US-Amerikanerin allein auf weiter Flur
Lindsey Vonn ist mit 77 Siegen die erfolgreichste Rennläuferin im Skiweltcup. Ein großes Ziel hat die US-Amerikanerin aber noch: Sie möchte nächstes Jahr bei einer Herren-Abfahrt im Weltcup antreten. Wenn es nach den österreichischen Läuferinnen und Läufern geht, wird es dazu allerdings nicht kommen.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
„Wenn sie in Lake Louise startet, macht sich der FIS-Weltcup ein bisschen zum Kasperltheater“, sagte Hannes Reichelt in Richtung des Weltverbandes, der diese Frage beim nächsten FIS-Konfress im Mai 2018 behandeln will.

APA/AFP/dpa/Stephan Jansen
Vonns Traum vom Start bei den Herren sorgt für Diskussionen
Der US-Skiverband hat bei der FIS-Herbsttagung in Zürich einen Antrag eingebracht, der es Vonn erlauben soll, im Jahr 2018 einmalig die Männer-Abfahrt in Lake Louise zu bestreiten. Auf der Strecke im kanadischen Banff-Nationalpark gilt Vonn, die am Mittwoch ihren 33. Geburtstag feiert, bei den Damen als fast unschlagbar - daher auch der Spitzname „Lake Lindsey“.
„Dann kannst du den Damensport abschaffen“
„Wenn das die FIS zulässt, dann muss man ehrlich gesagt die FIS ernsthaft hinterfragen“, sagte Reichelt und machte damit seinen Standpunkt klar. Ein punktueller Vergleich der Geschlechter brächte weder dem Skiweltcup noch der Frauenbewegung etwas. „Weil dann kannst du den Damen-Sport gleich abschaffen“, meinte der Salzburger, der auch als Athletenvertreter fungiert.

GEPA/Daniel Götzhaber
Reichelt kann sich der Unterstützung im Verband sicher sein
Seine Kolleginnen vom Österreichischen Skiverband (ÖSV) beharren ebenfalls auf der strikten Geschlechtertrennung, die im Sport fast überall praktiziert wird. Die prominentesten Ausnahmen sind Pferdesport, Motorsport und Langstrecken-Segeln, Spezialfälle wie Mixed- und Tanzbewerbe sind da nicht mitgerechnet. „Meiner Meinung nach soll man dort bleiben, wo man ist. Ich werde sicher nie sagen, ich möchte mit den Herren fahren“, sagte Cornelia Hütter jüngst bei einem Medientermin in Salzburg.
„Es geht nicht darum, ob ich das gerne tun würde“, erklärte ihre Speed-Kollegin Stephanie Venier. „Herren sind Herren, Damen Damen. Ich darf auch nicht, wenn ein Fußballspiel bei den Herren ist, als Dame bei den Bayern mitspielen“, sagte die aktuelle Abfahrtsvizeweltmeisterin.
Nur Werbung in eigener Sache?
„Wir haben unser eigenes Rennen in Lake Louise“, sagte auch Anna Veith. Für sie geht es Vonn in Wahrheit nicht um den sportlichen Vergleich, sondern rein um Werbung in eigener Sache. „Sie kann bei jeder Abfahrt, wo sie will, wo die Herren starten, als Vorläuferin runterfahren. Das hat ihr keiner verboten. Warum tut sie es nicht, wenn sie es will?“, fragte Veith und lieferte die Antwort gleich selbst: „Sie will ja gesehen werden.“
Ramona Siebenhofer pflichtete bei: „Sie will halt schon sehr viel Aufmerksamkeit erregen.“ Die Aussage von ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel, der gemeint hatte, wenn schon Geschlechterkampf, dann auf einer anspruchsvolleren Strecke, unterschrieben alle Befragten. „Es ist, glaube ich, die leichteste Herren-Strecke“, sagte Siebenhofer. „Wenn sie einen wirklichen Vergleich will, soll sie in Bormio, in Wengen, Gröden oder Kitzbühel starten“, fügte Reichelt an.
Einladungsrennen als mögliche Alternative
Der Routinier würde innerhalb der FIS-Gremien tätig werden, wenn das Thema mehr Traktion gewinnen sollte. „Jetzt bin ich aber einmal sehr froh, dass das vertagt ist aufs Frühjahr.“ Der Weltcup ist für den 37-Jährigen kein Experimentierfeld. Wenn Vonn ernsthaft an einem Kräftemessen mit Männern interessiert sein sollte, „muss ihr Sponsor ein Einladungsrennen organisieren und hoffen, dass einige Topläufer kommen“.
Eine Skype-Konferenz von Athletensprechern mehrerer FIS-Sportarten förderte laut Reichelt hundertprozentige Übereinstimmung zutage. „Im Endeffekt haben dort auch die Damen gesagt, sie finden es nicht richtig.“ Auch eine Befragung aller Alpin-Athleten bei Damen und Herren zu der Materie kann er sich vorstellen. „Es gibt im Frühjahr immer einen Fragebogen, den wir ausschicken, nachher hat man wenigstens eine Meinung dazu.“ Laut Reichelt wäre das ein Statement, das die FIS nicht ignorieren könnte.
Links: