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„Haben Schicksal in eigenen Händen“

Islands nächstes Fußballmärchen steht vor der Vollendung. Nur noch ein Heimsieg gegen Schlusslicht Kosovo am Montag (20.45 Uhr MESZ) trennt die Isländer von der ersten WM-Teilnahme. Teilen sich die Ukraine und Kroatien im Verfolgerduell die Punkte, sind sie auf jeden Fall durch. Schon bei ihrer EM-Premiere in Frankreich hatte Island für Schlagzeilen - und ihre Fans für Gänsehautmomente - gesorgt.

Die mit dem sensationellen 3:0-Sieg am Freitag in der Türkei erspielte Großchance auf die WM in Russland lässt auch den Bruder von Österreichs Handball-Teamchef Patrekur Johannesson träumen. „Noch ist nichts entschieden, aber wir haben unser Schicksal in den eigenen Händen“, schrieb Gudni Johannesson am Wochenende auf Facebook. Und der ist in Island immerhin Staatspräsident.

In Frankreich hatten die Isländer nach Siegen gegen Österreich und England (jeweils 2:1) das EM-Viertelfinale erreicht. Nun wollen sie auf die Weltbühne. Teamchef Heimir Hallgrimsson warnte aber vor den Kosovaren, obwohl diese in Gruppe I erst einen Punkt geholt und zuletzt acht Partien in Folge verloren haben. „Das ist ein Team, das wir nicht unterschätzen werden“, betonte der 50-Jährige.

Zahnarzt als Schlüsselfigur

Hallgrimsson gilt als Schlüsselfigur des isländischen Fußballwunders. Der Zahnarzt von der Inselgruppe Vestmannaeyjar ist seit 2011 beim Team - zuerst als Assistent von Lars Lagerbäck, dann bis zur EM 2016 als mit dem Schweden gleichberechtigter Trainer und seither allein verantwortlich. Mit welcher Elf er ins Entscheidungsspiel geht, ließ er offen. „Jeder wird seine Sache gut machen“, sagte Hallgrimsson lächelnd. „Ich bin eigentlich unnötig hier.“

Islands Teamchef Heimir Hallgrimsson

Reuters/Umit Bektas

Hallgrimsson will mit Island nach der EM nun auch die WM aufmischen

Groß ist der Glaube der Isländer an sich selbst, groß auch der Rückhalt der Fans, die bei der EM nicht nur mit ihrem „Huh“-Schlachtruf viele Sympathien gewonnen haben. Im 15.000 Zuschauer fassenden Laugardsvöllur-Stadion von Reykjavik wird man sich auf eine besondere Atmosphäre einstellen müssen. Geleitet wird die Partie vom österreichischen Referee Harald Lechner.

Auf einen Ausrutscher der Isländer hoffen die Ukraine und Kroatien, die jeweils zwei Punkte zurückliegen und im direkten Duell in Kiew aufeinandertreffen. Das 1:1 am Freitag gegen Finnland hat Kroatiens Teamchef Ante Cacic den Kopf gekostet, sein Nachfolger Zdravko Dalic soll das derzeit zweitplatzierte Team, dem auch Salzburg-Verteidiger Duje Caleta-Car angehört, zumindest ins Play-off führen.

Spanien konzentriert sich auf das Sportliche

In Gruppe I sind die Positionen bereits bezogen. Spanien fährt als Gruppensieger zur WM, Italien muss als Zweiter in die Barrage. Zum Abschluss ihrer bisher ungeschlagenen Kampagne gastieren die Spanier am Montag in Israel - ohne Gerard Pique. Der ob seiner offenen Unterstützung für die katalanische Unabhängigkeitsbewegung in den Mittelpunkt gerückte Innenverteidiger des FC Barcelona fehlt in Jerusalem gesperrt.

Pique will trotz der Diskussionen um seine Person weiter für Spanien spielen - auch auf Wunsch von Teamchef Julen Lopetegui, der nach öffentlichen Anfeindungen des Verteidigers von einer „schwierigen Woche“ sprach. „Wir sollten den Fokus wieder auf die positiven Dinge richten - im Fußball wie in unserem Land“, meinte Lopetegui. Bei der WM soll Pique dann wieder mit Real Madrids Sergio Ramos für Sicherheit in der Abwehr sorgen.

Italien sucht seinen „Enthusiasmus“

Um in Russland überhaupt dabei zu sein, muss Italien Mitte November noch zwei Play-off-Spiele (Auslosung am 17. Oktober) überstehen. Das abschließende Gruppenspiel in Albanien dient auch der Selbstfindung. „Die Niederlage in Spanien hat uns den Enthusiasmus genommen“, erinnerte Abwehrstar Giorgio Chiellini, zuletzt Torschütze beim mageren 1:1 gegen Mazedonien, an das entscheidende 0:3 Anfang September in Madrid. „Aber wir müssen wieder loslegen, mit Arbeit, Selbstvertrauen und ein bisschen Persönlichkeit.“

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