekommen. 28 Einsätze absolvierte er 2016/17, nur fünf über die volle Distanz. Wohl auch deshalb stand der Tiroler zuletzt nicht in Kollers Kader für Cardiff und Wien, sondern nur auf Abruf bereit. Das wird in Bochum besser werden, wo er gesetzt zu sein scheint.

Alar ist reif für Teamdebüt

Aus der österreichischen Bundesliga bietet sich derzeit vor allem Deni Alar an, der unter Koller keine Chance hatte. 16 Bundesliga-Tore erzielte der 27-jährige Stürmer in der vergangenen Saison für Sturm Graz. Am Traumstart der Steirer im Sommer hatte Alar mit bisher drei Toren auch seinen Anteil - dazu traf er zuletzt je einmal in Europa-League-Quali und ÖFB-Cup. Sturm-Trainer Franco Foda, der in diversen Medien als ein möglicher Nachfolger Kollers gehandelt wird, ist von den Qualitäten des Angreifers überzeugt.

Deni Alar

GEPA/Christian Ort

Im ÖFB-Kader stand Alar schon, auf einen Einsatz für das A-Team wartete der bereits 27-Jährige aber bisher vergeblich

Nun wird es Zeit für Alars Debüt im Nationalteam. Die in der Gruppe D praktisch bedeutungslosen WM-Qualipartien gegen Serbien (6. Oktober) und in Moldawien (9. Oktober) sind dazu gut geeignet. Dann folgt im November noch ein Testspiel. Trifft er bei Sturm in den nächsten Wochen das eine oder andere Mal ins Schwarze, muss er dabei sein. Linksfuß Alar könnte der gesuchte ÖFB-„Knipser“ sein.

Rohdiamant Jakupovic in Empoli

In Italien gelandet ist heuer ein österreichischer Rohdiamant mit bosnischen Wurzeln. Der erst 19-jährige Arnel Jakupovic blickt bereits auf ein bewegtes Fußballerdasein zurück. Mit 17 Jahren kam er von den Austria Amateuren auf die Insel zum FC Middlesbrough, der ihn in der U21-Mannschaft spielen ließ. Dann folgte im vergangenen Jänner der Wechsel zu FC Empoli, wo er im Frühjahr für einige Minuten Serie-A-Luft schnuppern durfte. Der Abstieg in die Serie B ist für den 1,86 Meter großen Linksfuß nicht schlecht, zumal er in Italiens zweithöchster Klasse auf mehr Einsätze hoffen darf.

Arnel Jakupovic

GEPA/David Rodriguez Anchuelo

Diverse Nachwuchs-Auswahlen des ÖFB hat Arnel Jakupovic schon verheißungsvoll durchlaufen

In den österreichischen Nachwuchs-Nationalteams hat Jakupovic jedenfalls schon Spuren hinterlassen. Stolze zwölf Tore in 16 U19-Länderspielen erzielte der Mittelstürmer. In bisher fünf U21-Partien steuerte er immerhin auch schon zwei Tore bei. Jakupovic könnte also einer für die Zukunft sein, wenn er im Ausland durchhält.

Kvasina wie der junge Janko

Ebenfalls von der Austria ging es für Angreifer Marko Kvasina im Sommer in die große Fußballwelt hinaus. Auf den Spuren von Janko sucht der 20-jährige Sturmtank mit 1,94 Meter Körpergröße bei Twente Enschede als erster Auslandsstation sein Glück. In der niederländischen Eredivisie kam Kvasina zu Saisonbeginn gleich zum Zug, wobei es in drei Runden noch zu keinem Tor reichte. Einmal schlug er in 13 Partien im U21-Nationalteam zu. In der U19 hatte es Kvasina in zehn Länderspielen immerhin zu acht Treffern gebracht. Neben Twente erinnert bei ihm auch die Statur an Janko.

Friesenbichler muss noch zulegen

Mit 23 Jahren wird es auch für Kevin Friesenbichler langsam, aber sicher Zeit. Der 1,88 Meter große Linksfuß scheint nach Jahren des „Joker“-Daseins bei der Austria heuer mehr zum Zug zu kommen. Trainer Thorsten Fink setzte den Mittelstürmer in bisher sechs Bundesliga-Runden über die volle oder zumindest eine beträchtliche Distanz ein. Zwei Tore waren zumindest ein guter Anfang für Friesenbichler, der in Kollers Überlegungen keine Rolle spielte.

Dabei stellte der Steirer seine Torgefahr in der ÖFB-U21 mit acht Treffern in 19 Partien unter Beweis. Nun liegt es am Austrianer, in der Bundesliga mit starken Leistungen auf sich aufmerksam zu machen. Auch für Friesenbichler ist der wahrscheinliche Trainerwechsel eine Chance, den Sprung ins Team zu schaffen.

Youth-League-Held Wolf im Kommen

Ein offensiver Mittelfeldmann mit Knipserqualitäten ist unterdessen in Salzburg schwer im Kommen. Der 18-jährige Hannes Wolf zeigte in den ersten Bundesliga-Runden mit drei Treffern für die „Bullen“ auf. Beim Youth-League-Triumph der jungen Salzburger wusste er Marco Rose derart zu überzeugen, dass ihn der zum Cheftrainer der Ersten Mannschaft beförderte Deutsche mit nach „oben“ nahm. Der hochtalentierte Steirer fasste im Red-Bull-Bundesliga-Kader schnell Fuß. Das könnte er vielleicht auch im A-Team schaffen, nachdem er in zwei U21-Länderspieleinsätzen noch ohne Tor geblieben war.

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