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„Juan Martin hat es mehr verdient“

Eine Rückenverletzung hat seine Vorbereitung auf die US Open in New York einigermaßen gestört gehabt. Doch Roger Federer spielte sich mit zwei Fünfsatzerfolgen ins Turnier und die Hoffnungen, vielleicht nach den Australian Open und Wimbledon mit 36 Jahren auch noch einen dritten Grand-Slam-Titel im Jahr 2017 zu holen, waren bei ihm und seinen Fans gestiegen. Doch im Viertelfinale kam am Mittwoch das Aus.

Juan Martin del Potro riss nach 2:52 Stunden und einem nicht erwarteten 7:5 3:6 7:6 (10/8) 6:4-Sieg über den Weltranglistendritten die Arme in die Höhe. Die Szene erinnerte ein wenig an jene vom Montag: Auf dem Grandstand hatte der 28-jährige Argentinier einen 0:2-Satzrückstand gegen Dominic Thiem ebenso aufgeholt wie zwei Matchbälle des Niederösterreichers mit zwei Assen abgewehrt. Dabei hatte er in den ersten beiden Sätzen von einer Verkühlung schwer angeschlagen gewirkt und sogar ans Aufgeben gedacht.

Del Potro bezwingt Federer

Juan Martin del Potro hat erneut zugeschlagen: Der Argentinier setzte sich im Viertelfinale der US Open überraschend gegen Turnierfavoriten Roger Federer durch.

Davon war im Arthur Ashe Stadium zwei Tage später nichts mehr zu bemerken. Während Del Potro nun am Freitag mit einem Sieg über Rafael Nadal sein zweites US-Open-Finale nach 2009 erreichen will, tritt Federer die Heimreise an. Eine bittere Niederlage für den Schweizer Superstar, aber er ist keinesfalls verbittert. „Natürlich ist es schade, aber Juan Martin hat es mehr verdient“, erklärte Federer.

Ein vorbildlicher Verlierer

Vier vergebene Satzbälle im Tiebreak des dritten Durchgangs sind im Nachhinein der Aufhänger für die Niederlage, doch Federer sieht da weit mehr Hintergründe. „Für mich ist kein Platz im Semifinale und er wird eine bessere Chance haben, Rafa zu schlagen, um ehrlich zu sein“, sagte Federer und überraschte damit die Journalisten nach Mitternacht in den Katakomben des größten Tennisstadions der Welt.

Roger Federer

APA/AFP/Don Emmert

Roger Federer war mit seiner Leistung im gesamten Turnierverlauf in Flushing Meadows nicht zufrieden

So wie er selbst derzeit spiele, reiche es eben nicht. „Nicht gut genug, um das Turnier zu gewinnen. Da ist es besser, ich bin draußen und jemand anderes hat die Chance, es besser als ich zu machen.“ Das hat man von einem Star fast unmittelbar nach einer Niederlage so noch nicht oft gehört - und wenn, dann wohl von Federer selbst. Den Traum vom dritten Major-Titel in seinem sensationellen Comeback-Jahr nach Melbourne und Wimbledon musste er aber abhaken. Del Potro sei einfach besser gewesen. „Besonders bei den Big Points.“

Wieder kein US-Open-Duell Federer - Nadal

Dass es nun weder zum ersten Duell bei den US Open überhaupt mit Nadal kommt, noch zum großen Match um die Nummer eins, darüber habe er auch vor dem Spiel gegen Del Potro nicht nachgedacht. „Ich nicht, ihr habt das getan“, sagte er zu den Medienvertretern. „Ich wusste, dass es ein hartes Match wird. Ich hatte vorher schon zu viele Probleme, um weit voraus zu denken.“

Er würde freilich lügen, wenn ihn die Niederlage nicht kümmert. „Natürlich bist du immer enttäuscht, wenn du verlierst. Es ist schrecklich, daran zu denken, was vor einem liegt: Koffer packen, heimreisen. Das nervt einen als Tennisspieler und macht keinen Spaß. Also muss es wehtun und das tut es auch“, konstatierte Federer. Doch seine Perspektive sei in diesem Alter und nach der bisherigen Saison eine andere. „Ich werde mich schneller davon erholen. Aber natürlich hätte ich gerne hier mehr erreicht.“

Während des gesamten Turniers sei zu viel auch von seinem jeweiligen Gegner abgehangen. „Und dieses Gefühl mag ich nicht. Dieses Gefühl hatte ich das gesamte Turnier und vor jedem Match.“ Weder in Wimbledon noch in Melbourne habe er das verspürt. „Und deshalb bin ich zu Recht aus dem Turnier draußen. Weil ich nicht gut genug war, weder in meinem Kopf, mit meinem Körper und mit meinem Spiel, um das zu überstehen.“ Wenn diese drei Säulen nicht zusammenpassen würden, dann werde es schwierig.

Ausgerastet zum Saisonfinish

Federer sah sogar schon beim Abgang aus dem Stadion auch das Positive. „Endlich kann ich mich ausrasten. Weil ich bin müde. Ich habe viel reingesteckt. Ich war nicht sicher, ob ich spielen kann, also bin ich froh, dass ich jetzt ausrasten kann“, gestand der 36-Jährige. Seine Saison geht beim neu geschaffenen Laver Cup in Prag (22. bis 24. September) weiter. Danach spielt Federer Schanghai, Basel, Paris und bei den ATP World Tour Finals in London.

„Ich hoffe, ich bin dann gut erholt und bin 100 Prozent fit zum Laver Cup. Dann hoffe ich, dass ich früh in Schanghai ankomme, um wirklich bereit zu sein. Es wird meine Priorität sein, das Turnier zu gewinnen“, stellte Federer fest. Auch wenn nach diesem Jahr alles nur noch ein Bonus ist, so hofft er, dass „noch mehr“ kommt. „Ich hatte ein wundervolles Jahr. Aber es ist nun mal Teil des Spiels, ich kann nicht alles gewinnen.“ „Normalerweise“ aber, ergänzte der 19-fache Major-Sieger, „spiele ich gegen Ende der Saison sehr gut.“

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