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Mit Schwung „einer anderen Welt“

Maximilian Wöber zählt zur kleinen Gruppe von Legionären, die mit viel Selbstvertrauen zum Lehrgang von Österreichs Nationalteam vor dem WM-Qualiabschluss gegen Serbien und Moldawien angereist sind. Der 19-Jährige stand am Sonntag erstmals in der Liga in der Startelf von Ajax Amsterdam und erzielte auswärts gegen Heerenveen prompt das Tor zum 4:0-Endstand.

„Ein Tor im ersten Spiel von Anfang an zu erzielen ist ein Wahnsinn. So etwas gibt mir noch einmal einen zusätzlichen Schub“, sagte der Innenverteidiger. Wöber war im Finish aus einem Gestocher nach einem Eckball erfolgreich. „Ich hätte sogar einen Hattrick schaffen können. Davor ist ein Kopfball von mir knapp danebengegangen, ein anderer auf der Linie abgewehrt worden“, erzählte der Wiener der APA. „Aber ich bin natürlich auch mit einem Tor sehr zufrieden.“

Jubel von Maximilian Wöber (Ajax)

GEPA/Pro Shots/Jasper Ruhe

Maximilian Wöber durfte sein erstes Tor für Ajax bejubeln

Dass es der Abwehrspieler in die Ajax-Anfangsformation schaffte, lag auch an der Erkrankung von Linksverteidiger Mitchell Dijks. Dadurch rückte der linke Innenverteidiger Nick Viergever auf dessen Position, und für Wöber war ein Platz frei, den er nun behalten möchte. „Wir werden sehen, wie es in den nächsten Wochen weitergeht. Ich habe mich zumindest einmal empfohlen“, meinte der Ex-Rapidler.

„Es wird extrem akribisch gearbeitet“

Beim niederländischen Rekordmeister fühlte sich der Linksfuß nach seinem Wechsel im August um 7,5 Millionen Euro sofort wohl. „Ein irrsinnig cooler Club, eine andere Welt. Es wird sehr viel Wert aufs Fußballspielen gelegt, man möchte nur im Ballbesitz sein. Die Trainings sind anders aufgebaut, es wird extrem akribisch gearbeitet und auf kleinste Details geachtet“, berichtete Wöber, der vor einer Woche vom Hotel in seine neue Wohnung übersiedelte.

Nicht nur deshalb fand der Wiener an seiner neuen Wirkungsstätte schnell Gefallen. „Ich bin super aufgenommen worden. Mir haben gleich 15 Spieler ihre Telefonnummer gegeben, falls ich Hilfe brauche.“ Auf regelmäßige Einsätze musste Wöber aber zunächst warten. Zwar wurde er wenige Tage nach dem Transfer für zehn Minuten gegen Venlo aufs Feld geschickt, danach machten dem Verteidiger aber Adduktorenprobleme und eine Erkrankung zu schaffen.

„Rund um den Wechsel und der ersten Teamnominierung im September ist viel auf mich eingeprasselt. Vielleicht hat sich das auf meinen Körper ein bisschen ausgewirkt“, vermutete Wöber. Vor dem Heerenveen-Match hatte der ÖFB-Internationale in den Niederlanden drei Pflichtspiele absolviert - nach der Venlo-Partie beim 5:1 im Cup gegen Scheweningen am 20. September und fünf Tage später beim 1:1 der zweiten Ajax-Mannschaft in der zweithöchsten Liga gegen Telstar jeweils über 90 Minuten.

Nur beim Einstandssingen versagt

Nun will Wöber in der ersten Mannschaft weiter Fuß fassen. „Die Verantwortlichen bei Ajax wissen genau, wieso sie mich verpflichtet haben, und werden mir sicher weitere Chancen geben, und die möchte ich nutzen.“ Die Chance, als Sänger Anerkennung zu finden, hat er jedenfalls vertan. Zum Einstand musste Wöber vor seinen Mitspielern eine Musiknummer vortragen und entschied sich für „I am from Austria“, was auf wenig Anklang stieß. „Niemand hat das Lied gekannt oder den Text verstanden, und es hat ihnen auch nicht gefallen. Aber das ist an mir gelegen, nicht am Lied“, erzählte er.

Beim ÖFB-Team blieb ihm vor einem Monat ein Aufnahmeritual erspart - auch deshalb fand er sich nach eigenen Angaben im Kreis von David Alaba und Co. auf Anhieb gut zurecht. Zum Debüt reichte es gegen Wales und Georgien nicht. Ob es diesmal in Abwesenheit des verletzten Sebastian Prödl mit der Premiere klappt, wagte Wöber nicht zu prophezeien. „Wenn man dabei ist, möchte man spielen. Es ist ein Kindheitstraum, im Happel-Stadion mit dem Teamleiberl mein Land zu vertreten, etwas Schöneres kann man sich als Fußballer nicht vorstellen. Aber ich stelle keine Forderungen.“

Faktor Zeit spricht für Wöber

Falls Marcel Koller auf Kevin Danso als zweiten Innenverteidiger neben Aleksandar Dragovic setzen sollte, würde für Wöber keine Welt zusammenbrechen. „Jede Minute wäre unglaublich. Ich wäre aber auch nicht enttäuscht, wenn ich nicht spiele. Wir haben ein gemeinsames Ziel, jedes Spiel zu gewinnen, da muss sich jeder unterordnen“, erklärte er. Wöbers Fokus liegt in den kommenden Tagen vor allem darauf, sich im ÖFB-Kader weiter zu etablieren. „Ich möchte mich im Training empfehlen und die Mannschaft noch besser kennenlernen, doch ich mache mir keinen Druck.“

Florian Kainz, Florian Grillitsch und Maximilian Wöber im ÖFB-Training

GEPA/Christian Ort

Wie viele seiner Kollegen vor ihm wurde Wöber im ÖFB-Team schnell integriert

Der Faktor Zeit spricht für Wöber. „Ich denke, dass ich in Zukunft eine Bereicherung sein kann“, meinte der Youngster, wohl wissend, dass er sich möglicherweise noch länger anstellen muss. Ein Totalumbau der ÖFB-Auswahl ist nämlich auch nach dem Abschied von Koller nicht zu erwarten, und das laut Wöber zu Recht. „Diejenigen, die sich für die EM qualifiziert haben, sind noch immer top. Es braucht keinen drastischen Umbruch“, betonte er.

„Werden bald wieder zu alter Stärke kommen“

Den Erfolgslauf in der EM-2016-Ausscheidung hat der Ex-Rapidler noch mit Begeisterung vor dem TV-Gerät mitverfolgt. Bei der großen Ernüchterung im September, als die letzte WM-Qualihoffnung verspielt wurde, war Wöber mittendrin. „Vor dem Wales-Match hat es eine Aufbruchsstimmung gegeben. Jeder hat an die WM geglaubt, man hat gemerkt, dass ein gemeinsames Ziel verfolgt wurde. Keiner hat sich wegen der Rückschläge davor hängen gelassen, alle haben an einem Strang gezogen.“

Dennoch reichte es gegen Wales und Georgien nur zu einem Punkt, weshalb die laufende Qualifikation wohl nur auf Rang vier abgeschlossen wird. „In der EM-Quali ist alles aufgegangen, jeder war in Topform. Wir werden sicher bald wieder zu alter Stärke kommen - es reicht ein Erfolgserlebnis, und man findet wieder in den Flow zurück“, prophezeite Wöber.

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