Themenüberblick

„Will nicht als Exotin zu Olympia fahren“

Als erste Kenianerin im Skiweltcup und bei einer WM hat Sabrina Wanjiku Simader im vergangenen Winter Bekanntheit erlangt. Im kommenden Februar wird die 19-Jährige, die in der Steiermark lebt, erstmals auch bei Olympia an den Start gehen. Simader ist für die Spiele 2018 in Südkorea bereits qualifiziert.

Spätestens in Pyeongchang im Februar will die Austrokenianerin, die einst als Dreijährige nach Österreich gekommen war, auch sportlich aus den hinteren Reihen wegkommen. „Ich will nicht als Exotin zu Olympia fahren, sondern als Leistungssportlerin“, betonte Simader.

Insofern unterscheidet sich Simader von Landsleuten wie dem Langläufer Philip Boit, der 1998 in Nagano als erster kenianischer Winter-Olympiateilnehmer zu Berühmtheit gelangt war, darüber aber nicht hinauskam. „Er war zwar nicht der Schnellste, aber er hat nie aufgegeben. Das imponiert mir. Er hat sein Ding durchgezogen“, zollte sie ihm Respekt.

Podest als langfristiges Ziel

Simaders Planung sieht trotz des ernüchternden Starts mit letzten Plätzen im Weltcup und bei der WM freilich mehr vor. „Langfristiges Ziel ist, mit der Kenia-Flagge am Podium zu stehen und die Hymne zu singen. Und zwar mehrfach“, betonte sie. „Ich kann derzeit nicht sagen, wie meine Entwicklung weitergeht. Ich bin aber ehrgeizig und entschlossen und werde alles geben, um dorthin zu kommen“, sagte sie.

Sabrina Wankjiku Simader

GEPA/Mario Kneisl

Im vergangenen Februar gab Simader ihr Debüt auf der großen WM-Bühne

Beeindruckt vom Ehrgeiz Simaders zeigte sich in Wien deshalb auch Kenias Botschafter. „Unser Land hat natürlich mehr Tradition im Mittel- und Langstreckenlauf. Aber Sabrina ist eine wahre Botschafterin. Wo sie ist, ist Kenia. Sie kann später mal an meiner Stelle stehen“, sagte Botschafter Michael Oyugi. Honoriert hat man die bisherigen Leistungen Simaders auch in ihrer Heimat. So wurde der Teenager kürzlich zur „Sportlerin des Jahres“ bei den African Women in Europa Awards 2017 gewählt.

Start in Sölden ist denkbar

Für Simader beginnt nun mit dem Training in Sölden und Hintertux die Vorbereitung auf die Olympiasaison. Dabei soll bei FIS- und Europacup-Rennen vor allem der Punkterückstand auf die Weltelite möglichst halbiert werden, um mit besseren Startnummern in die Rennen gehen zu können. Ein Antreten Ende Oktober beim Weltcup-Auftakt in Sölden ist für Simader, die bevorzugt bei Speed-Rennen antritt, aber offen.

„Ich brauche unbedingt Glatteis fürs Training“, erklärte die Freiluftfanatikerin, die ihre ersten Jahre in Kenia in einem auf 1.800 Meter Seehöhe liegenden Ort namens Uplands („Da ist es in der Früh auch frostig, ich bin es also gewohnt“) verbracht hat. Zusammen mit ihrem Trainer Christian Reif muss sie meist bei anderen Teams unterkommen, um auf professionellen Trainingspisten üben zu können.

Sabrina Wankjiku Simader

GEPA/Andreas Pranter

Simader mit Trainer Reif - die Saisonvorbereitungen sind voll im Gange

„Wenn wir das jetzt zwölf Tage kontinuierlich durchziehen können und ich mich steigere, ist ein Start in Sölden vorstellbar“, meinte Simader. Sie weiß aber auch: „Sölden ist einer der schwierigsten Riesentorläufe überhaupt. Nur dabei sein, macht keinen Sinn.“

Kleines Team mit sechs Leuten

Simaders Miniteam umfasst mittlerweile sechs Personen. Trainer Reif ist weiterhin auch Servicemann, dazu kommen Mama Sarah als „Sekretärin“ und mit Klaus Tritscher neuerdings auch ein Manager. „Da muss man gut zusammenarbeiten“, sagte Simader, die betonte, dass man in so einer Ministruktur als Skirennläuferin mehrere Jobs zu erledigen hat. „Aber so kann ich mitwachsen“, erklärte die 19-Jährige, die nach einer Zeit in der Skiakademie Schladming nun ihren Handelsschulabschluss in Liezen absolviert.

Simaders Marke ist der Schneeleopard, eine im zentralasiatischen Hochgebirge lebende Großkatze. Unübersehbar erkennbar ist das am Design ihrer Rennanzüge. „Ein Schneeleopard ist flott und hat mit dem Leopard in Afrika zu tun. Das ist eine coole Kombination“, nimmt Simader Anleihe an der österreichischen Olympiasiegerin Anna Veith, die bekanntlich den Geparden zum Lieblingstier erkoren hat. Simader: „Der Schneeleopard ist fokussiert und immer auf der Jagd. Das mache ich auch.“

Links: